Schleswig-Holstein
Party-Krise: Diverse kleine Festivals im Norden stehen vor dem Aus
Explodierende Kosten und ein schleppender Ticketverkauf bringen viele Festival-Veranstalter an ihre Grenzen. Das könnte Folgen haben.
Sommerzeit ist Festival-Zeit – doch hinter den Kulissen kämpfen viele kleine Festivals im Norden ums Überleben. So zeigt eine Umfrage des NDR unter 50 kleinen Festivals in Schleswig-Holstein, dass mindestens neun Veranstalter derzeit nicht wissen, ob sie im kommenden Jahr überhaupt noch an den Start gehen können.
Schon in diesem Jahr gibt es Absagen. Ende Juni gab das Skandaløs-Festival in Neukirchen (Kreis Nordfriesland) bekannt, dass die Ausgabe 2026 nach 15 Jahren vorerst die letzte sein wird. Wie es danach weitergeht, ist offen. Auch das bekannte Rockfestival Langeln Open Air im Kreis Pinneberg zieht die Reißleine: Nach zwei Jahrzehnten ist nach der diesjährigen Ausgabe Schluss.
Kleine Festivals vor Aus: Wilwarin Festival fällt 2026 aus
Das Wilwarin Festival in Ellerdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat bereits im Frühling überraschend mitgeteilt, dass die diesjährige Ausgabe ausfällt – weil der Ticketvorverkauf weit hinter den Erwartungen zurückblieb. In fünf Monaten Vorverkauf seien lediglich rund 2000 Tickets verkauft worden. Der Break Even des Festivals liege bei 3400 Tickets.
„Selbst wenn wir unseren täglichen Vorverkauf in den letzten Wochen verdoppelt hätten, dann würden immer noch 400 Tickets fehlen“, schrieben die Organisatoren auf Instagram. Das hätte ein Minus von rund 70.000 Euro bedeutet. „Schon 2025 haben wir draufgezahlt“, so die Veranstalter. Diesmal hätte das Defizit allerdings eine Größenordnung erreicht, die nicht mehr zu verantworten sei.
Für die Organisatoren ist klar: Die Festivalwelt und das Kaufverhalten des Publikums haben sich verändert. „Wenn es ein Wilwarin in Zukunft geben soll, müssen wir uns neu erfinden und unseren Platz in dieser veränderten Welt finden“, schreiben sie.
Verändertes Kaufverhalten von Festivalbesuchern
Mit diesen Problemen ist das Festival nicht allein. Laut der Umfrage machen neben schleppenden Ticketverkäufen vor allem explodierende Produktionskosten Probleme. Allein für Personal würde das Wilwarin Festival nach eigenen Angaben 80.000 Euro ausgeben, berichtet der NDR. Hinzu kommen deutlich höhere Zusatzkosten für Bauzäune, Technik oder den Getränkeeinkauf.
Erschwerend kommen Bürokratie und Auflagen hinzu. Gleichzeitig habe sich das Kaufverhalten der Festivalbesucher geändert: Seit der Corona-Pandemie würden Tickets meist erst kurz vor dem Festival gekauft werden, erklärt Vera Allmanritter, Leiterin des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung in Berlin. Zudem blieben vor allem jüngere Menschen häufiger zu Hause – Großveranstaltungen würden in der Tendenz gemieden werden. (mwi)
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