„Nicht hinfallen, Specki“: Party endet für Björn-Ole mit Herzinfarkt und Beleidigung

Björn-Ole Kauper ist 24 und hatte einen Herzinfarkt. Von Sanitätern und Ärzten wurde er allerdings nicht ernst genommen.
Björn-Ole Kauper ist 24 und hatte einen Herzinfarkt. Von Sanitätern und Ärzten wurde er allerdings nicht ernst genommen.

Was als Partyabend begann, endete für Björn-Ole Kauper aus Barkelsby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit einem Herzinfarkt. Der junge Mann fühlt sich vom Rettungsdienst nicht ernst genommen – und berichtet sogar von Beleidigungen. Die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein hat sich zwar entschuldigt, doch für Kauper kommt das zu spät.

Brustschmerzen. Kalter Schweiß. Kurzatmigkeit. Björn-Ole Kauper ist 24 Jahre alt, als er eines Abends merkt, dass etwas nicht stimmt. Er kommt von einer Party, hat getrunken, muss sich übergeben. Er denkt, es ist der Alkohol. Später wird sich herausstellen: Herzinfarkt.

Verdachtsdiagnose Sodbrennen

Kauper berichtet: Nach einigem Zögern wählt seine Lebensgefährtin gegen halb vier nachts den Notruf. Zwei Sanitäter kommen mit einem Rettungswagen (RTW) zur gemeinsamen Wohnung nach Barkelsby. Während Kauper auf dem Bauch liegt und sich übergibt, untersuchen ihn die Sanitäter und kleben die Messpunkte für ein EKG auf den Rücken des 24-Jährigen. Alles unauffällig, Verdachtsdiagnose Sodbrennen.

Die Sanitäter wollen ihn daher nicht mit ins Krankhaus nehmen, Kauper stimmt erst zu, besteht letztlich doch auf die Fahrt ins Krankenhaus und wird in die Schön Klinik nach Rendsburg gefahren. Erst nach mehreren Stunden, kurz vor seiner Entlassung, dann die Diagnose und sofort die OP.

Herzinfarkt-Symptome nicht ernst genommen

So schildert es der heute 26-Jährige, etwas mehr als ein Jahr nach dem Vorfall. Er hat sich jetzt an unsere Redaktion gewandt, denn er ist immer noch frustriert und will deswegen seine Geschichte erzählen. Dass er sich – er vermutet, wegen seines Alkoholkonsums an dem Abend – von den Sanitätern nicht ernst genommen gefühlt hat. Und einer der beiden Sanitäter abfällige Kommentare zu seinem Gewicht gemacht haben soll.

Trotz Beschwerde an die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) und den Kreis Rendsburg-Eckernförde kurze Zeit nach dem Infarkt im Juli 2024 habe er nie eine Entschuldigung erhalten. Das wurmt Kauper am meisten. „Es kam halt nie was. Für die war das so eine Standardantwort. Und das finde ich halt schlimm.“

Beleidigung durch Sanitäter

Dazu sagt Christian Mandel, Sprecher der RKiSH: „Es wurde mit Sicherheit nicht vorsätzlich auf eine Entschuldigung verzichtet. Hier handelt es sich vermutlich um ein bedauerliches Missverständnis in der Kommunikation mit Herrn Kauper, für das wir uns im Nachgang entschuldigen.“

Auf die Beschwerde hin sei der Vorfall umfassend und detailliert intern aufgearbeitet worden. „Zu unternehmensinternen Personalgesprächen, sowie deren Inhalten“, äußere man sich allerdings grundsätzlich nicht, so Mandel. Einer der Sanitäter soll laut Kauper auf dem Weg aus der Wohnung zum RTW hin „nicht hinfallen, Specki“ gesagt haben. „Das ist eine diskriminierende Aussage. So eine Bemerkung gehört nicht in den Einsatzdienst“, sagt Mandel deutlich.

Auf dieser Treppe habe einer der Sanitäter zu ihm gesagt „nicht hinfallen, Specki“, sagt Björn-Ole Kauper.
Auf dieser Treppe habe einer der Sanitäter zu ihm gesagt „nicht hinfallen, Specki“, sagt Björn-Ole Kauper.

„Ich habe mich sowieso die ganze Zeit nicht ernst genommen gefühlt“, berichtet Kauper. Dazu sagt der RKiSH-Sprecher: „Grundsätzlich behandeln wir jeden uns anvertrauten Patienten gleich, unabhängig von Zustand, Geschlecht, Erkrankung, Verletzung oder sonstigen diskriminierungsfähigen Merkmalen. Darunter fallen auch alkoholisierte oder körperlich eingeschränkte Patienten.“ Kauper sagt, er habe rechtliche Schritte gegen die RKiSH erwägt. Nach Beratung durch einen Anwalt habe er sich wegen geringer Aussicht auf Schadensersatz dagegen entschieden.

Wäre er Zuhause geblieben, wäre er gestorben

Der Rettungsdienst geht laut Mandel bei Einsätzen „nach einem standardisierten und strukturierten Schema vor“, allerdings sei „nicht immer eine schulbuchartige Darstellung möglicher Symptome vorhanden“. Manchmal würden dabei typische Symptome durch weniger in die richtige Richtung führende Symptome überlagert. „Dass ein Herzinfarkt erst in der Klinik final diagnostiziert wird, ist in der Rettungsmedizin keine Seltenheit, da es dafür als Beweis mehrere Marker benötigt, als wir außerhalb der Klinik ermitteln können“, so Mandel.

Ein Verzicht des Transports mit dem RTW ins Krankenhaus käme nur in Erwägung, wenn dieser nach der Untersuchung als nicht erforderlich eingestuft und alle medizinischen, rechtlichen und sozialen Bedingungen geprüft werden. „Die Ärzte im Krankenhaus haben mir bestätigt, wäre ich zu Hause geblieben, wäre ich tot“, sagt Kauper.

Herzinfarkt-Diagnose kurz vor Entlassung

In der Rendsburger Schön Klinik „lag ich dann erstmal“, sagt Kauper. Laut dem 26-Jährigen mehrere Stunden. Weitere EKG-Messungen und Blutabnahmen hätten keine weitere Diagnose zur Folge gehabt. „Da war eine Schwester, die die Entlassungspapiere fertig machen wollte. Ich hab mir selber eingeredet, ‚okay, das war aber anscheinend wirklich übertrieben’. Dann kam auf einmal ein anderer Arzt, weil Schichtwechsel war. Der hat dann mit dem Ultraschall nochmal geguckt. Und dann kam dieses ‚Oh‘.“

Laut Kauper habe der Arzt daraufhin zwei Kardiologen hinzugezogen. Es folgte die Diagnose Herzinfarkt und direkt die OP. Auf die Frage, wie das Krankenhaus die Diagnose kurz vor geplanter Entlassung bewertet, warum Kauper nicht schon vorher mittels Ultraschall untersucht wurde und weitere, antwortet die Schön Klinik nicht. Nur so viel: „Eine erneute, sorgfältige Überprüfung sämtlicher Unterlagen hat keinerlei Anhaltspunkte ergeben, dass in diesem Fall von geltenden Standards abgewichen wurde.“

Das könnte Sie auch interessieren: Bordell-Besuch endet dramatisch – Notarzt rückt zur Herbertstraße an

Zwischen Kauper und der RKiSH hat es letztlich eine Aussprache gegeben. „Ich kann nicht nachvollziehen und erklären, warum eine finale Meldung mit einem Ausdruck des Bedauerns damals ausgeblieben ist. Es tut uns leid, dass das jetzt erst geschehen ist. Eine mehrfach ausgesprochene Entschuldigung an Herrn Kauper ist aber leider nicht angenommen worden“, berichtet Mandel. „Ich nehme die Entschuldigung zur Kenntnis, für mich ist das schön zu hören. Aber es ist ein bisschen zu spät und kommt jetzt recht erzwungen“, findet Kauper. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)