Im Norden

Nach hartem Jahr: Seltene Küken machen auf Sylt Hoffnung – und sind trotzdem bedroht

Hand hält ein kleines Küken vorsichtig zwischen den Fingern.
Ein kleines Wunder auf Sylt: Dieses frisch geschlüpfte Zwergseeschwalben-Küken am Lister Ellenbogen macht Naturschützern endlich wieder Hoffnung.

Nach einem kritischen Jahr sind in den vergangenen Tagen schon 37 junge Zwergseeschwalben beringt worden. Entwarnung gibt es trotzdem nicht.

Sylt erlebt ein kleines Vogelwunder: Nach zwei Jahren mit schweren Brutverlusten wurden am Lister Ellenbogen nun 37 junge Zwergseeschwalben beringt. Wird dieser Sommer auf der Insel endlich zum erfolgreichen Brutjahr für die seltene Seeschwalbe?

Am Lister Ellenbogen stehen die Zeichen in diesem Sommer ungewöhnlich gut. Von 57 erfassten Nestern der seltenen Zwergseeschwalbe sind rund 50 noch intakt. In 22 liegen weiterhin Eier, aus den übrigen sind bereits Küken geschlüpft.

37 junge Zwergseeschwalben auf Sylt beringt

„Nachdem die letzten Jahre immer irgendwas war, ist es richtig schön zu sehen, dass es jede Woche mehr Küken werden“, sagt Sylts Naturschutzbotschafterin Charlie Esser. In den vergangenen Tagen wurden 37 Jungvögel beringt. Esser geht davon aus, dass sich noch weitere Küken in der Kolonie befinden. „Die ältesten sind knapp drei Wochen alt. Sie haben schon Flugfedern, und wenn sie hüpfen, kommen sie bereits erstaunlich weit.“

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Im vergangenen Jahr wurde der Kolonie der Nahrungsmangel im Meer zum Verhängnis. Weil Möwen kaum Futter fanden, plünderten sie zahlreiche Nester. Nur sechs Küken schlüpften – wenige Tage später wurden auch sie nicht mehr gesehen. Zusätzlichen Schutz bietet ein Elektrozaun der Brutkolonie vor Füchsen, Marderhunden oder freilaufenden Hunden. Wildkameras zeigen, dass die Raubtiere weiterhin am Ellenbogen unterwegs sind, den Zaun jedoch nicht überwinden.

Hochwasser bedroht die Brutkolonie am Lister Ellenbogen

Entwarnung gibt es trotzdem nicht. „Die größte Gefahr sind immer noch die Möwen und Hochwasser“, sagt Esser. Vor allem Sommerstürme können die niedrig gelegenen Brutflächen am Ellenbogen überfluten. Deshalb erproben die Naturschützer in Abstimmung mit dem Landesamt für Umwelt eine besondere Form der Klimaanpassung: Sie setzen die Gelege in sandgefüllte Kisten etwas höher, ohne den eigentlichen Brutplatz zu verändern.

Mehr als 20 Nester wurden auf diese Weise gesichert. Die Altvögel nahmen die erhöhten Gelege glücklicherweise an und brüteten weiter. „Wir sind jetzt mitten in der Klimaanpassung und überlegen, wie das in Zukunft weitergehen kann“, sagt Esser.

Vom Sylter Strand bis Westafrika: Die ersten Küken werden flügge

„Die Küken halten sich nicht an den Zaun“, sagt Esser. Die jungen Zwergseeschwalben erkunden auch den Strand außerhalb der Schutzzone. Mit ihrem sandfarbenen, gesprenkelten Gefieder sind sie dort kaum zu erkennen. „Die drücken sich einfach neben ein Stück Seetang auf den Boden, und dann sieht man sie kaum mehr.“ Besucher sollten daher rund um die Brutflächen besonders aufmerksam bleiben. Warnen die Altvögel, ist ein Küken meist ganz in der Nähe.

Getarnter Jungvogel sitzt zwischen Kies und Strandgras am Ufer.
Kaum zu erkennen: Weil sich die Küken so perfekt im Sand ducken, sollten Besucher rund um die Schutzzonen am Lister Strand jetzt besonders aufmerksam sein.

Für die ältesten Zwergseeschwalben beginnt bald die nächste Etappe. Sobald sie fliegen können, lernen sie von ihren Eltern die Jagd auf kleine Fische. Noch ein bis zwei Monate bleiben die Familien zusammen. Dann beginnt für die Zwergseeschwalben die lange Reise von Sylt Richtung Westafrika. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de.)


Sylt erlebt ein kleines Vogelwunder: Nach zwei Jahren mit schweren Brutverlusten wurden am Lister Ellenbogen nun 37 junge Zwergseeschwalben beringt. Wird dieser Sommer auf der Insel endlich zum erfolgreichen Brutjahr für die seltene Seeschwalbe?

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