Nach 33 Jahren: Darum macht dieser beliebte Fischimbiss an der Elbe plötzlich zu
Der Schulauer Hafen in Wedel verändert sich – und eine Institution geht: „Isi’s Fischimbiss“ direkt an der Elbe schließt nach 33 Jahren für immer. Im Gespräch mit SHZ berichtet der Betreiber von den Gründen für das Aus – und verrät, wie es für die Familie weitergeht.
An dem weißen Verkaufswagen hängt ein gelbes Herz aus Pappe: „Vielen Dank, Isi, für viele wunderbare Jahre.“ Wo sich im Sommer Wedeler wie Touristen unter großen grünen Sonnenschirmen tummelten, herrscht dieser Tage gähnende Leere. „Isi’s Fischimbiss“ am Schulauer Hafen ist geschlossen – und dass das nicht am Wetter liegt, ist ein offenes Geheimnis in der Stadt an der Elbe. Nach 33 Jahren macht der Kult-Imbiss für immer dicht. Aber warum?
„Nach langem Hin- und Herüberlegen sind wir zu der Entscheidung gekommen“, sagt Tayfun Dagbaslilar, Betreiber und Sohn des Gründers, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Entscheidung, den Imbiss zu schließen, allen Mitarbeitern zu kündigen und den Platz an der Elbe noch im Februar zu räumen, hat vor allem mit dem Standort selbst zu tun: Der Schulauer Hafen verändert sich – und „Isi“ wird kein Teil davon sein.
Neuer Kiosk mit Gastronomie übernimmt „Isi’s Fischimbiss“
An der Ostmole, in Sichtweite des Imbisswagens, entsteht ein neuer Kiosk mit Gastronomie: „Letztes Jahr gab es deswegen eine Ausschreibung, da hätten wir uns auch bewerben müssen“, berichtet Dagbaslilar. „Eine Parallelexistenz wäre nicht möglich gewesen – das wäre unfair gegenüber den neuen Betreibern. Und wir stehen da oben ja seit zig Jahren ohnehin nur provisorisch. Es war immer klar, dass wir uns irgendwann bewerben müssten.“ Schon 2016 wurde darüber im Stadtrat diskutiert. Doch beworben hat sich „Isi’s“ am Ende gar nicht.
Strategisch habe es einfach nicht gepasst: „Es wären noch Investitionen nötig gewesen – und das Konzept hätte sich verändern müssen. Die Stadt wünscht sich dort eine mediterrane Küche, nicht nur Fastfood, sondern auch Frisches. Von der Größe wäre das nicht so einfach machbar, dass da eine Systemgastronomie und Frischeküche reinkommen“, sagt Dagbaslilar, der den Imbiss schon vor Jahren von seinen Eltern übernommen hat.
Für ihn und seine Familie bedeutet das Imbiss-Aus nun auch einen emotionalen Abschied: „Natürlich sind wir im Herzen immer noch Gastronomen. Ich bin da groß geworden.“ Die Mitarbeiter – allen sei bereits gekündigt worden – seien wie eine Familie gewesen. „Einige waren ja auch schon zig Jahre dabei. Da geht es um viel Verantwortung – und um viel Risiko.“ Letzteres habe er nicht eingehen wollen.
Analyse: Umsätze in der Nebensaison waren fraglich
Weder der potenzielle neue Standort am Schulauer Hafen noch andere Standorte in Wedel hätten garantiert, dass „Isi’s“ die Umsätze der Vorjahre würde halten können. „Was vielen nicht klar ist: Auch wenn es in der Hauptsaison gut läuft, müssen wir ja die Nebensaison überleben. Dann kommen Herbststürme, Sturmfluten und in diesem Jahr auch noch unser erster Eiswinter. Die Medaille hat eben zwei Seiten: Wenn das Wetter mitspielt, lohnt es sich. Wenn nicht …“
Seit Mitte Januar hat „Isi’s Fischimbiss“ schon geschlossen – und bis Ende Februar muss die Fläche freigeräumt sein, trotz eisiger Temperaturen. Die Stadt verlange, dass auch die Rasenfläche wiederhergestellt werde, sagt Tayfun Dagbaslilar. Jetzt, wo klar sei, dass „Isi’s“ nicht am Hafen bleibt: „Wir hatten gute Gespräche mit der Stadt und sicherlich hätten wir uns über viele Faktoren einigen können“, meint er.
Neuen Standort im Businesspark lehnte „Isi’s“ ab
Einer dieser Faktoren wäre auch ein potenzieller neuer Standort gewesen. Auch ein möglicher Umzug in den Businesspark – in das neu geschaffene Naherholungsgebiet an Schnalles Hafen etwa – sei als Option gefallen: „Aber das ist eben bisher nicht so hochfrequentiert. Wir sehen das noch nicht als Publikumsmagnet, wo sich alle Gesellschaftsschichten treffen.“ Dass sich alle treffen können, genau darum ging es schließlich bei „Isi’s“.
In den sozialen Medien trauern die Wedeler: „Ich fand die Brötchen immer superlecker“, schreibt ein Nutzer. Eine andere: „Oh nein, wie konnte das passieren? Das ist sehr traurig für Wedel. Damit geht eine Institution und ein Besuchermagnet, wir waren da immer sehr gerne.“ Einige erinnern sich auch noch an die Zeit vor dem Provisorium, als Isi’s noch am alten Hafenmeisterhaus stand – dessen Neubau nun Teil des Endes für den Kultimbiss ist.
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Der Kühlwagen sei bereits abgegeben worden, berichtet der Betreiber, der Verkaufsstand soll erst einmal eingelagert werden: „Wir geben die Hoffnung nicht einfach auf. Wir versuchen jetzt, die Kiste erstmal zu verwahren.“ Vielleicht ergäbe sich ja noch etwas. Bei Tayfun Dagbaslilar selbst herrscht wegen seiner „Zweitkarriere“ – als erfolgreicher Musikproduzent unter dem Namen „Typhoon“ – keine Zukunftsangst.
Böses Blut zwischen „Isi’s“ und der Stadt Wedel gebe es im Übrigen auch nicht, sagt Dagbaslilar: „Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass wir bei der Ausschreibung bevorzugt behandelt werden. Aber die Ausschreibung muss offen sein, damit alles fair ist. Ich habe da Verständnis für die Stadt“, so das Fazit des Gastronomen. „Von daher – alles easy.“ (Dieser Artikel erschien zuerst bei SHZ.de)