Schleswig-Holstein

Mega-Tunnel wächst – jetzt wurde „Heiligenhafen“ in der Ostsee versenkt

Große schwimmende Industrieanlage vor Küste im Wasser
Das dritte Tunnelelement wurde am vergangenen Wochenende in der Ostsee zwischen Deutschland und Dänemark abgesenkt.

Zwischen Deutschland und Dänemark wurde das dritte Tunnelelement im Fehmarnbelt abgesenkt. Wie der Bau des längsten Absenktunnels der Welt insgesamt vorangeht.

Nach zwei Jahren Verzug geht es beim Bau der Festen Fehmarnbeltquerung (FBQ) nun Schritt für Schritt weiter voran. Am vergangenen Wochenende wurde bereits das dritte Element für den 18 Kilometer langen Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark abgesenkt.

Die 217 Meter lange Betonkonstruktion sei vor der Küste Lollands mit dem bereits auf dem Grund der Ostsee liegenden Tunnelabschnitt verbunden worden. „Damit befindet sich nun ein weiteres der insgesamt 89 Tunnelelemente, aus denen der längste Absenktunnel der Welt bestehen wird, auf dem Meeresboden“, sagte Denise Juchem, Sprecherin der staatseigenen dänischen Bau- und Betreibergesellschaft Femern A/S.

Wie bei den beiden vorangegangenen Elementen dauerte das „Versenken“ eine gewisse Zeit; schließlich ist die Verlegung im Meer in einer Tiefe bis zu 45 Metern eine besondere Herausforderung – hier ist Millimeterarbeit erforderlich. „Jeder Absenkvorgang ist eine anspruchsvolle Präzisionsaufgabe, bei der viele Komponenten zusammenspielen müssen“, erklärte Lasse Vester, stellvertretender Vertragsdirektor bei „Sund & Bælt“.

Millimeterarbeit: mehr als 73.500 Tonnen in der Ostsee vor Fehmarn

Die Reise des Tunnelelements begann am vergangenen Donnerstagabend, als es aus dem dänischen Arbeitshafen bei Rødbyhavn gezogen wurde. Von dort wurde das mehr als 73.500 Tonnen schwere Betonelement von fünf Schleppern zum Tunnelgraben etwa 500 Meter vor der Küste Lollands transportiert. Im Anschluss startete das eigentliche Absenken, das am Samstagmorgen abgeschlossen wurde.

Warum das dritte Tunnelelement „Heiligenhafen“ heißt

Die Tunnelelemente entstehen auf dänischer Seite in einer eigens errichteten Produktionsanlage auf rund 150 Hektar. Auf fünf Produktionslinien werden die Segmente parallel produziert. Rund 16 Elemente sind bereits fertiggestellt, drei nun schon abgesenkt – das erste Anfang Mai von einem Spezialschiff aus im Tunnelgraben.

Wie dieses und das zweite wird nun auch Nummer 3 mit Steinen und Schotter bedeckt, um es dauerhaft im Tunnelgraben zu sichern.

Zwei schwimmende Plattformen im Meer, verbunden durch eine grüne Spur, umgeben von gelben Bojen.
Der Hauptauftragnehmer für den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels, Femern Link Contractors (FLC), hat das dritte Tunnelelement am vergangenen Wochenende in der Ostsee abgesenkt.

Unterdessen laufen bereits die Vorbereitungen für das Absenken des nächsten Tunnelelements weiter. Auch dieses wird einen Namen erhalten – wie Nummer 3, für das die Stadt Heiligenhafen Pate stand. Hintergrund der Namensgebungen ist, dass der Fehmarnbelt-Tunnel als ein zentraler Bestandteil des europäischen Verkehrsnetzes gilt, das Europa von Malta im Süden bis Finnland im Norden enger miteinander verbindet. „Daher wird jedes Tunnelelement nach einer Stadt entlang des Korridors benannt“, erklärte Denise Juchem.

Wie Rødby und Lund, nach denen die ersten beiden Beton-Elemente benannt wurden, habe auch Heiligenhafen als Küstenort eine lange maritime Tradition und sei schon seit Jahrhunderten mit Skandinavien verbunden. Auch heute noch liegt Heiligenhafen an einer wichtigen Verbindung zwischen Deutschland und Skandinavien: der Vogelfluglinie zwischen Hamburg und Kopenhagen. „Mit dem Fehmarnbelt-Tunnel gewinnt diese Lage weiter an Bedeutung“, so Juchem.

Kuno Brandt, Bürgermeister von Heiligenhafen, ist sich sicher, dass „mit der verbesserten Anbindung Heiligenhafen an zusätzlicher Attraktivität gewinnt“. Lübeck werde künftig in 39 Minuten mit dem Regionalzug erreichbar sein und Dänemark rücke in greifbare Nähe. „Das bringt neuen Schub für den Tourismus sowie das Leben und Arbeiten in der Region und eröffnet auch für Pendler ganz neue Perspektiven.“ Brandt kündigte an, dass Heiligenhafen die Chancen nutzen möchte und daran arbeite, „neue, dringend benötigte Gewerbeflächen zu schaffen“.

Wie der Bau des Belttunnels in der Ostsee weitergeht

Doch bis es so weit ist, wird es noch etwas dauern, denn bislang wird davon ausgegangen, dass das FBQ-Projekt erst 2032/33 fertig sein könnte. Zumindest der Bau des Tunnels nimmt indes Fahrt auf: Das vierte Betonelement schwimme bereits im Arbeitshafen, so Denise Juchem. Ein genauer Zeitpunkt, wann dieses abgesenkt wird, stehe jedoch noch nicht fest. Zunächst müssten die Spezialschiffe das Segment aufnehmen und Ballastbeton eingefüllt werden. Nachfolgend würden Überprüfungen erfolgen – und letztlich muss auch das Wetter mitspielen. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)

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