Kunst im Norden: So spannend wie die documenta – nur viel weniger aufgeregt
Genauso sehenswert wie die „documenta“ in Kassel, eine der wichtigsten Ausstellungen für moderne Kunst weltweit, aber viel entspannter: Auf der „NordArt“ in Büdelsdorf wird seit 1999 alljährlich im Sommer internationale Kunst in besonderer Umgebung gezeigt. Besucher sitzen auf dem Gras neben spektakulären Skulpturen im Park und staunen über Installationen in der riesigen Halle der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte.
Meisterwerke im Park
Flirrende Metallkonstruktionen, ein rostiger Rhombus oder ein weißer Riese, der mit Siebenmeilenstiefeln voranzuschreiten scheint. Die sechs Meter hohe Bronzeskulptur „The Walking Man“ von Su Xinping soll die Dynamik der beschleunigten Entwicklung in China symbolisieren. Wohin man sich dreht und wendet, es gibt überall spektakuläre Skulpturen im weitläufigen Park der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg zu entdecken.
Kunst-Pause
Viele Besucher verbringen den ganzen Tag auf der „NordArt“, einer der größten Kunstschauen in Europa. Sie suchen sich den schönsten Platz für eine Kunst-Pause und betrachten die ausgestellten Werke von der Wiese im Park und von einer Bank unter den alten Bäumen aus. Kaffee, Kuchen und kleine Gerichte gibt es in der „Alten Meierei“, dem „NordArt“-Café. Studenten haben sich für eine Diskussionsrunde vor den farbigen Reitern niedergelassen, die wie aus Papier gefaltet aussehen. „Veni Vidi Vici“ hat der polnische Künstler Paweł Orłowski die Gruppe genannt. Die Reiter haben keine Arme, um Zügel zu halten und sind so den Pferden ausgeliefert. Das könnte ein Sinnbild sein für das Schicksal, das sich nicht lenken lässt.
„Icarus“ in der Remise
Die Wagenremise der 1827 gegründeten und 1997 stillgelegten Gießerei präsentiert in diesem Jahr Werke von 14 polnischen Künstlern. Am auffälligsten ist der „Icarus“ von Marcin Otapowicz. Die Figur aus bis zu 7000 Jahre altem Moorholz mit den ausgespannten Flügeln erinnert an ein antikes Standbild und steht für die Zerbrechlichkeit der Freiheit.
Ausreichend Platz für Meisterwerke
Auf 22.000 Quadratmetern ist in der ehemaligen Halle der Eisengießerei genug Platz für monumentale Kunstwerke, Videoinstallationen und Riesengemälde. Ein Wasserbecken reflektiert einige der ausgestellten Werke, begehbare Spiegelkammern zeigen neue Blickwinkel auf. Besucher schauen fasziniert auf die sich immer wieder neu formierenden, hypnotisierenden Lichtkreise auf superfeinem Drahtgeflecht des chinesischen Künstlers Yang Song. Fotografieren? Fast unmöglich. Auch dieses Kunstwerk muss jeder mit eigenen Augen gesehen haben.
„NordArt“: bis 5. Oktober, Di bis So 11 bis 19 Uhr, 20 Euro, Sa/So 23 Euro, Vorwerksallee, 24782 Büdelsdorf