K.o.-Tropfen bei Faschingsparty: Unterkiefer und Augenknochen von Frau gebrochen

Immer wieder gibt es auch im Kreis Steinburg den Verdacht, dass auf Feiern sogenannte K.o.-Tropfen unbemerkt verabreicht wurden. Ein toxikologischer Nachweis dafür gelang laut Polizeiangaben bisher in keinem Fall.
Immer wieder gibt es auch im Kreis Steinburg den Verdacht, dass auf Feiern sogenannte K.o.-Tropfen unbemerkt verabreicht wurden. Ein toxikologischer Nachweis dafür gelang laut Polizeiangaben bisher in keinem Fall.

Seit über 20 Jahren war sie nicht mehr auf der Fubama, wollte das bunte Faschingstreiben auf der Mega-Party mit ihrem Partner und Freunden einfach mal wieder erleben. Doch der Abend entwickelte sich für die 54-jährige Wilsteranerin, die anonym bleiben möchte, zum Albtraum. Sie ist sicher: „Jemand hat mir K.-o.-Tropfen verabreicht.“ Denn viel Alkohol getrunken hatte sie noch nicht, als sie gegen 23.45 Uhr zusammenbrach – und sich dabei schwere Gesichtsverletzungen zuzog.

Zu Hause hatten sie sich mit ein paar Freunden getroffen, um erst gemeinsam etwas zu essen, bis sie um 20.30 Uhr starteten. „Ich habe, als wir uns trafen, zur Begrüßung ein Glas Sekt getrunken. Sonst nichts Alkoholisches.“ Gegen 21 Uhr waren sie auf der Maskerade, ließen sich zwischen Colosseum und Party-Zelten treiben.

Ihr gerade mal drittes Mischgetränk im Becher habe sie in der Hand gehalten, schob sich mit ihrem Partner durchs närrische Gedränge. „Ich hab den Becher nirgends unbeaufsichtigt stehen gelassen, aber bei der Menschenmenge beim Feiern hat man auch nicht immer den Blick auf das Getränk in den Händen.“ Das wurde ihr offenbar zum Verhängnis.

„Plötzlich wurde mir ganz komisch, ich fing an zu torkeln.“ Ihr Lebensgefährte habe sie noch verwundert angesehen. „Du hast doch kaum was getrunken, sagte er noch zu mir.“ Sie bat ihn, ihr ein Glas Wasser zu holen. Während er am Tresen war, machte sie sich Richtung Ausgang auf, um frische Luft zu schnappen, denn: „Mir wurde immer übler.“

Wie sie draußen zusammengebrochen ist, daran kann sie sich nicht mehr erinnern. „Ich weiß von dem Moment nichts mehr“, erzählt sie. Als ihr Partner sie gefunden habe, hätten sich gerade zwei Helfer um die Ohnmächtige gekümmert. Die Wilsteranerin war mit dem Gesicht aufs Pflaster geschlagen.

Erst mal an den Tropf gelegt

Sie wurde in den DRK-Bereitschaftsraum, der im Gemeindehaus eingerichtet war, gebracht. „Ich wachte langsam wieder auf, aber alles war wie im Nebel.“ Sie sei an einen Tropf gelegt worden. Ihr seien viele Fragen gestellt worden, ihr Partner musste derweil außerhalb des Raumes warten.

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„Meinen Namen konnte ich sagen, habe Fragen beantwortet, an alles erinnere ich mich aber nicht“, erzählt sie. Nur an die Feststellung des Notarztes, dass sie stark alkoholisiert sei. „War ich aber nicht, auf jeden Fall nicht so, dass ich ohnmächtig geworden wäre. Ich bin doch keine 20 mehr, und ich trinke nie so viel, dass der nächste Tag flachfällt.“ Zumal sie auch Übernachtungsgäste hatten.

Starke Schmerzen und eine weitere Ohnmacht

Der Notarzt habe ihrem Partner nach einiger Zeit gesagt, dass er sie nach Hause bringen könne. Sie seien nur noch informiert worden, dass das EKG nicht in Ordnung gewesen sei, das sollte sie beim Kardiologen prüfen lassen. Wie ihr Lebensgefährte sie nach Hause gebracht habe, das wisse sie nicht mehr. Die Schmerzen im Gesicht waren stark, am Sonntag zeigte ihr ein Blick in den Spiegel eine Lunke am rechten Wangenknochen, Prellungen rund ums Auge und der Kiefer tat weh. Sie fiel nochmals in Ohnmacht. Ihr Partner brachte sie in die Klinik.

Getränke in einer Bar
Innerhalb von Sekunden kann ein Getränk mit K.o.-Tropfen zur Gefahr werden. (Symbolbild)

„Dort fragte man mich, warum ich nicht noch in der Nacht ins Krankenhaus eingeliefert worden bin. Das konnte ich auch nicht beantworten“, erzählt sie. Das sei auch für sie unbegreiflich. Das DRK wollte auf Nachfrage unserer Redaktion dazu keine Stellung nehmen. Und noch etwas ärgert die 54-Jährige: In der Nacht hätte sicherlich noch nachgewiesen werden können, dass sie durch eine Substanz vorsätzlich betäubt worden sei.

Gesichts-OP in Hamburger Klinik

Im Klinikum ergab das Röntgen, dass Unterkiefer und Knochen im Bereich rund ums rechte Auge gebrochen waren. Die 54-Jährige wurde nach Hamburg in die Gesichtschirurgie überwiesen und da dann aufwendig operiert. Dort, wo die Lunke war, wurden die Wangenknochen wieder hervorgeholt, drei Titanplatten wurden ihr eingesetzt: im Unterkiefer, über und unter dem rechten Auge. Ein Nerv war durch die Sturzverletzungen eingequetscht worden. „Alles ist noch taub.“

Die Tortur hat noch kein Ende. Abgesehen davon, dass sie zurzeit nur weiche Nahrung zu sich nehmen kann und ihre Nase wochenlang nicht ausschnauben darf, müssen nach einem halben Jahr die Titanplatten wieder entfernt werden.

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Wütend ist sie auf die unbekannte Person, die ihr und, so viel sie weiß, auch anderen etwas ins Glas getan haben soll. „Ich habe von mehreren Fällen gehört.“ Eine Frau habe ihr erzählt, dass sie auch bewusstlos gewesen und bestohlen worden sei. Entsprechende weitere Strafanzeigen lägen der Polizei zur Fubama-Nacht bislang aber nicht vor, so Merle Neufeld, Pressesprecherin der Polizeidirektion Itzehoe. „Die Polizei rät grundsätzlich bei Veranstaltungen dazu, Getränke nicht unbeaufsichtigt zu lassen und keine offenen Getränke von Unbekannten anzunehmen“, erklärt sie.

Möglichst schnell Urin- und Blutprobe nehmen lassen

Im Jahr 2025 habe es im Kreis Steinburg übrigens mehrere Verdachtsanzeigen im Zusammenhang mit der möglichen Verabreichung von K.-o.-Tropfen gegeben. Aber: „In keinem der Fälle konnte ein toxikologischer Nachweis erbracht werden.“ Sollte der Verdacht bestehen, dass Betroffenen K.-o.-Tropfen oder andere Substanzen verabreicht worden sind, werde geraten, umgehend die Polizei zu informieren und ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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„Da es sich teilweise um Stoffe handelt, die im Körper schnell abgebaut werden, ist die zeitnahe Abgabe einer Urinprobe sowie ergänzend einer Blutprobe für einen möglichen Nachweis einer Intoxikation von entscheidender Bedeutung“, betont Neufeld. (Dieser Artikel erschien zuerst auf Shz.de)

Seit über 20 Jahren war sie nicht mehr auf der Fubama, wollte das bunte Faschingstreiben auf der Mega-Party mit ihrem Partner und Freunden einfach mal wieder erleben. Doch der Abend entwickelte sich für die 54-jährige Wilsteranerin, die anonym bleiben möchte, zum Albtraum. Sie ist sicher: „Jemand hat mir K.-o.-Tropfen verabreicht.“ Denn viel Alkohol getrunken hatte sie noch nicht, als sie gegen 23.45 Uhr zusammenbrach – und sich dabei schwere Gesichtsverletzungen zuzog.