Kneipe mit dunkler Geschichte wird abgerissen: Hier erschoss der Wirt einen Stammgast

Ein überwuchertes Haus
Das ehemalige „Moby Dick“ am Ochsenzoll-Kreisel in Norderstedt.

Hier wurde gefeiert, getrunken, es gab Schlägereien – und eines Tages fielen tödliche Schüsse: Die Kneipe „Moby Dick“ in Norderstedt sorgte über vier Jahrzehnte immer wieder für Skandale. Für viele Anwohner war der urige Laden „die letzte Station nach einer langen Nacht“. Andere Anwohner hassten die Kneipe, in der ein Stammgast starb. Jetzt ist es endgültig vorbei: Das Gebäude wird abgerissen.

Das große weiße Haus mit der Nummer 691 steht völlig verlassen an der Langenhorner Chaussee, knapp vor der Stadtgrenze zu Hamburg. Die Kneipe wurde 2010 geschlossen, seitdem verfällt das Gebäude: Die Fassade ist voller Graffiti, Efeuranken bahnen sich durch die ehemaligen Fenster ihren Weg in das marode Innere. In die Räume, in denen am 6. Dezember 1998 ein Stammgast vom Wirt der Kneipe erschossen wurde.

Weihnachtsfeier im „Moby Dick“: Streit um leere Kasse

Die interne Weihnachtsfeier des „Moby Dick“ war damals in vollem Gange. Als Höhepunkt sollten die Spargelder – Stammgäste hatten im Verlauf des Jahres mehr als 10.000 Mark in einen Kasten an der Wand im Schankraum gesteckt – ausgezahlt werden. Dann der Schock: die Kasse war leer. Stammgast Ernst-Otto Z. (52) stellte den damaligen Wirt Manfred B. (51) zur Rede. Ein folgenschwerer Fehler. Plötzlich zückte der 51-Jährige eine Pistole und schoss Ernst-Otto Z. vor den Augen der anderen Gäste mehrfach in den Kopf. Der Stammgast starb noch am Tresen. Der Wirt wurde kurze Zeit später in der Wohnung einer Bekannten in Norderstedt festgenommen.

Der 6. Dezember war zwar der dunkelste Tag in der langen Geschichte der Kneipe, die in den 1970er-Jahren eröffnete, aber Gewaltdelikte gehörten am Ochsenzoll-Kreisel beinahe zur Tagesordnung. Eine Norderstedterin, die seit 30 Jahren in der Nähe der Kneipe wohnt, erinnert sich: „Klar haben wir damals mitbekommen, dass es dort oft Schlägereien gab.“ Doch ihr sei dort nie etwas passiert. „Für uns war das ‚Moby Dick‘ immer die letzte Station nach einer langen Nacht“, erzählt sie. Irgendwie habe sie die urige Kneipe trotz allem gemocht.

Ein Sarg wird aus einem Haus getragen
Die Leiche von Ernst-Otto Z. wurde spätabends aus der Norderstedter Kneipe „Moby Dick“ gebracht.

Norderstedter Kneipe „Moby Dick“ wird abgerissen

Bald wird von dem Haus nichts mehr zu sehen sein. Im Dezember stapelte sich auf dem Grundstück bereits der Schrott: darunter Küchengeräte, Einkaufswagen und alte Türrahmen. Drei große Container waren aufgestellt worden, um das Gelände zu entrümpeln.

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Inzwischen haben die Abrissarbeiten begonnen. „Der Rückbau soll Ende Februar abgeschlossen sein“, erklärt der Eigentümer, die städtische Entwicklungsgesellschaft „Egno“, die das Grundstück im vergangenen Jahr erwarb. Konkrete Pläne, was auf dem Gelände entstehen soll, gibt es noch nicht. Die „Egno“ sucht aktuell nach Investoren.

Hier wurde gefeiert, getrunken, es gab Schlägereien – und eines Tages fielen tödliche Schüsse: Die Kneipe „Moby Dick“ in Norderstedt sorgte über vier Jahrzehnte immer wieder für Skandale. Für viele Anwohner war der urige Laden „die letzte Station nach einer langen Nacht“. Andere Anwohner hassten die Kneipe, in der ein Stammgast starb. Jetzt ist es endgültig vorbei: Das Gebäude wird abgerissen.