Keine Bademeister! Beliebtes Freibad bei Hamburg bleibt ganzen Sommer geschlossen
Auch viele Hamburger kommen gern hier her, um sich an heißen Tagen zu erfrischen. Doch das fällt in diesem Jahr aus: Das beliebte Freibad in Wedel bleibt im Sommer dicht. Der Grund sind fehlendes Personal und eine schwierige Haushaltslage. Als Ersatz müssen das Indoor-Becken der Anlage sowie der Spa-Bereich der „Badebucht“ herhalten. Stadt und Bad-Betreiber sprechen von einer „unvermeidbaren Lücke im Freizeitangebot der Stadt“ und erklären die Lage.
Bisher habe sich niemand beschwert: weder bei der Stadt Wedel noch bei der Kombibad Wedel GmbH, der städtischen Betreiber-Gesellschaft der „Badebucht“. Eine Sprecherin der Stadt sagt: „Der Wegfall von Außenbecken und Liegewiese hinterlässt diesen Sommer natürlich eine – wenn auch unvermeidbare – Lücke im Freizeitangebot der Stadt.“ Trotz Freibad-Schließung stünden Besuchern auch im Sommer die Indoor-Becken, Wasserrutschen und der Spa-Bereich der „Badebucht“ offen.
Die Beliebtheit des Freibads in den Sommerferien sinke seit zehn Jahren, heißt es von der Stadt. Während im Sommer 2014 noch 16.000 Besucher das Freibad zum Schwimmen, Planschen und Sonnen aufsuchten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 4800. Stadt und Betreiber beobachteten in der Vergangenheit, dass Familien bei sehr gutem Wetter das Freibad gemieden und stattdessen zum Spielen, Grillen und Picknicken den Elbstrand besucht hätten.
Freibad in Wedel: Zu wenig Personal, um im Sommer zu öffnen
Trotz bundesweiter Stellengesuche und Social-Media-Kampagnen fand die Kombibad Wedel GmbH nicht genügend Personal, um in diesem Sommer das Freibad zu öffnen. Dahinter liege ein strukturelles Problem. Die Stadt beruft sich auf Zahlen des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister: Demnach fehlen bundesweit mindestens 2500 Fachangestellte für Bäderbetriebe und genauso viele Rettungsschwimmer. Gründe dafür seien der zunehmend raue Umgang mit Aufsichtskräften und die Arbeitszeiten während der Urlaubs- und Freizeit.
Auch die leere Haushaltskasse der Stadt ist schuld daran, dass das Freibad nicht öffnet. Die Schulden der Stadt werden auf etwa 100 Millionen Euro geschätzt. Auch das Schwimmbad schreibt rote Zahlen: Statt mit geplanten 1,1 Millionen Euro muss die Stadt die „Badebucht“ mit etwa 2,3 Millionen Euro pro Jahr bezuschussen. Verantwortlich dafür seien laut Stadt und Betreiber-Gesellschaft der schlechte energetische Zustand, der zu hohen Energiekosten führe, ebenso wie hohe Reparatur- und Instandhaltungskosten für das in die Jahre gekommene Bad. Dadurch, dass das Freibad in diesem Jahr geschlossen bleibt, werden rund 190.000 Euro eingespart.
In Wedel besteht jedoch politischer Konsens, auch in Zukunft weiterhin Schul- und Vereinsschwimmen zu gewährleisten. Daher lautet die aktuelle Lösung: Mehr Wasserflächen auf kleinem Raum, Rückbau der Anlage und eine energetische Sanierung – vorausgesetzt, das Innenministerium in Kiel genehmigt der Stadt einen Kredit in Höhe von 14,7 Millionen Euro.
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Eine Entscheidung über den Kredit werde noch im Juni angestrebt, erklärt das Innenministerium Schleswig-Holstein gegenüber der MOPO. Der letzte Haushaltsentwurf der Stadt Wedel wurde Ende vergangenen Jahres abgelehnt. Bei der gegebenen Haushaltslage der Stadt Wedel seien nun zum Teil schwierige und unpopuläre Entscheidungen zu treffen. „Die Stadt hat vieles angeschoben, um die schwierige Haushaltslage zumindest beherrschbar zu halten. Dies wird im Rahmen der Haushaltsgenehmigung wohlwollend berücksichtigt werden“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums.
Wer jetzt aber auf den Kieler Kredit für eine rasche Wiedereröffnung des Freibads hofft, wird enttäuscht: Auch wenn das Innenministerium den Kredit genehmigen sollte, bleibt es geschlossen – um Geld zu sparen. Kleiner Trost für diesen Sommer: Das beheizte Winteraußenbecken bleibt weiterhin geöffnet, ebenso die Holzterrasse und der Rosengarten.