Kampf gegen Insekten-Plage: Sylt rüstet sich gegen juckenden Plagegeist
Gefahr durch Goldafter-Raupen: Sylt startet ein bundesweit einzigartiges Forschungsprojekt, um die Plage nachhaltig zu stoppen. Die Brennhaare der Insekten sorgen auf der Insel zunehmend für gesundheitliche Probleme und gelten als Gefahr für Mensch und Tier – jetzt soll gegen sie angegangen werden.
Es drängt: Föhr berichtet, dass sich der Goldafter rasant ausbreitet. Die Insel- und Halligkonferenz fordert rasches Handeln von Bund und Land. Auf Sylt haben die Landesregierung und der Kreis Anfang des Jahres reagiert und auf Flächen mit insgesamt mehr als 19.000 Nägeln Vliese gespannt.
Jetzt bläst Sylt zum Angriff gegen den juckenden Plagegeist: Gemeinsam mit der Universität Göttingen startet die Inselverwaltung ein bundesweit einzigartiges Forschungsprojekt zum Goldafter. Unter Leitung des Forstentomologen Prof. Dr. Martin Schebeck sollen die Geheimnisse des Falters entschlüsselt werden, dessen Brennhaare auf der Insel zunehmend für gesundheitliche Probleme sorgen. Finanziert wird das Projekt vom Amt Landschaft Sylt und der LAG Aktivregion Uthlande e. V.
„Wir möchten verstehen, wie es der Goldafter in kurzer Zeit geschafft hat, sich so schnell auszubreiten“, erläutert Schebeck, heißt es in der Meldung der Inselverwaltung Sylt. Ziel sei es, zu einem „nachhaltigen, umweltfreundlichen Management dieses Insektes beizutragen“. Untersucht werden Bestände, Umweltfaktoren und natürliche Gegenspieler wie Vögel oder Spinnen.
Die Brennhaare wirken auch noch nach dem Tod der Raupe toxisch
Die Raupen gelten als erhebliche Gefahr für Mensch und Tier. Ihre feinen Brennhaare verwehen im Wind und wirken auch nach dem Tod einer Raupe noch toxisch. Der Kontakt führt zu Hautausschlägen, Nesselsucht, Atemwegs- und Augenbeschwerden – Erfahrungen, die im Vorjahr bereits auf Sylt gemacht wurden. Trotz extremer Kälte überwintern die Raupen zu Hunderten in Gespinsten.
Bisher fehlt in Deutschland vergleichbare Forschung in Küstenräumen. „Wir erleben aktuell eine Situation, die nicht mit kurzfristigen Einzelmaßnahmen gelöst werden kann. Deshalb investieren wir bewusst in Forschung“, erklärt Kai Müller, Amtsvorsteher des Amtes Landschaft Sylt. Er dankte Veronika Vogel von der Inselverwaltung: Das Projekt sei „in erster Linie ein Ergebnis ihres großen persönlichen Engagements“. Die Herausforderung: Schon jetzt erweisen sich auf Sylt Maßnahmen wie das Absammeln in Schutzkleidung und die Entsorgung in dicken Restmüllsäcken zur Verbrennung nicht als finale Lösung.
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Parallel laufen die Akutmaßnahmen auf der Insel zwar weiter auf Hochtouren. „Wir reagieren nicht nur auf aktuelle Entwicklungen, sondern schaffen gleichzeitig die Grundlage für langfristige und nachhaltige Lösungen“, betont Vogel. Auch Dr. Jürgen Kolk von der Aktivregion Uthlande sieht einen regionalen Mehrwert: „Die Goldafter-Studie ist nicht nur für die Insel Sylt von Bedeutung, sondern aus unserer Sicht für alle nordfriesischen Inseln.“ (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)