Demo mit vielen Schildern

Mindestens 1500 Menschen demonstrierten am Samstag in Geesthacht für den Erhalt des dortigen Krankenhauses. Foto: Daniel Friederichs

Insolvente Klinik bei Hamburg: Demo gegen den „Captain“ viel größer als erwartet

Mit Transparenten und Sprechchören zogen am Samstagvormittag viel mehr Menschen als erwartet durch Geesthacht: Sie demonstrierten für den Erhalt des insolventen Krankenhauses. Ihre Kritik galt Investor Thomas Pötzsch: Der frühere Kapitän zur See hatte die Klinik im Sommer übernommen und ist nun zurückgetreten.

Gegenüber der MOPO konnte die Polizei noch nicht sagen, wie viele Menschen sich dem Umzug angeschlossen hatten. Die „Lübecker Nachrichten” berichteten von rund 1500 Teilnehmern, die Veranstalter gar von 2000 – auf jeden Fall wurde die Zahl der 500 angemeldeten Teilnehmer weit übertroffen. Der Protestzug bewegte sich zwischen 9.30 und 13 Uhr durch Geesthacht, friedlich und ohne Zwischenfälle, so die Polizei.

Protest gegen den „Captain“

Der Hintergrund: Investor Thomas Pötzsch hatte die Klinik erst im Sommer übernommen und nun seinen Rücktritt verkündet. Kritiker werfen ihm vor, das Krankenhaus als renditeorientiertes Projekt behandelt zu haben. Nach der Übernahme wurde der Betrieb von den Immobilien getrennt, dann folgte die Insolvenz des Klinikbetriebs. Nun drohen der Notaufnahme, der Geburtsstation und weiteren Abteilungen die Schließung. Unternehmer Pötzsch ist jahrelang als Kapitän zur See gefahren, was viele Demonstranten auf ihren Protestschildern aufgriffen: „Geesthacht bestimmt den Kurs, nicht der Captain“, stand da etwa, oder: „Streich die Segel, Captain“, oder: „Geesthacht braucht keinen Captain, sondern ein Krankenhaus“.

Klinik in Geesthacht insolvent: Versorgung in Gefahr?

Beschäftigte, Gewerkschaften und Ärzte warnen, dass die medizinische Versorgung für mehr als hunderttausend Menschen in der Region gefährdet sei. Sie sehen in dem Investor den Hauptverantwortlichen für die finanzielle Schieflage der Klinik. Der Betrieb der Klinik sei medizinisch unverzichtbar für die Region und wirtschaftlich tragfähig, betonen Ärzte gegenüber den Lübecker Nachrichten. Auch der Hebammenverband nennt Pläne für ein mögliches Aus der Geburtenhilfe in Geesthacht „verantwortungslos“. Viele Krankenhäuser in Hamburg seien jetzt schon überfüllt und überlastet. Hinzu kämen lange Wege, sollte das Krankenhaus in Geesthacht geschlossen werden. 

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Bis Montag können Rettungskonzepte für die Klinik eingereicht werden. Die Stadt werde ein eigenes Konzept vorlegen, betonte Bürgermeister Schulze. Trotzdem warnte er, dass dies keine Garantie für den Erhalt sei. In den nächsten Tagen berät der Gläubigerausschuss über die Zukunft der Klinik. (mp)

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