Insel-Landwirt schlägt Alarm: Wir haben ein Gänsekot-Problem an der Nordsee!

Bauer Amrum Schweine
Oke Martinen, Landwirt auf der Insel Amrum, stand auch schon mehrfach vor der TV-Kamera

Oke Martinen ist Landwirt auf Amrum. Aber er ist verärgert – und macht seinem Unmut auf Instagram Luft. Sein Video über die Gänsefraß-Schäden auf der Insel löst viele Reaktionen aus – auch in der Politik. Selbst Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) schaltet sich ein.

Der virale Instagram-Post von Oke Martinen über die Gänseproblematik auf den Inseln hat Wellen geschlagen. Zu einem Treffen der Landjugend mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Werner Schwarz am 2. Oktober in Büsum wurde auch der junge Landwirt von Amrum kurzfristig eingeladen. „Von der insgesamt eine Stunde zwanzig Minuten langen Gesprächsrunde wurde sicher eine halbe Stunde über die Gänseproblematik gesprochen“, berichtet Oke Martinen dem SHZ.

„Ich habe dann einfach mal gesagt, was Phase ist“, berichtet Oke Martinen. Durch die vielen nicht mehr weiterziehenden Gänse sei bei vielen landwirtschaftlichen Betrieben auf den Inseln nicht mehr die Wirtschaftlichkeit gegeben, berichtete der Landwirt gegenüber den Ministern. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Gänse die heimischen Arten verdrängten. „Und auch die enormen Kotmengen in den kleinen Gewässern habe ich bei der Gelegenheit angesprochen“, sagt der 28-Jährige, der in dritter Generation einen Hof auf Amrum bewirtschaftet.

Bei den versammelten Ministern lief der junge Landwirt mit seiner klaren Ansprache offene Türen ein. Auch der gebürtige Straubinger Alois Rainer wusste von der Gänseproblematik in seiner süddeutschen Heimat zu berichten. „Von jedem, mit dem ich bisher aus der Politik gesprochen habe, kam: „Das Problem ist erkannt“, sagt dann auch Oke Martinen. Er frage sich allerdings, warum dann in der Konsequenz nichts passiere.

Landwirt macht auf Gänsefraß aufmerksam – Politiker melden sich

Politiker von CDU, FDP und Linken hätten sich nach seinem Post bei ihm telefonisch gemeldet. „Zudem habe ich 200 Nachrichten unter meinem Instagram-Post gehabt. Nicht eine davon war negativ“, sagt der Landwirt von Amrum. Dadurch habe er gelernt, dass das Gänseproblem eben nicht nur die nordfriesischen Inseln betreffe. „Es haben sich Jäger und Landwirte von Plön bis in die Rheinniederungen bei mir gemeldet“, sagt Martinen. Überall, wo es größere Gewässer gebe, gebe es auch die Gänseproblematik.

Durch die Resonanz habe er aber auch gemerkt, dass die Akzeptanz, das Problem anzugehen, in der Bevölkerung vorhanden sei, erklärt Martinen. „Und auch der Naturschutz vor Ort weiß inzwischen von der Problematik“, schlägt Oke Martinen eine Brücke zurück auf die Inseln. Er wisse nur noch nicht, wie man den Naturschutz überzeugt bekomme. „Untere Naturschutzbehörde und NABU sind gefragt, zusammen mit allen anderen in ein gemeinsames Boot zu steigen“, erklärt der Landwirt.

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Auch die Landespolitik ist durch das Video von Oke Martinen nochmals auf das Problem der übergroßen Gänsepopulation auf Amrum aufmerksam geworden. Ende Oktober will die agrarpolitische Sprecherin Rixa Kleinschmit (CDU) zusammen mit einer Delegation von Politikern auf den Hof von Martinen reisen, um dort das Gespräch mit den Landwirten zu suchen. „Ich habe auch eine Gruppe von Föhrer Landwirten dazu eingeladen“, sagt Oke Martinen. Es scheint sich also einiges zu bewegen in Sachen Gänsefraß und dessen Problembewältigung.

Wichtig sei eben, was in Zukunft in puncto Gänseproblematik passiere. „Und dabei möchte ich überhaupt keine Schuldzuweisungen machen“, sagt der Landwirt. Auch in einem anderen Aspekt hat sein Instagram-Post für Aufmerksamkeit im Netz gesorgt. „Viele Menschen haben mich gefragt, was ich so mache. Die fragen: Können wir mehr von Dir sehen?“ So gebe er jetzt zurück, was gewollt sei. Er produziert seitdem kleine Instagram-Videos über seinen Alltag als Landwirt auf Amrum. „Nicht jeden Tag. Ich mache so zwei bis dreimal pro Woche ein Video. Das muss reichen. Wir haben ja auch noch ein bisschen was anderes zu tun“, sagt Oke Martinen und lacht. (Dieser Artikel erschien zuerst auf shz.de)