„Hosentaschenalarm“: Diese Notrufe werden zum Problem für Retter
Automatisierte Notrufeinrichtungen („eCall“) in modernen Autos, in Smartphones und Smartwatches – die Technik soll Leben retten, wird aber immer mehr zum Problem für die Einsatzzentralen im Norden. Fast täglich gehen dort derartige Notrufe ein. Doch wie hoch ist Fehlalarmquote wirklich?
Unter den Helfern von Rettungsdienst und Feuerwehr im Hamburger Umland wird spöttisch von Hosentaschenalarm gesprochen, wenn sie mal wieder zu einem eCall-Notruf ausgerückt waren, der dann doch keiner war. „Es werden Ressourcen gebunden, die dann in einem wirklichen Ernstfall woanders fehlen“, sagt ein Feuerwehrmann zur MOPO.
Notrufeinrichtung seit 2018 Pflicht in Neuwagen
Gemeint sind damit sogenannte eCalls, die in Autos seit 2018 Pflicht sind, aber auch Notrufsysteme, wie sie in Smartphones und Armbanduhren verbaut sind. Manchmal genügt eine kleine Erschütterung und es wird automatisch ein Notruf samt Ortungsdaten abgesetzt. Im schlimmsten Fall bekommen die Besitzer dies erst mit, wenn plötzlich Feuerwehr und Rettungswagen anrücken.
Manchmal genügt gar ein Parkrempler mit dem Pkw. Der Autofahrer steigt aus, um den Schaden zu begutachten und merkt nicht, dass die eCall-Elektronik in seinem Wagen, dies als schweren Unfall wertet, Alarm auslöst und er selbst den automatisierten Rückrufversuch im Inneren des Fahrzeuges nicht hört und beantworten kann.
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„Dann geht man von einem schweren Unfall mit nicht ansprechbarer Person aus, zu dem ein Großaufgebot an Rettungskräften ausrückt“, so Stephan Bandlow von der Regionalleitstelle in Elmshorn. Dort ist man für Notfälle vom Kreis Pinneberg und Segeberg bis Dithmarschen zuständig.
Zunahme von Fehlalarmen durch eCall erwartet
Überraschend sei das nicht, weil für Neuwagen der automatische Notruf inzwischen zur gesetzlich vorgeschriebenen Ausstattung gehört. Laut Bandlow laufen täglich mindestens drei solcher Notrufe ein, darunter auch Alarme durch Smartwatches, die Jogger am Handgelenk tragen und die unter Umständen schon beim Stolpern einen Notruf absetzen. Durch diese Geräte kommt es im Hamburger Umland sogar weitaus häufiger zu unbeabsichtigten Auslösungen als durch den eCall in Autos.
Neben vielen Fehlalarmen kann eCall lebensrettend sein
„Nach derzeitiger Datenlage sehen wir einen hohen Anteil fehlerhafter oder nicht ereignisbezogener eCall-Auslösungen. Nicht validierte Schätzungen gehen davon aus, dass etwa zwei von drei eCall-Meldungen auf fehlerhafte oder unbeabsichtigte Auslösungen zurückzuführen sind“, so Stephan Bandlow. Feuerwehrleute kennen dieses Phänomen auch von Brandmeldeanlagen in der Industrie und öffentlichen Einrichtungen.
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Es gab laut Bandlow aber auch mehrere Fälle, in denen der eCall lebensrettend war – etwa als ein Fahrzeug nachts bei Dunkelheit von der Straße abkam und mit schwer verletzten Insassen außerhalb des Sichtfelds anderer Verkehrsteilnehmer liegen blieb.