Günther Jauch ist „schuld“: Apotheke im Norden schließt nach 186 Jahren

Apotheke Reinfeld
Nur noch bis einschließlich 30. Oktober ist die „Privilegierte Apotheke“ geöffnet.

„Jetzt und in Zukunft für Sie da!“ So wirbt Bettina Seidel aktuell noch auf der Webseite ihrer traditionsreichen Apotheke. Aber: Ende Oktober schließt sie die Türen endgültig, die seit 1839 offen gestanden haben. So reagieren die Kunden – und das hat TV-Star Günther Jauch damit zu tun.

Auf zwei pinkfarbenen Postern im Schaufenster steht es: Die „Privilegierte Apotheke“ in Reinfeld hat nur noch bis zum 30. Oktober offen. Danach schließt Inhaberin Bettina Seidel für immer die Türen der seit 1839 bestehenden Apotheke. Am 30. Juni musste sie bereits die „Einhorn-Apotheke“ in der Raiffeisen Passage aufgeben. Es verbleiben dann noch die „Claudius Apotheke“ und die „Neue Apotheke“.

Apotheke schließt wegen Konkurrenz aus dem Internet

„Ich habe gedacht, dass ich die Apotheke noch retten kann“, sagt Seidel. Trotz ihrer vielen Kunden könne die 62-Jährige aber die Apotheke, die sie seit 2018 führt, nicht mehr offen halten. Ein ausschlaggebender Grund für die Schließung ist Günther Jauch – besser gesagt die „Shop Apotheke“, für die er Werbung macht. Mit der Internet-Konkurrenz könne sie nicht mehr mithalten, sagt Seidel. Ihre Kollegen aus Bad Oldesloe beklagen ebenfalls den Einfluss der Online-Apotheken.

„Wir werden vom Staat einfach nicht unterstützt. Die wollen die Apotheken unterkriegen“, meint die 62-Jährige. Die Zahl der Apotheken befinde sich wieder auf dem Niveau von 1978. Tatsächlich gab es 1978 in Ost- und Westdeutschland insgesamt 16.857 Apotheken. Zur Jahresmitte 2025 gab es noch 16.803, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände im Juli mitteilte.

So reagieren die Kunden der Apotheke

In der Kundschaft kommt die Schließung nicht gut an. „Als ich die Poster gesehen habe, dachte ich schon, das kann nichts Gutes heißen“, sagt Hannelore Oheim. Die 74-Jährige ist seit einiger Zeit Kundin der Apotheke. „Ich habe viel online bestellt, als ich noch gearbeitet habe“, sagt die Reinfelderin. Sie habe die Rabatte gerne genutzt – ganz zu schweigen vom geringen Aufwand: „Ich habe das nachmittags bestellt und hatte die Medikamente am nächsten Morgen in der Hand gehabt.“ Trotz der Enttäuschung über die Schließung glaubt sie, dass die Versorgung mit zwei verbleibenden Apotheken in Reinfeld gesichert ist.

Das könnte Sie auch interessieren: Mann soll Arbeiter unter Gewalt und ohne Lohn ausgebeutet haben – Prozess

Uwe Reuter lebt seit fünf Jahren in Reinfeld in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Seitdem ist er Kunde der Apotheke. „Die Schließung ist eine Katastrophe“, sagt er. Ähnliche Töne schlägt Marika Beeck aus Hamberge an: „Ich finde es ganz traurig, dass die Apotheke zumacht. Solange ich denken kann, gehe ich hierhin.“ Genau wie Inhaberin Bettina Seidel sieht sie die Schuld für das Apothekensterben bei den Online-Versandapotheken. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)