Gleisanbindung zum Fehmarnbelt-Tunnel verzögert sich – Dänemark fordert Aufklärung

Visualisierung des Fehmarnsundtunnels
Grund für den Verzug in Deutschland: der geplante Fehmarnsundtunnel. Hier eine Visualisierung der Bahn vom Tunnelportal auf Ostholsteins Festland.

In Hamburg in den Zug steigen und zweieinhalb Stunden später Kopenhagen erreichen, das soll der Fehmarnbelt-Tunnel ab 2029 möglich machen. Nun wird das Versprechen ausgebremst: Der Bau der deutschen Gleisanbindung zum Fehmarnbelt-Tunnel verzögert sich um mindestens drei Jahre. Das führt zu diplomatischem Ärger: Dänemark fordert eine Erklärung von Deutschland.

Wegen der mindestens dreijährigen Verzögerung beim Bau der deutschen Gleisanbindung zum geplanten deutsch-dänischen Fehmarnbelt-Tunnel fordert Dänemarks Verkehrsminister Thomas Danielsen jetzt Aufklärung von seinem deutschen Kollegen Patrick Schnieder. „Mein Ministerium hat sich an das deutsche Ministerium gewandt, um vertiefende Erklärungen zu den Planunterlagen zu erhalten“, sagte Danielsen dem zu unserem Redaktionsverbund gehörenden „Nordschleswiger“. Er „werde die Sache genau verfolgen“.

Deutschland hat sich in einem Staatsvertrag mit Dänemark dazu verpflichtet, bis zur Fertigstellung des Belttunnels eine „ausreichende Eisenbahnkapazität“ auf deutscher Seite „sicherzustellen“. Doch dieses Versprechen wird man nicht halten können.

Denn wie das Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde für die deutsche Schienenanbindung in einer Bekanntmachung über die Planunterlagen der Deutschen Bahn mitteilt, schafft die Bahn es nicht, die Gleise bis zur Eröffnung des Belttunnels Ende 2029 fertigzustellen. Sie wird mindestens drei Jahre länger brauchen.

Eisenbahnbundesamt teilt Verzögerung mit

Grund dafür ist die lange Bauzeit des Fehmarnsundtunnels auf deutscher Seite, der die Insel Fehmarn mit dem deutschen Festland verbinden soll – als Ersatz für die altersschwache Fehmarnsundbrücke. Der Tunnel ist Bestandteil der neuen Schienenanbindung und soll künftig den Auto- und Zugverkehr aufnehmen. Seine Bauzeit werde mitsamt Anschlussinfrastruktur und Inbetriebnahme „circa 6 Jahre und 5 Monate“ betragen, schreibt das Eisenbahnbundesamt. Zuvor ist zudem noch ein mindestens einjähriger Planungsprozess nötig.

Und da die Bahn laut Eisenbahnbundesamt auch auf die erwogene Übergangslösung einer Elektrifizierung der alten Sundbrücke verzichtet, gäbe es für den Belttunnel bei einer Eröffnung 2029 keinerlei Gleisanbindung – und das drei Jahre lang. „Bis zur Inbetriebnahme“ des Sundtunnels in Deutschland sei „kein planmäßiger Eisenbahnverkehr von und zur Insel Fehmarn vorgesehen“, schreibt das Eisenbahnbundesamt. Auch der dänische Minister Danielsen sagt, er sei über diese Neuigkeiten „informiert worden“.

Deutsche Bahn hält an ihren Prognosen fest

Zwar hält die Bahn trotz der anderslautenden Mitteilung des Eisenbahnbundesamts an ihrer Prognose fest, dass der Sundtunnel Ende 2029 fertig wird. „Gemeinsam mit den Bauunternehmen arbeiten wir an Optimierungen, um schneller in Betrieb gehen zu können als beschrieben“, teilt ein Bahnsprecher mit. Auch sei die alte Sundbrücke als Rückfalloption für Personenzüge noch nicht aus dem Rennen. „Eine Entscheidung darüber muss bis 2027 gefällt werden“, sagt er.

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Doch im Bundestag schenkt man den Aussagen der Bahn kaum mehr Glauben. Der Flensburger SSW-Abgeordnete Stefan Seidler hat den Staatskonzern wegen dessen „stückchenweiser Informationspolitik“ und „Salamitaktik“ deutlich kritisiert. Und die ostholsteinische SPD-Haushälterin Bettina Hagedorn wirft der Bahn gar vor, dass deren „ständige Zusicherung des geplanten Eröffnungstermins 2029“ für die Gleisanbindung „eine dreiste Lüge“ gewesen sei. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de.)