Familien-Mord in Glinde: Jetzt sagt die überlebende Mutter aus

Bestatter tragen eine der dfrei Leichen aus dem Haus.
Bestatter tragen eine der drei Leichen aus dem Haus in Glinde.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag erschoss Flamur D. erst die beiden Söhne (11, 13) und dann sich selbst. Jetzt hat sich die Mutter (38), die die Schüsse ihres Mannes in ihrem gemeinsamen Haus in Glinde (Kreis Stormarn) schwer verletzt überlebte, geäußert. Die Aussage von Advije R. bestätigt vieles, was die Ermittler bereits wussten – offenbart aber auch Neues.

Das Ehepaar soll sich vor den tödlichen Schüssen gestritten haben, sagt Oberstaatsanwalt Christian Braunwarth im Gespräch mit der MOPO. Es seien „die üblichen Ehestreitigkeiten“ gewesen. Dabei habe es kein größeres oder „dramatisches“ Thema gegeben, das den Streit dominierte. „Es gab verschiedene Streitpunkte zum Thema Zusammenleben.“ Dann soll der 44-Jährige „völlig unvermittelt“ zur Schusswaffe gegriffen haben, so Braunwarth.

Familienmord in Glinde: Jetzt sagt die Mutter aus

Die Aussagen der 38-Jährigen, die tagelang ob ihrer schweren Verletzungen im künstlichen Koma lag und nun im Krankenhaus von Kripo-Ermittlern befragt wurde, decken sich mit den Auswertungen des von ihr am zweiten Weihnachtsabend selbst abgegebenen Notrufs: Während Advije R. dem Disponenten in der Leitung von den Schüssen ihres Mannes auf ihre gemeinsamen Söhne berichtet, sind im Hintergrund weitere Schüsse zu hören. Dann reißt die Stimme der Frau ab, ihr Mann hat auf sie geschossen, trifft sie zweimal in den Oberkörper. Im Anschluss richtet er sich selbst.

Der 44-jährige Vater auf seinem schweren Motorrad. Die Polizei ist sicher, dass er seine zwei Kinder erschoss, seine Ehefrau schwer verletzte und sich dann selbst richtete.
Der 44-jährige Vater auf seinem Motorrad. Die Polizei ist sicher, dass er seine zwei Kinder erschoss, seine Ehefrau schwer verletzte und sich dann selbst richtete.

Der Streit, den das Ehepaar kurz vor den Schüssen führte, ergebe kein direktes Tatmotiv, sagt Braunwarth. „Bisher lässt sich nicht erkennen, dass es ein singuläres Motiv gibt. Offenbar handelt es sich um ein schon seit längerer Zeit bestehendes Zerwürfnis, welches in dieser Krise gipfelte.“ Die Ermittler sind sich sicher: Der 44 Jahre alte Flamur D. wollte auch seine Frau töten. „Davon gehen wir fest aus, ja.“ Dass sie überlebte, hat die Frau nur den Ärzten zu verdanken. „Es waren sehr gravierende Verletzungen.“

Glinde: Polizei ermittelt zur Herkunft der Schusswaffe

Die weiteren Ermittlungen der Kripo konzentrieren sich nun auf die Frage, wie Flamur D. in den Besitz der Waffe kam. Einen Waffenschein besaß er nicht. Auch die Ehefrau habe nicht gewusst, dass ihr Mann eine Pistole besaß, so Braunwarth. „Die Ermittlungen dauern an.“ Eine weitere Vernehmung der Frau sei derzeit aber nicht geplant.

Diese Bar besaß der Mann, hatte für sie aber keine gültige Konzession.
Diese Bar besaß der Mann, hatte für sie aber keine gültige Konzession.

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Flamur D., der früher Rocker-Kontakte gehabt haben soll und in Hamburg-Horn eine Bar betreiben wollte, die er wegen einer fehlenden Schankgenehmigung nicht eröffnen durfte, war den Stormarner Behörden bereits vor der Tat bekannt. Wegen Beziehungsstreitigkeiten musste die Polizei öfter am Haus an der Straße Kleiner Glinder Berg anrücken. Auch das Jugendamt war bereits eingeschaltet und ermittelte wegen möglicher Kindeswohlgefährdung.

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Im März 2021 war der Vater einmal so ausgerastet, dass er seine Frau krankenhausreif geprügelt hatte. Bei einem anschließenden Gespräch mit dem Jugendamt zeigte er sich einsichtig, versprach, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenige Monate später löschte er das Leben seiner zwei Söhne aus.