Er pöbelt, rast und belästigt Frauen: Jagd auf den Mann im schwarzen Mercedes

Schwarzer Mercedes
Passanten berichten von einem dunklen Mercedes, deren Fahrer rücksichtslos durch die Innenstadt rasen soll (Symbolfoto).

Ein rüpelhafter Autofahrer macht zurzeit im Internet von sich reden. Er soll mehrfach durch Neumünster gerast sein und auch Frauen aus dem Wagen heraus belästigen. Doch warum zeigt ihn kaum jemand an? Das sagt die Polizei und gibt Tipps.

Die Beschwerden im Internet haben sich in den vergangenen Wochen gehäuft: Immer wieder berichten Passanten aus Neumünster von einer schwarzen Limousine, deren Fahrer rücksichtslos vor allem durch die Innenstadt rasen soll. Auch soll der Mann mittleren Alters mehrfach aus seinem Wagen heraus Frauen angesprochen und belästigt haben. „Wir wissen von diesen Fällen. Ermittelt wird wegen Nötigung“, sagt Polizeisprecher Sönke Petersen. Das Problem an der Sache: Die Betroffenen selbst haben sich fast alle nur im Internet geäußert, sind jedoch nicht zur Polizei gegangen. „Uns liegen aktuell nur zwei Anzeigen vor“, erklärt der Sprecher. „Das macht die Sache schwierig.“

„Wenn Frauen sich bedroht fühlen, sind bereits mehrere Grenzen überschritten“

Das sieht auch Memet Celik so, der in der Innenstadt eine Versicherungsagentur betreibt und vielen als ehemaliger Bürgermeister-Kandidat bekannt ist. Deshalb hat er gehandelt. „Ich habe zirka 20 Beschwerden von Frauen im Internet gesehen. Sie alle berichten davon, von dem Fahrer angesprochen worden zu sein. Jemanden anzusprechen, ist ja erstmal nicht schlimm. Aber wenn die Frau einen Kontakt ablehnt, muss das akzeptiert werden.

Die Betroffenen erzählen aber, dass der Fahrer weiter neben ihnen herfuhr und hupte. Manche haben aus Angst vor dem kräftig gebauten Mann einen anderen Weg eingeschlagen. Er hat sie regelrecht gestalkt. Wenn Frauen sich bedroht fühlen, sind bereits mehrere Grenzen überschritten“, sagt Celik.

Weil offenbar niemand zur Polizei ging, habe er selbst die Sache in die Hand genommen und die Vorfälle angezeigt, erklärt er. „Es reicht nicht aus, im Internet zu schimpfen und dort traurige Smileys zu hinterlassen. Es gibt Wege, das offiziell verfolgen und ahnden zu lassen“, sagt Memet Celik.

Eine Dashcam zeichnete einen Raser am Rathaus auf

Hinzu kommen Berichte über einen rüpelhaften und oft gefährlichen Fahrstil des besagten Mannes. Mehrfach soll er mit stark überhöhter Geschwindigkeit am helllichten Tag durch die Innenstadt gerast sein. Einmal wurde ein entsprechendes Auto von der Dashcam eines anderen Verkehrsteilnehmers erfasst. Darauf ist ein dunkler Mercedes zu sehen, der auf dem Großflecken ein stadtauswärts fahrendes Auto überholt, indem er die Verkehrsinseln vor dem Rathaus links herum – also im Gegenverkehr – passiert, um sich dann kurz vor der Ampel vor das andere Fahrzeug zu setzen.

Kreisverkehr am Rathaus
Ein Film im Internet zeigt, wie ein Auto den Kreisverkehr am Rathaus links herum befährt, um durch den Gegenverkehr am Großflecken zu überholen (Archivbild).

Sicherheitsgefühl wird beeinträchtigt

Der Fahrer, der mit seiner Dashcam die halsbrecherische Fahrt aufnahm, hat die Sache mittlerweile auch angezeigt. Das freut Memet Celik. Er sagt: „Aus meinem Beruf in der Versicherung weiß ich, dass ein Auto ganz schnell zu einer tödlichen Waffe werden kann. So darf man einfach nicht fahren“, meint er. Doch er fürchtet, dass der seltsame Fahrer den Ernst der Lage überhaupt noch nicht begriffen hat. „Er soll am vergangenen Wochenende wieder solche Aktionen in der Innenstadt gebracht haben – allerdings mit einem Leihwagen“, berichtet Celik. Es macht ihn wütend, dass durch einen einzelnen Verkehrsrowdy das Sicherheitsgefühl vieler Menschen beeinträchtigt und der Ruf Neumünsters in Mitleidenschaft gezogen wird.

Polizei ruft Betroffene auf, sich zu melden

Doch wer ist der Mann, der aktuell im Internet so viel Aufmerksamkeit bekommt? „Er ist in Neumünster gemeldet und bei der Polizei auch bekannt“, erklärt Sönke Petersen. Seit vor einigen Tagen die beiden Anzeigen gestellt wurden, ist bisher keine weitere hinzugekommen, sagt der Polizeisprecher. Vor allem all die Frauen, die sich online geäußert haben, haben die Polizei demnach bisher nicht eingeschaltet. Das wäre aber für die Arbeit der Ermittler wichtig, so Petersen. Sie werden deshalb gebeten, sich noch unter Tel. 04321/9450 zu melden.

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„Nur Aussagen im Internet sind nicht zielführend“, stellt der Polizeisprecher klar. Und falls der Mann erneut Frauen belästigen sollte, empfiehlt er: „Die Betroffenen sollten immer sofort den Polizeinotruf über 110 anrufen. Dann ist schnell ein Streifenwagen vor Ort und die Kollegen können eingreifen.“