Drei Menschen von Baum erschlagen: „Bei Sturm kann es lebensgefährlich werden“
Nach dem tödlichen Unglück in einem Wald bei Flensburg, bei dem drei Menschen durch einen umstürzenden Baum ums Leben kamen, stellt sich für viele die Frage: Hätte das verhindert werden können? Ein Experte ordnet den tragischen Vorfall ein – und warnt zugleich vor falschen Schlüssen.
„Bei Sturm kann es im Wald lebensgefährlich werden“, sagt Dr. Chris Freise, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten in Neumünster, zur MOPO. Vielen sei nicht bewusst, dass herabfallende Äste, umstürzende Bäume und auch abgestorbenes Holz zu den typischen Gefahren gehören.
Gerade totes Holz sei aus Naturschutzgründen gewollt, weil es Lebensraum für Tiere und Insekten biete – für Menschen könne es aber zur Gefahr werden. Besonders ältere Bäume seien bei starkem Wind riskant, da sie häufiger geschädigte Äste oder Wurzeln aufweisen.
Pilzbefall macht Bäume instabil
Als Hauptursache für solche Unglücke nennt der Experte den Wind. „Besonders gefährlich ist die Kombination aus Wind mit Nassschnee oder Eis“, erklärt Freise. Auch Pilzbefall oder Alterungsprozesse könnten Bäume instabil machen. In solchen Fällen könnten sogar scheinbar stabile Bäume plötzlich umstürzen, wenn die Wurzeln nachgeben oder das Holz geschwächt ist.
Immer wieder wird nach solchen Vorfällen die Frage gestellt, ob Bäume nicht besser kontrolliert werden müssten. Doch im Wald gilt ein anderer Maßstab als im städtischen Raum. „Innerhalb des Waldes müssen Bäume grundsätzlich nicht auf ihre Standfestigkeit kontrolliert werden. Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr“, so der Forstdirektor. Nur an Waldrändern – etwa entlang von Straßen oder Wegen – seien regelmäßige Kontrollen vorgeschrieben.
Auch Markierungen an Bäumen sorgen oft für Verunsicherung. Doch diese hätten in der Regel nichts mit akuter Gefahr zu tun. „Ein markierter Baum ist nicht automatisch ein gefährlicher Baum“, betont der Experte. Häufig würden solche Bäume im Rahmen von Durchforstungen gekennzeichnet, um die langfristige Entwicklung des Waldes zu steuern. Dass der umgestürzte Baum wohl im Frühherbst gefällt werden sollte, mache den Unfall aber besonders tragisch.
Das könnte Sie auch interessieren: Tödlicher Baumsturz am Ostersonntag: Wie sicher sind unsere Wälder?
Sein wichtigster Rat für Waldbesucher: aufmerksam sein. „Schauen Sie nach oben. Wenn sich die Baumkronen stark bewegen oder Sie abgebrochene Äste und abgestorbene Bäume sehen, sollten Sie den Bereich sofort verlassen.“ Grundsätzlich gelte: Bei starkem Wind oder Sturm ist ein Spaziergang im Wald keine gute Idee.