„Die gehören hier doch nicht hin“: Rassismus in Sylter Nobel-Restaurant?
Gäste eines Restaurants auf Sylt wurden am Freitagabend von ihren Sitznachbarn mutmaßlich rassistisch beleidigt. Während sich das betroffene Pärchen auf Twitter eher zurückhaltend über den Vorfall äußert, sieht das Restaurant klar eine rote Linie überschritten und zeigt sich zutiefst erschüttert.
Der Hamburger und Halb-Brasilianer Yannik Reiss schreibt auf Twitter über den Besuch im schicken Sylter Restaurant „Altes Zollhaus“ am vergangenen Freitag gemeinsam mit seiner afghanisch-stämmigen Freundin: „Am Platz angekommen, wurde uns die Karte gereicht und wir gingen begeistert die Speisekarte durch: ,Yellow Fin Thunfisch mit Shiitake, Ponzu und Udon!‘ ,Oh, der Lammrücken sieht auch gut aus‘. Ein spöttisches Lachen. Unser Sitznachbar hatte zugehört und belächelte uns hörbar“, sagt Reiss. Und beschreibt, was dann passierte.
Rassismus-Vorwurf: Geschäftsführer betroffen
Anschließend habe der Gast am Nachbartisch zu seiner Frau den folgenden Satz gesagt: „Die gehören hier doch nicht hin“ – und beide hätten gelacht. Der Hamburger berichtet, dass er sich selbst dabei erwischt habe, sich zu fragen, ob er nicht übertreibe. Doch nach dem Kommentar des Sitznachbarn war für das betroffene Pärchen der Abend gelaufen. „Ich sah mich wie auf dem Präsentierteller: bewertet, verurteilt. Ich scannte den Raum auf der Suche nach weiteren Blicken oder Getuschel“, schreibt er.
Team vom „Alten Zollhaus“ auf Sylt distanziert sich
Die beiden Betroffenen bleiben sitzen und wenden sich nicht sofort an das Personal. „Das ist ein Problem“, sagt Geschäftsführer Oliver Suchy der MOPO. „Wären wir direkt über den Vorfall informiert worden, hätten wir dieses unhöfliche Paar sofort des Tisches verwiesen. So ein hässliches Verhalten dulden wir in unserem Restaurant nicht.“
Suchy zeigt sich zutiefst betroffen über das Ereignis: „Ich verurteile das auf das Schärfste und kann mich nur bei den Betroffenen entschuldigen. Wir erwarten von unseren Gästen ordentliches und menschliches Verhalten und stehen als Restaurant für Internationalität, was sich auch in der bunten Mischung unseres Teams zeigt. Leider kann man den Menschen nicht hinter die Stirn gucken, aber wenn wir so etwas mitbekommen, handeln wir rigoros.“
Restaurant-Team tief betroffen
Das Restaurant-Team erklärte am Wochenende auch auf Facebook: „Wir distanzieren uns von jeglicher Art von Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung.“ So international wie das Team seien auch die Gäste. „Jeder ist mehr als willkommen. Das muss normalerweise gar nicht extra betont werden. Leider sind wir aktuell dazu gezwungen“, heißt es.
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„Ich habe das fragwürdige Glück, in meinem Leben bisher nur selten Rassismus erfahren zu haben – meine Freundin musste da viel mehr über sich ergehen lassen“, schreibt Yannik Reiss zum Abschluss seines Threads. „Und selbst sie ist dahingehend noch weitaus privilegierter als Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Es ist erschütternd.“ (prei)