Chef von ChatGPT kommt aus dem Norden – von der Kleinstadt ins Silicon Valley
Der KI-Bot ChatGPT ist weltweit bekannt, hat Hunderte Millionen Nutzer. Der Chef von ChatGPT ist ein Mann aus Itzehoe. Nick Turley hat mit unserer Redaktion über seinen Weg in die USA gesprochen.
Über jedes neue Tool von ChatGPT entscheidet ein Mann aus Itzehoe. Nick Turley ist der Head of ChatGPT beim Tech-Konzern OpenAI. Dabei ging er auf kein Eliteinternat, sondern auf das Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) in Itzehoe. Im Gespräch mit unserer Redaktion hat er verraten, wie es zu dieser Karriere kam, was das Leben in San Francisco von dem in Itzehoe unterscheidet und was er an Schleswig-Holstein vermisst.
„Oh meine Güte“, sagt Turley, als er den shz-Artikel über seine Abi-Entlassung sieht. Er erinnere sich noch. Im Jahrgang 2013 war er mit der Abschlussnote 1,0 der Jahrgangsbeste. Der Halbamerikaner wusste damals schon, dass er in den USA studieren will. „In dem Uni-System da konnte ich einfach viele verschiedene Dinge ausprobieren“, begründet Turley diese Entscheidung.
Er könne sich Physik und Philosophie als Studienfächer vorstellen, sagte Turley 2013. Bei Philosophie ist er geblieben. Die Physik hat er gegen Informatik getauscht. Ein Programmierkurs im ersten Jahr entfachte das Feuer für Softwareentwicklung. „Ich konnte Spiele entwickeln, Dinge bauen. Das war einfach total motivierend“, sagt Turley. Das Studium schloss er mit der Bestnote „magna cum laude“ ab.
ChatGPT-Chef Nick Turley wollte nach Deutschland zurück, blieb aber in der Tech-Bubble
Eigentlich wollte er danach nach Deutschland zurückkommen. „Aber dann bin ich in diese Techszene reingerutscht“, sagt er mit einem Schmunzeln. 2017 kam er nach Kalifornien. Arbeitete für Dropbox und Instacart, ehe er 2022 durch einen Zufall zu OpenAI kam.
Wie Turley im Podcast „OMR Silicon Valley Update“ verriet, wollte er während seiner Zeit bei Instacart einen KI-Bildgenerator von OpenAI nutzen. Eine Mitarbeiterin, die Turley noch aus Dropbox-Zeiten kannte, machte eine Bewerbung Turleys bei OpenAI zur Bedingung. Seither leitet er alle Teams, die dort am Produkt ChatGPT arbeiten.
„Schöner Ort, um aufzuwachsen“ – ChatGPT-Chef Nick Turley über Heimatstadt Itzehoe
Ob er sich eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen kann? „Vielleicht in ein paar Jahren“, sagt Turley. Ohnehin ist er gerne hier, um Freunde und Familie zu treffen oder über KI zu sprechen, wie er sagt. „Es war ein total schöner Ort, um aufzuwachsen.“ Er nutze die Zeit in Deutschland, um sich von dem „Technologie-Leben“ mal auszuruhen. Dazu komme er in den USA nur manchmal. Zum Beispiel, wenn er mit seiner Soulpop-Band „Sally Mango“ probt. Dort spielt er Keyboard.
ChatGPT-Chef Nick Turley: Leben in Itzehoe unterscheidet sich stark von San Francisco
Nick Turley bestätigt, dass der Unterschied zwischen der Lebensweise im Silicon Valley und in Itzehoe groß ist: „Es ist unglaublich schnell alles. Ich stehe morgens auf und steige in ein selbstfahrendes Auto. Das fährt mich zur Arbeit. Während ich auf dem Weg bin, unterhalte ich mich schon mit der KI über meinen Arbeitstag.“ Er fügt hinzu: „Man fühlt sich schon ein bisschen so, als lebe man in der Zukunft.“
Doch daran habe er sich schnell gewöhnt. Dennoch vermisst er einige Dinge in seiner deutschen Heimat: seine Familie natürlich, die Bodenständigkeit der Norddeutschen, die Küche und – man glaubt es kaum – den öffentlichen Nahverkehr. „In Amerika musst du eigentlich überall mit dem Auto hin“, erklärt Turley.
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Schülern aus Itzehoe, die auch von der großen Karriere im Silicon Valley träumen, rät er: „Immer der eigenen Neugierde folgen.“ Damit sei in diesem Zeitalter vieles möglich. „Neugierde plus KI heißt: Du kannst eigentlich alles lernen.“
Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de