Schlag gegen rechtsextreme Terrorgruppe – Razzien auch im Norden
Die Bundesanwaltschaft lässt seit dem Morgen die Räumlichkeiten weiterer mutmaßlicher Mitglieder der rechtsextremistischen Terrorvereinigung „Letzte Verteidigungswelle“ durchsuchen. Betroffen sind neben Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt auch die norddeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.
Die Razzien richten sich gegen insgesamt zehn Beschuldigte, wie die Karlsruher Behörde mitteilte. Derzeit stehen Mitglieder der Gruppe auch in Hamburg vor Gericht, darunter mehrere Minderjährige. Den Beschuldigten bei den aktuellen Durchsuchungen werde die Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen, hieß es weiter. Einer der Beschuldigten soll ein Rädelsführer gewesen sein. Gegen zwei Beschuldigte werde zudem wegen gefährlicher Körperverletzung im Zusammenhang mit Angriffen auf vermeintlich pädophile Personen ermittelt.
Das steckt hinter der „Letzten Verteidigungswelle“
Die Bundesanwaltschaft war im Mai vergangenen Jahres erstmalig mit Festnahmen und Durchsuchungen gegen die Gruppe vorgegangen. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Hessen wurden damals fünf Verdächtige festgenommen. Die Polizei durchsuchte dort ebenso wie in Sachsen und Thüringen 13 Objekte. Drei weitere Beschuldigte saßen damals schon in Untersuchungshaft.
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Zum Zeitpunkt der Razzia am 21. Mai 2025 waren die Beschuldigten zwischen 14 und 21 Jahre alt. Aufgrund ihres Alters mussten einige von ihnen mit ihren Eltern zur Haftvorführung vor dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe erscheinen. Sie kamen zunächst alle in Untersuchungshaft. Ein Haftbefehl wurde im Juli außer Vollzug gesetzt, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte.
Die Bundesanwaltschaft wirft sieben der Beschuldigten vor, Mitglieder der jungen Terrorgruppe gewesen zu sein, drei davon Rädelsführer. Dem Achten legen die Ermittler die Unterstützung der Vereinigung zur Last. Manchen wird außerdem versuchter Mord, besonders schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung vorgeworfen, anderen die Beihilfe zu diesen Taten.
Jugendliche zeigen offen rassistische Einstellungen
Drei Anschläge und Anschlagspläne rechnet die Bundesanwaltschaft der Gruppe zu. Es geht um einen Brandanschlag auf ein damals bewohntes Kulturhaus im brandenburgischen Altdöbern, einen versuchten Anschlag auf ein bewohntes Asylbewerberheim im thüringischen Schmölln und Anschlagspläne für eine Asylunterkunft im brandenburgischen Senftenberg. Vier der Beschuldigten sollen zudem Menschen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten.
Die „Letzte Verteidigungswelle“ versteht sich laut früheren Angaben der Bundesanwaltschaft als letzte Instanz zur Verteidigung der „Deutschen Nation“. Ihr Ziel sei es gewesen, durch Gewalttaten vor allem gegen Migranten und politische Gegner einen Zusammenbruch des demokratischen Systems der Bundesrepublik herbeizuführen.
„Jugendliche radikalisieren sich deutlich früher“
„Radikalisierungsprozesse zeigen sich deutlich schneller und früher“, sagte nach den Festnahmen in 2025 die Forscherin für Extremismus und politische Bildung, Gudrun Heinrich, von der Universität Rostock. „Alle Lehrkräfte, mit denen wir gesprochen haben, berichten uns, dass da in den letzten Jahren ein wenig die Hüllen gefallen sind.“
Auch durch Umfragen bestätige sich der Eindruck, dass sich Kinder inzwischen früher radikalisierten. Die Jugendlichen zeigten ihre Einstellungen offener: Rassistische Äußerungen, Hakenkreuze und Hitlergrüße würden zunehmen. Selbst aus Grundschulen meldeten Lehrkräfte solche Vorfälle, berichtete Heinrich. (mn/dpa)
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