Trotz Alternativen-Suche zum russischen Gas: Windkonzern schließt Werk in Rostock

Beim Windkonzern Nordex in Rostock wurden jahrelang Rotorblätter für Windränder gefertigt.
Beim Windkonzern Nordex in Rostock wurden jahrelang Rotorblätter für Windränder gefertigt.

Lange wurde vor der Abhängigkeit von russischem Gas in Deutschland gewarnt. Angesichts des von Moskau entfachten Kriegs in der Ukraine werden jetzt die Forderungen nach einem sehr schnellen Ausbau von erneuerbaren Energien in Deutschland laut. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet bereits mit einer Zäsur in Deutschlands Energiepolitik. Umso paradoxer erscheint es, dass der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex jetzt ein Rostocker Werk ab Juni für immer schließt.

Konkret geht es dabei um die Rotorblatt-Fertigung des Windkraftanlagen-Herstellers. Davon seien rund 600 Mitarbeiter betroffen, teilte das Unternehmen mit. Als Begründung nannte die Firma ein schwieriges Wettbewerbsumfeld und eine Verschiebung der Nachfrage nach größeren Rotorblättern. Diese könnten am Standort Rostock nicht hergestellt werden. Mit dem Betriebsrat soll ein Sozialplan verhandelt werden.

Rostock: Nordex schließt Fabrik für Rotorblätter

Unternehmenssprecher Felix Losada betonte, dass Nordex einem weltweiten Wettbewerb ausgesetzt sei. Das Unternehmen müssen bei den Preisen mithalten können, bei den hohen Entstehungskosten in Deutschland sei dies nicht möglich. „Wir können uns diesem Trend nicht entziehen. Wir haben keine Alternative.“

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Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Theuer berichtete von einer gedrückten Stimmung in der Belegschaft. Es sei das primäre Interesse des Betriebsrats, dass die Mitarbeiter an anderen Stellen im Konzern weiterbeschäftigt werden. So ist der zweite Nordex-Standort in der Rostocker Südstadt zur Fertigung von Maschinenhäusern von den Maßnahmen der Unternehmensspitze nicht betroffen.

Schließung in Rostock – Verlagerung nach Indien?

„Die Einstellung der Produktion ist nicht nur eine Angelegenheit Mecklenburg-Vorpommerns, sondern trifft die Energiewende bundesweit. Damit gibt es kaum noch Produzenten von Windkraftanlagen in Deutschland“, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Das sei auch ein Rückschlag für die Umsetzung der Energiewende insgesamt und die Wertschöpfungskette in Deutschland.

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Die Vermutung ist, dass Nordex die Produktion ins Ausland verlagert, um Kosten zu sparen, zum Beispiel nach Indien. Dort entsteht aktuell eine Rohrblattfertigung, die doppelt so viel produzieren soll, wie die Fabrik in Rostock.

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hatte bereits vergangene Woche sein Unverständnis über die Überlegungen von Nordex geäußert. „Wir werden nicht leise sein, wenn die Gesellschafter von Nordex planen, Rostock und Deutschland zu verlassen“, sagte er.

Als Unternehmer zu handeln heiße nicht nur, Geschäfte zu machen und damit Geld zu verdienen. „Mit geschaffenen materiellen Werten ist immer auch eine moralische Verantwortung verbunden – für die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, für ihre Lebensperspektiven und die ihrer Familien, für ökologisches und nachhaltiges Handeln mit Blick auf die künftigen Generationen.“

Windenergie in Deutschland: Es geht schleppend voran

Nordex ist eines der größten Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern und eines der wenigen börsennotierten im Nordosten. Es hat seine Konzernzentrale in Hamburg, der juristische Stammsitz ist in Rostock. Dort befinden sich die einzigen deutschen Produktionsstandorte. Nordex hatte vergangenes Jahr wegen gestiegener Kosten für Rohstoffe und Transporte Verluste verbuchen müssen.

Nach den ersten neun Monaten stand 2021 ein Verlust von fast 104 Millionen Euro zu Buche. Denn trotz gestiegener Nachfrage werden in Deutschland kaum noch neue Windkraftanlagen gebaut – auch weil es aus der Bevölkerung erhebliche Widerstände gibt. Die Genehmigungsverfahren können inzwischen bis zu fünf Jahre dauern. Das betrifft auch die großen Unternehmen Siemens, Gamesa und Enercon. (dpa/aba)

Lange wurde vor der Abhängigkeit von russischem Gas in Deutschland gewarnt. Angesichts des von Moskau entfachten Kriegs in der Ukraine werden jetzt die Forderungen nach einem sehr schnellen Ausbau von erneuerbaren Energien in Deutschland laut. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet bereits mit einer Zäsur in Deutschlands Energiepolitik. Umso paradoxer erscheint es, dass der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex jetzt ein Rostocker Werk ab Juni für immer schließt.