Razzia im Baugewerbe – Millionen-Schaden für Steuerzahler
Seit den frühen Morgenstunden läuft ein großer Einsatz gegen mutmaßliche Schwarzarbeit im Baugewerbe – auch in Hamburg wurden Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht.
Der Zoll durchsuchte 45 Wohnungen und Geschäftsräume in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Der Hintergrund sind Ermittlungen im Bereich Schwarzarbeit und weiterer Betrug in der Baubranche. Der geschätzte Schaden liegt nach Angaben des Hauptzollamts Kiel bei rund drei Millionen Euro.
Zoll durchsucht Objekte in Norddeutschland
Die Ermittlungen richten sich gegen acht Beschuldigte. Ihnen wird vorgeworfen, mit mindestens fünf Baufirmen eine Vielzahl von Arbeitnehmern beschäftigt und diese entweder gar nicht oder nicht vollumfänglich zur Sozialversicherung angemeldet zu haben. Zudem besteht in Teilen der Verdacht der Steuerhinterziehung und des Sozialbetrugs.
„Ein weiterer Schwerpunkt der Ermittlungen sind sogenannte Abdeckrechnungen“, sagte die Kieler Hauptzollamts-Sprecherin Gabriele Oder. Dabei würden Rechnungen verbucht, obwohl gar keine Leistungen erbracht wurden. „So können Schwarzgelder generiert und illegale Beschäftigung verschleiert werden.“
Mehr als 330 Kräfte im Einsatz
Laut Hauptzollamt waren der Razzia monatelange Ermittlungen vorausgegangen. Schwerpunkte der Durchsuchungen lagen in Neumünster, Henstedt-Ulzburg und Hamburg. Im Visier standen unter anderem Wohnungen und Geschäftsräume der Beschuldigten sowie mutmaßlicher Auftraggeber.
Mehr als 330 Kräfte von Zoll und Steuerfahndung waren im Einsatz. Sie stellten Beweismittel sicher und vernahmen zahlreiche Zeuginnen und Zeugen. Im Einsatz waren auch sechs Vertreterinnen und Vertreter der Staatsanwaltschaft. Es wurden zwei richterlich angeordnete Vermögensarreste im sechsstelligen Bereich vollzogen und umfangreiche Vermögenswerte wie hochwertige Schmuckstücke, Luxusuhren, 400.000 Euro Bargeld sowie Kryptowährung sichergestellt.
Genaue Schadenshöhe ist erst nach Auswertung sicher
„Wir sichern Vermögenswerte frühzeitig, um mögliche Schäden für Sozialkassen und öffentliche Haushalte ausgleichen zu können“, sagte Oder. Die Ermittlungen in dem Fall gehen weiter. Sichergestellte Geschäftsunterlagen und digitale Beweismittel werden nun ausgewertet.
Das könnte Sie auch interessieren: Vier Euro pro Stunde: Ausgebeutet auf Hamburgs Milliarden-Baustelle
Die Ermittelnden wollen tatsächliche Beschäftigungsverhältnisse, Zahlungsströme und Verantwortlichkeiten nachvollziehen. „Erst nach Abschluss der Auswertung kann der genaue Umfang der Verstöße sowie die endgültige Schadenshöhe verlässlich beziffert werden.“ (dpa/mp)
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.