Ölfirma versichert trotz Rekordpreisen: „Wir verdienen keinen Cent mehr“

Hoyer
Hoyer ist die größte familiengeführte, konzernunabhängige Mineralölgesellschaft Deutschlands. Das Unternehmen aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme betreibt bundesweit 300 Tankstellen. Hier eine Tankstelle in Soltau.

Von Glück sagen kann aktuell jeder, der ein E-Auto fährt. Denn wer mit seinem Verbrenner zur Tankstelle muss, der ist entsetzt angesichts von Spritpreisen jenseits der Zwei-Euro-Marke. Zocken die Mineralölgesellschaften die Autofahrer ab? Nutzen sie den Irankrieg, um sich die Taschen vollzumachen? Viele Bürger sind überzeugt davon. Wir fragen Thomas Hartmann, Pressesprecher der Mineralölgesellschaft Hoyer, die bundesweit 300 Tankstellen und 70 Verkaufsniederlassungen betreibt. Hoyer mit Sitz in Visselhövede (Landkreis Rotenburg/Wümme) ist die größte familiengeführte, konzernunabhängige Mineralölgesellschaft Deutschlands.

MOPO: Wie reagieren Ihre Kunden auf die derzeitigen Preise? Gibt’s viel Maulerei an der Kasse?

Thomas Hartmann: Die Kunden sind verständlicherweise nicht gerade begeistert. Manche lassen ihre Wut über die hohen Preise an unserem Personal aus, wobei sie da an der völlig falschen Adresse sind. Die Tankstellenpächter sind es nicht, die sich die Taschen vollmachen. Übrigens: Auch wir als Mineralölgesellschaft machen uns nicht die Tasche voll. Denn wir müssen den Sprit, den Diesel, das Öl selbst zu hohen Preisen einkaufen und geben diese Preise nur an die Kunden weiter.

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Thomas Hartmann, Sprecher der Mineralölgesellschaft Hoyer

Hohe Spritpreise: „Ein Märchen, dass Ölfirmen ihr billig eingekauftes Öl nun teuer verkaufen“

Aber ist es nicht so, dass Sie den Sprit schon vor Monaten vergleichsweise billig eingekauft und eingelagert haben und jetzt teuer an den Endverbraucher abgeben?

Nein, das ist Unsinn. Allein unser Unternehmen setzt viele Millionen Liter Kraftstoff und Diesel um, und zwar jeden Tag. Allein am Autohof Rade in Neu Wulmstorf werden 150.000 Liter Diesel pro Tag verkauft. Wie groß sollten unsere Lager sein? Nein, die Geschichte von der hortenden Mineralölgesellschaft, die sich vor Monaten billig mit Sprit eingedeckt hat und sich eins ins Fäustchen lacht, weil sie ihn nun teuer verkaufen kann, ist ein Märchen. Wir haben natürlich Lager, aber bei weitem keine so riesigen. Deshalb müssen wir minutengenau am Markt einkaufen – zu aktuellen Preisen.

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Gut, das mag bei Ihrer Firma so sein, aber bei den großen Mineralölgesellschaften, bei Shell, BP und ExxonMobil, sieht das doch wohl anders aus, oder? Die haben eigene Ölfelder, fördern selbst. Die machen doch bestimmt sagenhafte Gewinne…

Sorry, aber zu anderen Mineralölfirmen äußere ich mich nicht. Da müssen sie die fragen.

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Hoyer ist die größte familiengeführte, konzernunabhängige Mineralölgesellschaft Deutschlands. Das Unternehmen aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme betreibt bundesweit 300 Tankstellen. Hier eine Tankstelle in Soltau.

Mit welcher Preisentwicklung rechnen Sie in den kommenden Tagen?

Wenn ich das wüsste, dann säße ich nicht hier, dann würde ich mir auf den Bahamas die Sonne auf den Pelz scheinen lassen … Im Ernst: Ich habe keine Ahnung. Keiner weiß das. Irgendeine Äußerung von Präsident Trump, schon rauschen die Preise wieder in den Keller, wie am Dienstag. Kurz darauf geht’s wieder hoch. Am Dienstag hatten wir wirklich völlig absurde Preisausschläge. Niemand kann vorhersagen, was kommen wird.

„Der Finanzminister freut sich über die hohen Preise, denn der bekommt im Augenblick die Kasse vollgespült“

Wie sehr profitiert Ihr Unternehmen derzeit von den hohen Preisen: Wie viel Cent pro Liter verdienen Sie mehr?

Gar keinen. Zur Erklärung: Der Preis für die Kraftstoffe setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Da ist einmal der Einkaufspreis, den der Markt diktiert. Den können wir als Mineralölgesellschaft gar nicht beeinflussen. Dann kommen unsere Betriebs- und Personalkosten und die kleine Marge, die wir nehmen müssen, um Gewinn zu machen. Und diese Marge ist völlig unabhängig von den aktuellen Preissteigerungen. Ein ganz großer Faktor beim Preis sind Steuern und Abgaben. Nehmen wir allein die Mehrwertsteuer. Ganz egal, ob der Liter Sprit nun 1,50 oder 2,10 Euro kostet, es sind immer 19 Prozent. Der Finanzminister ist es also, der sich über die hohen Preise freut, denn der kriegt im Augenblick die Kasse vollgespült.

Können Sie nachvollziehen, dass den Mineralölgesellschaften vorgeworfen wird, sie würden die Preise künstlich in die Höhe treiben?

Mag sein, dass Abzockerei im Spiel ist, aber die findet nicht bei den Mineralölgesellschaften statt. Die findet an der Börse statt: Da gibt es große Marktteilnehmer, die heute weit über Bedarf Mineralöl kaufen, nicht, weil sie es brauchen, sondern nur, weil sie glauben, es morgen mit großem Gewinn wieder verkaufen zu können. Da wird auf steigende und fallende Preise gewettet. Dieses spekulative Kaufen und Verkaufen ist es, das den Preis negativ beeinflusst.

Wie oft verändern Sie die Preise pro Tag an Ihren Tankstellen?

Da gibt es keine feste Zahl. Wir beobachten den Markt, und wenn es möglich ist, gehen wir mit den Preisen runter. Und wenn es nötig ist, gehen wir rauf. Es wäre aus unserer Sicht ein Fehler, jetzt in den Markt einzugreifen und uns vorzuschreiben, nur noch einmal täglich den Preis anzupassen. Denn wenn man uns verbietet, auf Marktentwicklungen nach oben zu reagieren, dann können wir auch fallende Preise nicht so weitergeben, wie wir es gerne tun würden.

„Uns vorzuschreiben, nur noch einmal täglich die Preise zu erhöhen, ist ein Fehler“

Aktuell wird darüber diskutiert, mit welchen politischen Maßnahmen auf den Spritpreis Einfluss genommen werden sollte. Übergewinnabschöpfung, Benzinpreisbremse. Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll?

Ich finde, als Erstes sollte die Politik vor der eigenen Haustür kehren. Wie wäre es denn, die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe zu senken oder zu deckeln? Wie wäre es, mit der Mineralölsteuer herunterzugehen? Oder mit der CO₂-Abgabe? Es wäre möglich, etwas gegen die galoppierenden Preise zu unternehmen, aber die Politik hierzulande hat an keiner einzigen Stellschraube gedreht.

Von Glück sagen kann aktuell jeder, der ein E-Auto fährt. Denn wer mit seinem Verbrenner zur Tankstelle muss, der ist entsetzt angesichts von Spritpreisen jenseits der Zwei-Euro-Marke. Zocken die Mineralölgesellschaften die Autofahrer ab? Nutzen sie den Irankrieg, um sich die Taschen vollzumachen? Viele Bürger sind überzeugt davon. Wir fragen Thomas Hartmann, Pressesprecher der Mineralölgesellschaft Hoyer, die bundesweit 300 Tankstellen und 70 Verkaufsniederlassungen betreibt. Hoyer mit Sitz in Visselhövede (Landkreis Rotenburg/Wümme) ist die größte familiengeführte, konzernunabhängige Mineralölgesellschaft Deutschlands.