Im Norden

War es ein Todes-Transport? 60 in Anhänger gepferchte Katzen geben Behörde Rätsel auf

Britisch-Kurzhaar-Katze schaut in einer Tierarztpraxis aus einer Transportbox.
60 Rassekatzen wie diese Britisch Kurzhaar wurden vollgekotet und ohne Wasser in einem heißen Pkw-Anhänger eingepfercht in Seevetal gefunden (Symbolbild).

60 schreiende Rassekatzen in einem in der Sonne glühenden Pkw-Anhänger: Seit einem Monat ermitteln die Behörden jetzt in diesem Fall. Klar ist mittlerweile, dass alles im Züchter-Milieu spielt. 

Wenn 60 Katzen in ihrem Hitze-Elend vor Durst und Angst schreien, dann ist das richtig laut. Zum Glück! Denn das machte eine aufmerksame Spaziergängerin in Seevetal auf einen Pkw mit Anhänger aufmerksam, der am Straßenrand parkte. Die alarmierte Polizei fand Anfang Juli unter der Plastikplane des Anhängers und im Auto Rassekatzen – von Maine Coon über Birma und Siam bis Britisch Kurzhaar.

Mittlerweile laufen die Ermittlungen des Veterinäramtes seit vier Wochen und noch immer gibt der Vorfall Rätsel auf. Die gute Nachricht: „Alle Katzen leben und werden in verschiedenen Tierheimen aufgepäppelt“, so Bernhard Frosdorfer, Sprecher des Landkreises Harburg. „Aber sie waren alle in keinem guten Zustand, denn sie hatten in ihren Transportboxen in der Hitze im Anhänger kein Wasser zur Verfügung und viele Tiere hatten sich auch bereits eingekotet.“

Viele der Katzenbesitzer sind Züchter

Das klingt nicht, als wären die Tiere zum teuren Verkauf gedacht gewesen, dann würde niemand sie so zusammenpferchen. Doch was sollte mit ihnen passieren? Der Besitzer des Pkw konnte schnell ermittelt werden und stellte sich laut Landkreis als Züchter heraus! „Gegen ihn wurde nun bereits ein Tierhaltungsverbot verhängt“, so Frosdorfer.

Es handelt sich dabei nicht um einen Fall von Animal Hoarding, wie das massenhafte Halten von Haustieren genannt wird. Die Katzen gehörten nämlich nicht ihm. Im Gegenteil: Laut Landkreis hat er 29 Personen angegeben, von denen er sie erhalten hat. Die Besitzer der Katzen sind nicht nur aus dem Raum Seevetal. „Wir müssen Besitzer im gesamten Großraum Hamburg ermitteln.“

Kein Fall von Tierfängern oder Animal Hoarding

Bislang konnte bereits ein Großteil der Katzenbesitzer kontaktiert werden. Und auch da gab es eine böse Überraschung: „Wir gehen davon aus, dass es sich bei allen Besitzern um Züchter handelt, aber das ist im Einzelnen noch nicht ganz gesichert“, sagt Frosdorfer. 

Also handelt es sich bei dem Mann auch nicht um einen miesen Katzenfänger, wie es in den Sozialen Medien vielfach vermutet wurde. Der Züchter, der mit den Tieren auf Reisen gehen wollte, handelte im Einverständnis der Eigentümer und hatte die Tiere offenbar von ihnen bekommen.

60 Rassekatzen: Maine Coon, Birma, Siam

Laut Frosdorfer sind es ausschließlich Rassekatzen – und zwar fünf beliebte Rassen: Maine Coon, Britisch Kurzhaar, Britisch Langhaar, Birma- und Siamkatzen. Aber es waren keine Jungtiere, die Katzen sind unterschiedlich alt. Ihr schlechter Zustand lässt sich dabei vor allem auf die Unterbringung im Pkw-Hänger zurückführen. Sie waren nicht unterernährt,  verfilzt oder krank.

Wohin die Reise gehen sollte und was mit den Katzen geplant war? Dazu äußert sich der Landkreis Harburg sehr zurückhaltend. Frosdorfer: „Warum er sie hatte, das ist nicht geklärt. Wir haben widersprüchliche Aussagen, die keinen Sinn ergeben.“

Bei zwölf Züchtern ist schon klar, dass sie ihre Katzen in den nächsten Tagen zurückbekommen. Denn gegen sie liegt bei den Behörden nichts vor – keine Tierhaltungsverbote oder Ähnliches. 40 Katzen gehen bald in die Vermittlung – weil sie eben nicht zurück zu den Besitzern gegeben werden. Was tief blicken lässt! 

Doch was erwartet den Züchter, der die Katzen eingesammelt und in ihrem Elend im Anhänger gelassen hat? Und der sie womöglich im Auftrag der anderen entsorgen sollte? Das Veterinäramt des Landkreises Harburg verrät zum Schutz des Mannes nicht, wo in der großen Gemeinde Seevetal die Katzen gefunden wurden – Nachbarn oder Kollegen sollen ihn nicht identifizieren können.

Tatsächlich gab es nach dem Fund der Tiere Anfang Juli auch weder von der Polizei noch vom Landkreis eine Pressemitteilung zu dem erschreckenden Vorfall. Auch Fotos werden nicht herausgegeben. Ob Strafanzeige gestellt wird, das hat der Landkreis laut Frosdorfer noch nicht entschieden.

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