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Unterirdische Gras-Plantage: So tricksten die Beschuldigten Nachbarn aus

Diese Luke führte in den unterirdischen Drogenbunker.
Diese Luke führte in den unterirdischen Drogenbunker.

Selbst bei erfahrenen Ermittlern sorgte die Raffinesse der Drogenhändler für Verwunderung: eine Marihuana-Plantage, professionell betrieben, mit Lüftungssystem und Stromversorgung – und das komplett unterirdisch, in verbuddelten Hafen-Containern aus Hamburg. Doch wie schafft man es, so etwas unbemerkt vorzubereiten? Nach MOPO-Informationen holten sich die Beschuldigten Hilfe von Nachbarn – und nutzten den Ukraine-Krieg als Vorwand.

Kutenholz, eine kleine Gemeinde im Landkreis Stade, nur wenige Tausend Einwohner. Hier wurden die Polizisten im vergangenen September nach monatelangen Ermittlungen fündig: auf einem unscheinbaren Grundstück, inmitten einer Einfamilienhaus-Siedlung.

So wurden die Container nach Kutenholz gebracht

Zwei Container, eine riesige Marihuana-Plantage, zahlreiche erntereife Pflanzen und abgepacktes Gras – das fanden die Ermittler verbuddelt in der Erde. Beschuldigt, die Plantage errichtet und betrieben zu haben, sind zwei Männer, nach MOPO-Informationen der Besitzer des Grundstücks und ein Freund. Ihnen wird der Handel mit Drogen in nicht geringer Menge vorgeworfen, zudem Diebstahl.

Sie sollen die Container (Wert: 15.000 Euro) im März 2022 vom Grundstück einer chinesischen Firma in Hamburg gestohlen haben. Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft bestätigt die Recherche. Geprüft wird auch, ob das Duo den Diebstahl wirklich selbst beging oder Dritte damit beauftragte.

Eine der ausgehobenen Plantagen.
Eine der ausgehobenen Plantagen

Mit einem professionellen Lader wurden die Container nach Kutenholz gebracht und in die Erde eingelassen – dafür war vorher sogar ein Fundament aus Beton gegossen worden. Wieso Nachbarn nichts mitbekamen? Einer soll nichtsahnend noch dabei geholfen haben: Die Beschuldigten sollen ihm nämlich von angeblichen Sorgen wegen des Ukraine-Kriegs erzählt haben. Sie wollten sich daher einen Schutzbunker bauen, sollen sie gesagt haben. Der Nachbar stand den zwei Beschuldigten, so ist es in den Akten zu lesen, „mit Rat und Tat zur Seite“.

Anschließend bauten die Männer zur Tarnung noch ein Gartenhaus über den Eingang zu den zwei Containern, mit direktem Zugang zur unterirdischen Plantage.

Etliche Stromkabel und Sicherungskästen. So wurden die Container mit Energie versorgt.
Etliche Stromkabel und Sicherungskästen. So wurden die Container mit Energie versorgt.

Die zwei Männer sollen laut Staatsanwaltschaft zu einer Gruppe gehören, die deutschlandweit Kunden mit Drogen versorgt hat. Bei der Polizei-Aktion im September wurden 16 Männer im Alter zwischen 20 und 74 Jahren festgenommen. Sie sollen die Drogen im Landkreis Stade angebaut, dann über die Grenzen Niedersachsens hinaus verkauft haben, oft auf Festivals oder anderen Großveranstaltungen. Neben Marihuana fanden die Ermittler auch Bargeld, Kokain, PCs, Handys, Bitcoins und zwei Schreckschusswaffen. Wert der sichergestellten Gegenstände: mehr als 100.000 Euro.

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Die Staatsanwaltschaft hat bereits Anklage erhoben, ein Prozesstermin steht noch aus, weil noch nicht klar ist, wo der Prozess geführt wird bzw. ob alle Verfahren aus den jeweiligen Bundesländern, in denen Ermittler zuschlugen, zusammengeführt werden.

Klar scheint dagegen, dass die Beschuldigten ihre vorgeworfenen Drogenverkäufe offenbar nicht über „EncroChat“ abgewickelt haben. Durchs Knacken des Messenger-Dienstes waren etliche Drogendealer aufgeflogen. Die Bande aus dem Kreis Stade soll teils aus Männern bestehen, die vorher noch nie strafrechtlich aufgefallen waren.

Selbst bei erfahrenen Ermittlern sorgte die Raffinesse der Drogenhändler für Verwunderung: eine Marihuana-Plantage, professionell betrieben, mit Lüftungssystem und Stromversorgung – und das komplett unterirdisch, in verbuddelten Hafen-Containern aus Hamburg. Doch wie schafft man es, so etwas unbemerkt vorzubereiten? Nach MOPO-Informationen holten sich die Beschuldigten Hilfe von Nachbarn – und nutzten den Ukraine-Krieg als Vorwand.