Teurer Spargel zum Saisonstart im Norden – aber es gibt eine gute Nachricht
Der erste heimische Spargel ist für viele im Norden ein Frühlingssignal. Doch wer in der letzten Märzwoche auf den Höfen und an den ersten Verkaufsständen zugreift, muss sich auf stolze Preise einstellen. Dass die ersten Stangen teuer sind, ist kein Zufall. Es hat mit der knappen Menge zu tun, mit aufwendiger Produktion – und mit Kosten, die für die Betriebe seit Jahren steigen.
Nach aktuellen Einschätzungen aus der Region soll die Spargelsaison in der Lüneburger Heide bei Hamburg in der letzten Märzwoche 2026 anlaufen. Der Spargelhof Oelkers in Wenzendorf (Landkreis Harburg) verkauft bereits ersten Spargel eines Kollegen. Dieser stammt aus beheiztem Anbau und kostet 22,50 Euro pro Kilo. So viel ist auch zu Beginn für ein Kilo Spargel bester Qualität aus dem eigenen Anbau zu erwarten, der gerade beginnt. Einfachere Ware kann preislich auch unter 20 Euro liegen.
Warum der erste Spargel im Norden immer teuer ist
Der wichtigste Grund ist einfach: Zum Saisonstart ist Spargel knapp. Ende März stecken die ersten Stangen noch nicht in großer Zahl im Damm. Die Ware, die dann verkauft wird, stammt oft aus verfrühten Anlagen. Dort helfen Folien dabei, die Wärme im Boden zu halten und das Wachstum anzuschieben. Das macht die frühe Ernte überhaupt erst möglich – erhöht aber auch den Aufwand.
Dazu kommt ein klassischer Markteffekt. Wenn viele Menschen die ersten regionalen Stangen kaufen wollen, aber nur wenig Ware da ist, bleibt der Preis oben. Erst wenn im April deutlich mehr gestochen wird, entspannt sich die Lage meist. Branchenvertreter gehen deshalb davon aus, dass die Preise nach dem Start sinken, sobald größere Mengen auf den Markt kommen.
Folien, frühe Ernte, viel Handarbeit: So aufwendig ist der Anbau von Spargel
Spargel ist kein Gemüse, das einfach maschinell vom Feld geholt wird. Die Ernte ist bis heute stark von Handarbeit geprägt. Die Stangen müssen sorgfältig gestochen, sortiert, gekühlt und schnell vermarktet werden. Gerade Frühware ist empfindlich – und sie entsteht nur, wenn Betriebe schon lange vor dem Saisonstart viel vorbereiten.
Das Produkt ist druckempfindlich, muss zügig verarbeitet werden und verursacht dadurch entlang der Kette höhere Kosten als viele andere Gemüsearten. Das gilt am Anfang der Saison umso mehr, weil dann noch wenig Menge umgeschlagen wird.
Mindestlohn und Saisonkräfte: Warum die Lohnkosten so stark ins Gewicht fallen

Ein zweiter großer Preistreiber sind die Personalkosten. Im Spargelanbau lässt sich ein erheblicher Teil der Arbeit nicht automatisieren. Gepflanzt, gepflegt, gestochen, sortiert – vieles bleibt Handarbeit. Deshalb treffen höhere Löhne diese Betriebe besonders stark.
Seit dem 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland bei 13,90 Euro pro Stunde. Gerade für Sonderkulturen wie Spargel ist das ein relevanter Faktor, weil dort viele Saisonarbeitskräfte eingesetzt werden. Das Landvolk Niedersachsen warnt, dass der Lohnkostenanteil in arbeitsintensiven Sonderkulturbetrieben bis zu 60 Prozent der Produktionskosten ausmachen kann.
Damit ist nicht nur der reine Stundenlohn gemeint. Für die Betriebe kommen weitere Ausgaben hinzu: Sozialabgaben, Organisation, Transport, oft auch Unterkünfte für Erntehelfer. Gleichzeitig steigen auch die Kosten für Stammkräfte. Nicht zuletzt spielen auch die gestiegenen Spritpreise eine Rolle. All das landet am Ende in der Kalkulation für jedes Kilo Spargel.
Welche Preise Käufer zum Saisonstart erwarten müssen
Nach jetzigem Stand dürfte guter heimischer Spargel zum Saisonstart im Norden meist im Bereich von etwa 20 Euro pro Kilo liegen, frühe Spitzenware auch darüber. Bruch- oder Suppenspargel liegt traditionell deutlich darunter. Doch nicht jede Stange ist vermarktungsfähig. Angela Oelkers vom gleichnamigen Spargelhof spricht von einer reinen Erntemenge ihres Betriebes von 90 bis 100 Tonnen. Etwa 75 bis 80 Prozent davon können vermarktet werden.
Entscheidend ist aber: Diese hohen Preise gelten vor allem für die ersten Verkaufstage und für besonders hochwertige Ware. Wenn die Saison Fahrt aufnimmt und mehr Ware von den Feldern kommt, sinken die Preise in der Regel. Das kann laut Angela Oelkers schon zum nächsten Wochenende der Fall sein. Einen echten Preissturz erwarten viele Betriebe trotzdem nicht, weil die Kostenbasis hoch bleibt.
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Die ersten Stangen sind also teuer, weil sie knapp sind. Günstig wird der Spargel später nur relativ – nicht unbedingt billig. Doch auch hier hat Angela Oelkers einen Tipp: „Es kommt ja auch immer auf die Erntemengen und die Nachfrage des Kunden an. Der Markt kann sehr volatil sein. Das gilt jedenfalls oft für die Premiumsortierungen der I. und II. Wahl. Aber Spargel hat viele Erscheinungsformen. Wenn es nicht immer unbedingt die ganz gerade, weiße Spargelstange sein muss, dann ist auch für jeden Geldbeutel beim Spargel etwas dabei. Wir haben zum Beispiel eine ,Bunte Sorte‘. Da ist mal ein etwas geöffneter Kopf, eine violette oder nicht ganz so gerade gewachsene Stange dabei – die schmecken alle genauso gut, erfüllen aber nicht den Perfektionsanspruch. Deswegen ist diese Sortierung auch meist deutlich preiswerter.“
Für Spargelfans im Norden ist der Saisonstart Ende März also vor allem eins: ein früher Genuss mit Aufpreis. Die ersten Stangen kosten mehr, weil sie technisch aufwendig verfrüht werden, weil nur kleine Mengen verfügbar sind und weil die Produktion stark von teurer Handarbeit abhängt. Wer unbedingt sofort zugreifen will, bezahlt also nicht nur das Gemüse, sondern auch den frühen Zeitpunkt. Wer noch etwas wartet, dürfte im April bessere Preise finden – allerdings auf einem Niveau, das wegen der hohen Produktions- und Lohnkosten weiter anspruchsvoll bleibt.
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