Schiffs-Kapitän rammt Brücke auf Elbe – stand er unter Drogen ?

Ein Schlepper am havarierten Küstenmotorschiff. Foto: JOTO

Schiffs-Kapitän rammt Brücke auf Elbe – stand er unter Drogen?

Es krachte in der Nacht zu Freitag: Nachdem ein Binnenschiff im Landkreis Stade gegen eine Brücke eines Industrieanlegers auf der Elbe gefahren ist, ermittelt die Polizei nun gegen den Schiffsführer. Der Verdacht: Er könnte das Schiff unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder Medikamenten gesteuert haben. Das teilte die Polizei am Montag mit.

Der 59-jährige Mann war zusammen mit einem weiteren Besatzungsmitglied kurz nach Mitternacht in Beidenfleth an der Stör aufgebrochen und auf der Elbe Richtung Hamburg unterwegs. Wie Daten von Schiffstracking-Diensten zeigen, fuhr das Binnenschiff mitten in der Nacht immer näher ans Ufer heran. Kurz hinter dem Anleger Stadersand war das Binnenschiff so nah am Ufer, dass es gegen die Jungbrücke einer stillgelegten Umschlagsanlage fuhr. Die Brücke ragt etwa 80 Meter in die Elbe hinein. Der Fluss ist an dieser Stelle mehr als 1000 Meter breit. Laut Angaben der Hamburger Wasserschutzpolizei rief der Schiffsführer gegen 2.20 Uhr die Kooperative Leitstelle Lüneburg an. „Er teilte mit, im Bereich des AKW Stade auf Grund gelaufen zu sein und gegebenenfalls noch einen Zusammenstoß mit einem Bauwerk gehabt haben könnte“, sagt Hamburgs Polizeisprecherin Laura Wentzien.

Unfall in Stade: Schiff verkeilt sich manövrierunfähig unter Brücke

Tatsächlich hatte sich das Schiff laut Angaben von DLRG und Polizei unter der Brücke verkeilt und war manövrierunfähig. Feuerwehr, DLRG und Polizei rückten in der Nacht mit einem großen Aufgebot an. Das DLRG-Motorrettungsboot „Kiek Ut“ erreichte den Havaristen als eines der ersten Fahrzeuge. Gemeinsam mit dem DRK-Rettungsdienst versorgten die Helfer den verletzten Schiffsführer direkt an Bord und brachten ihn anschließend an Land. Von dort kam er in das Elbe Klinikum Stade.

Er hatte nach eigenen Angaben eine Kopfverletzung erlitten. Ein zweites DLRG-Boot kontrollierte unterdessen die Jungbrücke auf mögliche Gefahren für die übrige Schifffahrt. Während der Rettungsmaßnahmen sperrte die Polizei die Elbe zeitweise für den Schiffsverkehr. Die Retter entdeckten zudem ein Leck im Bug des Frachters. Es lag oberhalb der Wasserlinie, sodass das Binnenschiff nicht zu sinken drohte. Auch gab es keine Gefahr für die Umwelt. Zwei Schlepper zogen den Havaristen schließlich unter der Brücke hervor. Der Weizenfrachter liegt seitdem im Nordhafen Bützfleth.

Stand der Schiffs­kapitän unter Drogen?

Wieso das Schiff gegen die Brücke fuhr, war zunächst unklar. „Im Zuge der Ermittlungen ergab sich der Verdacht, dass der Schiffsführer sein Binnenschiff unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder Medikamenten gesteuert haben könnte“, sagt Polizeisprecherin Laura Wentzien. Ein freiwillig durchgeführter Atemalkoholtest habe keine Hinweise auf eine Alkoholisierung des Kapitäns gegeben. Die Polizei ordnete daraufhin eine Blutprobe an, deren Ergebnis derzeit noch aussteht. Die Hamburger Wasserschutzpolizei leitete ein Verfahren wegen des Verdachts der Gefährdung des Schiffsverkehrs ein. Die Ermittlungen dauern an.

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