Hausärzte

Eine Hausärztin in einer Sprechstunde (Symbolbild). Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose

Hunderte Hausärzte fehlen im Norden: Was jetzt helfen soll

Hunderte Hausarztpraxen sind in Niedersachsen unbesetzt. Besonders auf dem Land ist die Versorgungslücke groß. Das Land steuert mit einem Aktionsplan gegen. Was kommt davon in der Provinz an?

Nach neuesten Zahlen waren im vergangenen Dezember in Niedersachsen 447 Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte nicht besetzt, wie die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) auf Anfrage mitteilte. Damit bewege sich die Zahl auf dem Niveau der Vorjahre, hieß es. Zum Vergleich: 2022 waren 448 Hausarzt-Sitze unbesetzt, 2020 waren es 486.

Mit einer Bedarfsplanung legt die KVN fest, wie viele Hausärzte sich in einem bestimmten Gebiet, dem sogenannten Planungsbereich, niederlassen dürfen. Besonders viele Hausärzte fehlen demnach im Nordwesten und im Osten Niedersachsens. Die meisten unbesetzten Sitze haben nach KVN-Angaben: Delmenhorst (19,5), Salzgitter (19,5), Papenburg (16), Wolfsburg (16), Cloppenburg (15,5) und Syke (14).

Niedersachsen: Regionen mit geringstem Versorgungsgrad

Gemessen an der Einwohnerzahl ist die hausärztliche Versorgung aktuell in und um Sulingen (Landkreis Diepholz) mit einem Versorgungsgrad von 60 Prozent, im Umland von Bremerhaven (70 Prozent) sowie in und um Munster, Stolzenau und Wolfsburg mit je etwa 80 Prozent Versorgungsgrad am geringsten.

In anderen Regionen, darunter größere Städte wie Hannover, Hildesheim, Oldenburg und Lüneburg, gibt es dagegen ausreichend Hausärzte. 34 von 105 Planungsbereichen waren zuletzt für weitere Zulassungen gesperrt.

Ärztemangel in Niedersachsen droht sich zu verschärfen

Probleme bei der hausärztlichen Versorgung gebe es eher in ländlichen Regionen, teilte ein KVN-Sprecher mit. Junge Ärztinnen und Ärzte ziehe es oft in städtische Zentren, wo es etwa eine bessere Infrastruktur, andere Arbeitsbedingungen und ein vielfältigeres Kulturangebot gebe.

Zuletzt arbeiteten insgesamt 5241 Hausärztinnen und Hausärzte in Niedersachsen. Allerdings wird sich der Mangel nach KVN-Angaben voraussichtlich noch verschärfen, wenn nicht gegengesteuert wird. Denn das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt aktuell bei 55,6 Jahren. Bis 2035 werden nach KVN-Prognose rund 1300 Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen.

Was ist nach einem Jahr Aktionsplan passiert?

Der Ärztemangel ist seit Jahren Thema in der Landespolitik. Die Landesregierung will gegensteuern und hatte dazu vor rund einem Jahr einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Hausärzte vorgelegt. Der Plan enthält Maßnahmen zu Studium und Forschung, Weiterbildung und Versorgung.

„Die im vergangenen Jahr angestoßenen Maßnahmen des Zehn-Punkte-Aktionsplans sind sehr gut angenommen worden, auch für die Landarztquote besteht weiterhin hohes Interesse“, antwortete das Gesundheitsministerium Niedersachsen auf Anfrage. Verbesserungen seien „im Kleinen“ zu spüren. Etwa gebe es viele Interessierte für einen Quereinstieg in die Allgemeinmedizin und viele Bewerber für Förderungen im Praktischen Jahr.

Viele Maßnahmen werden sich erst langfristig auswirken

Viele Maßnahmen werden laut Ministerium allerdings erst einen langfristigen Effekt haben. Die ersten Studierenden der Landarztquote zum Beispiel werden erst 2030 ihr Studium abschließen. 

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Thorsten Schmidt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVN, sagt, die Arbeit an dem Aktionsplan komme gut voran. „Aber eins ist sicher: Um die Pläne umzusetzen, brauchen wir den Gesetzgeber auf Bundesebene und da gibt es nicht so viel Bewegung“, sagt Schmidt. Die Politik müsse konsequent mehr Patientensteuerung umsetzen. „Dass Patientinnen und Patienten alles und das jederzeit an Versorgung in Anspruch nehmen könnten, wird perspektivisch nicht mehr leistbar sein. Dazu fehlt die Arztzeit.“ (dpa)

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