Ein Radfahrer fährt über die Canteleu-Brücke in Buchholz.

Seit Dezember 2025 ist es Radfahrern verboten, über die Canteleubrücke zu fahren. Foto: JOTO

Geländer-Posse bei Hamburg: Brücke auf einmal für Radfahrer gesperrt

Jahrzehntelang sind Radfahrer über die Canteleubrücke in Buchholz (Landkreis Harburg) gerollt. Seit Dezember ist das verboten – weil 30 Zentimeter am Brückengeländer fehlen. Die Sanierung kostet die Stadt 100.000 Euro. Zusätzlich muss auch der Belag für mehr als 200.000 Euro erneuert werden.

Wer von Norden nach Süden durch Buchholz will, kommt kaum an ihr vorbei. Die Canteleubrücke gehört zur Kreisstraße 28, sie überspannt die Bahngleise und verbindet die Stadtteile von Buchholz. Zehntausende Male sind Radfahrer über den Geh- und Radweg auf der Brücke gerollt, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Seit Dezember geht das nicht mehr. Wer jetzt auf dem Radweg auf die Brücke zufährt, der sieht alle paar Meter Baustellenabsperrungen und Verbotsschilder.

Canteleubrücke in Buchholz war monatelang halbseitig gesperrt

Denn das Geländer neben dem Radweg ist nur einen Meter hoch. Vorgeschrieben sind aber 1,30 Meter. 30 Zentimeter fehlen. Radfahrer müssen jetzt absteigen und schieben. Oder auf die Fahrbahn ausweichen.



Das Problem mit dem Geländer war schon im Frühsommer 2025 bekannt. Damals sanierte der Landkreis Harburg die Canteleubrücke. Am 10. Juni vergangenen Jahres prüfte ein Gutachter die Brücke und stellte fest: Das Geländer entspricht nicht den aktuellen Regelungen der „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten“.

„Der Bericht des Brückenprüfers kam erst Ende September per Mail vom Landkreis bei uns an“, sagt Anna Meuche von der Stadt Buchholz. Zu dem Zeitpunkt waren die Arbeiten bereits abgeschlossen. Denn im vergangenen Sommer war die Brücke bereits Baustelle. Von Juli bis in den Oktober hinein erneuerte der Landkreis Harburg die
Übergangskonstruktion im Fahrbahnbereich. Die Brücke war halbseitig gesperrt, der Verkehr staute sich, Busse fielen aus. Die Arbeiten zogen sich hin, weil Bauarbeiter erhebliche Betonschäden entdeckten.

Da die Brücke eine Kreisstraße ist, ist für die Sanierung eigentlich der Landkreis Harburg zuständig. Aber nicht in diesem Fall. Nach einer Vereinbarung aus dem Jahr 1973 gilt: Die Stadt ist für die Brückenkappe, also den Geh- und Radweg und das Geländer, zuständig, der Landkreis für die Fahrbahn.

Geländer der Cantelubrücke muss ausgetauscht werden

Das Geländer kann nicht einfach erhöht werden. „Das ist aus statischen Gründen nicht möglich“, sagt Meuche. Es muss komplett ausgetauscht werden. Kosten: rund 105.000 Euro. Doch damit nicht genug. Die Brückenprüfung brachte ein weiteres Problem ans Licht: Die Oberflächenbeschichtung der gesamten Brückenkappe ist
desolat. „Wir müssen zuerst die Oberfläche erneuern, bevor wir das neue Geländer aufbringen können“, erklärt Meuche. Diese Arbeiten kosten noch einmal rund 230.000 Euro. Im schlimmsten Fall wird es noch teurer. „Sollten wir auf größere Betonschäden stoßen, etwa durch Salzeintrag, könnten sich die Kosten auch verdoppeln“, warnt die Stadtverwaltung. Dann würde die Sanierung über 550.000 Euro kosten.

Stadt Buchholz hat engen Haushalt

Die Kosten kommen für Buchholz zur Unzeit. Die Stadt Buchholz hat einen engen Haushalt und musste beim Nachtragshaushalt bereits kräftig sparen. Woher die mehreren Hunderttausend Euro kommen sollen, ist noch offen. Die Stadt hat im März einen Planungsauftrag an ein Ingenieurbüro vergeben. Wann die Bauarbeiten beginnen und wie lange die Sperrung andauert, steht noch nicht fest. Immerhin: Der Bahnverkehr unter der Brücke wird nicht gestört. Der Landkreis Harburg handelt derweil. „Die Brücken im Landkreis werden auf die Höhe des Geländers geprüft“, sagt Landkreissprecher Andreas Wulfes.

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Ob weitere Brücken oder Parkhäuser in Buchholz ebenfalls zu niedrige Geländer haben, ist der Stadt nicht bekannt. Die Prüfungen seien beauftragt und würden 2026 durchgeführt, sagt Meuche. Unfälle hat es übrigens durch das zu niedrige Geländer bisher nicht gegeben. „Die Polizei hat uns keine Unfälle gemeldet“, sagt Meuche. Bis zur Sanierung bleibt Radfahrern keine Wahl: absteigen, schieben, oder auf die Straße. Die Brücke, die sie im vergangenen Sommer schon wochenlang meiden mussten, wird die Buchholzer noch eine Weile beschäftigen.

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