30.000 Jobs in Gefahr: Industrie im Norden droht ein Massensterben

Der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall droht vor einem massiven Stellenabbau in der Industrie. (Symbolbild)
Der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall warnt vor einem massiven Stellenabbau in der Industrie. (Symbolbild)

Die Industrie in Niedersachsen kommt nicht aus der Krise. Der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall warnt vor einem deutlichen Stellenabbau – und macht dafür auch die EU-Autopolitik verantwortlich.

In der niedersächsischen Industrie droht nach Einschätzung des Arbeitgeberverbands Niedersachsenmetall ein deutlicher Stellenabbau. Bis zu 30.000 Industriearbeitsplätze könnten im Laufe des Jahres wegfallen, wie der Verband mitteilte. „Wir sind in einem permanenten Krisenmodus”, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. Seit 2019 befinde man sich in einem Abwärtstrend.

Schwache Nachfrage belastet vor allem Autoindustrie

Grundlage der Einschätzung ist eine Befragung von 620 Unternehmen, darunter rund 500 aus Niedersachsen, im Zeitraum vom 16. März bis 8. April. Mehr als die Hälfte der Betriebe plane im laufenden Jahr einen Personalabbau. Zwar gebe es laut Schmidt positive Beispiele etwa in der Luftfahrt, der Medizintechnik und bei rüstungsnahen Unternehmen, die Personal aufstockten. Dies reiche jedoch bei Weitem nicht aus, um die Arbeitsplatzverluste in anderen Bereichen auszugleichen.

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Viele Unternehmen litten weiterhin unter schwacher Nachfrage. Knapp 60 Prozent berichteten laut Verband von Auftragsmangel. Der zuletzt vorhandene vorsichtige Optimismus sei durch einen „Energiepreisschock” infolge des Iran-Kriegs sowie durch steigende Vorleistungskosten und gestörte Lieferketten wieder zunichtegemacht worden, sagte Schmidt.

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Besonders betroffen sei die für Niedersachsen zentrale Automobilbranche. Rund zwei Drittel der Industriearbeitsplätze im Land hingen direkt oder indirekt an automobilen Wertschöpfungsketten. Wenn es dort zu Einschnitten komme, gerate das gesamte industrielle Gefüge ins Wanken. Diese Entwicklung sei bereits zu beobachten und gewinne an Dynamik, so der Verbandschef.

Kritik an EU-Autopolitik wächst

Mehr als jedes fünfte Automobilunternehmen halte in den kommenden fünf Jahren die Schließung von Produktionskapazitäten für möglich, mehr als 40 Prozent erwarteten eine weitere Schrumpfung. Als einen zentralen Treiber dieser Entwicklung nannten die Unternehmen industriepolitische Vorgaben aus Brüssel.

In der Kritik steht vor allem das Verbrenner-Aus. Die EU-Kommission hatte im Dezember vorgeschlagen, auch nach 2035 unter bestimmten Bedingungen weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen. Doch die Ausnahmen seien aus Sicht der Industrie so eng gefasst, dass sie in der Praxis kaum Wirkung entfalteten, so der Verband. „Mit Technologieoffenheit hat das alles nichts zu tun”, sagte Schmidt. „Das ist ein Verbrennerverbot durch die Hintertür.”

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Vor diesem Hintergrund fordert Niedersachsenmetall neben nationalen Reformen auch eine Kurskorrektur in der europäischen Autopolitik. Schmidt sagte, es brauche mehr Technologieoffenheit. Dazu gehörten die vollständige Anerkennung klimaneutraler Kraftstoffe, realistische Übergangsfristen sowie verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. „Die Autoindustrie ist so groß, dass man zweimal überlegen sollte, bevor man sie kaputtmacht.” (dpa/mp)