Eine Biochemikerin beim Landeskriminalamt in Kiel füllt mit einer Pipette Flüssigkeit in ein Behältnis.

Eine Biochemikerin beim Landeskriminalamt in Kiel füllt mit einer Pipette Flüssigkeit in ein Behältnis. Foto: picture alliance/dpa/Frank Molter

Experten diskutieren: Wie viel bringen DNA-Spuren am Tatort wirklich?

DNA-Analysen haben die Aufklärung von Verbrechen revolutioniert. Hautschüppchen am Opfer – und per Analyse einem Menschen zugeordnet. Fall gelöst? So einfach ist es aber nicht. Auch darum geht es derzeit bei einem wichtigen Experten-Treffen.

An einem Gewaltopfer werden Hautpartikel gefunden und per DNA-Analyse einem bestimmten Menschen zugeordnet. Tatverdächtiger identifiziert, Fall gelöst? Dass es längst nicht so einfach ist, darum geht es unter anderem beim 46. Spurenworkshop der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, der aktuell in Greifswald stattfindet.

DNA-Gipfel: Das fehlt bei der Arbeit mit DNA noch

„Wie wahrscheinlich ist das, dass jemand Hautschüppchen überträgt?”, fragt Anja Klann vom Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald. „Jede Hautstruktur ist anders. Jeder Mensch verliert unterschiedlich viele Hautschüppchen. Es ist eine Frage der Zeit. Wie lange war jemand irgendwo? Wie lange war der Kontakt? Wie intensiv lag Reibung vor?”

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Während die Analyse von Proben im Labor extrem standardisiert sei, müssten für die Beantwortung solcher Fragen der sogenannten Kontextualisierung noch stärker Standards festgelegt werden. „Es gibt ja wirklich unendlich viele Übertragungsszenarien. Und da muss man vor allem Standards entwickeln, wie man diese Art der Untersuchung überhaupt vergleichbar macht.”

DNA-Analysen mitunter wichtig für Urteile

Das ist auch insofern wichtig, als von der Interpretation mitunter viel abhängt. Je nach Fall seien DNA-Spuren unterschiedlich bedeutend, sagt Klann, die in Greifswald den Arbeitsbereich Forensische Molekulargenetik leitet. „Es kann natürlich auch in einer Urteilsbegründung unter Umständen einen hohen Stellenwert haben.” Besonders, wenn es etwa zuvor keine Zeugenaussagen gegeben habe und eine gute DNA-Spur direkt zu einer Person führe, könne das ein großer Vorteil sein.

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Das Treffen von Wissenschaftlern, Richtern, Strafverteidigern sowie Sachverständigen aus Landeskriminalämtern (LKA) und dem Bundeskriminalamt in Greifswald sei die zentrale Veranstaltung im deutschsprachigen Raum zum Thema Spurenuntersuchung, vor allem mit Schwerpunkt auf forensische Genetik, sagt Organisatorin Klann. Mehr als 300 Experten und Expertinnen hätten sich angekündigt.

Teils Hunderte Analysen für einen Fall

In Mecklenburg-Vorpommern kümmern sich laut Klann die rechtsmedizinischen Institute in Rostock und Greifswald sowie das hiesige LKA um Analysen von Genmaterial. Dabei entfalle der größte Teil auf das LKA. Aber auch in Greifswald liefen praktisch permanent solche Analysen. „Das kann schon in die Hunderte gehen, auch bei einem Fall manchmal. Deswegen haben wir auch kontinuierlich immer was zu tun.” Die Fälle reichten von Einbruchsdelikten bis hin zu Tötungsdelikten.

„Eine extrem hohe Qualität” habe diese Arbeit in Deutschland. Dafür sorgten auch ein Akkreditierungssystem und externe Begutachtungen. Bei all der Faszination, die die Rechtsmedizin nicht zuletzt auch wegen Krimis und True-Crime-Formaten ausübt, gehört laut Klann auch weniger glamouröse Arbeit dazu. „Was man sich vorm Fernsehen anguckt, da steckt auch viel, viel wirklich wissenschaftliche Grundlagenforschung dahinter, eben dass wir nachher Verfahren in der Routine anwenden können.” Diese Arbeit sei im Nachhinein kaum sichtbar, sei aber auch zur würdigen. (dpa/mp)

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