Warum dieser „Maxton Hall“-Star im Norden Bier zapft

Die Teenie-Serie „Maxton Hall“ machte ihn weltberühmt. Doch im echten Leben ist Martin Neuhaus Gastwirt in einem Schweriner Lokal.
Die Teenie-Serie „Maxton Hall“ machte ihn weltberühmt. Doch im echten Leben ist Martin Neuhaus Gastwirt in einem Schweriner Lokal.

Die deutsche Amazon-Prime-Serie „Maxton Hall“ wurde zu einem Ausnahmeerfolg, mit dem keiner gerechnet hat. Am allerwenigsten Darsteller Martin Neuhaus: Während Millionen Zuschauer ihn als Serienvater kennen, steht der 50-Jährige im echten Leben hinter dem Tresen eines Lokals in Schwerin. Dort erzählt er der MOPO von Begegnungen mit Fans in Namibia, auf den Malediven und in der Bahn, vom Spagat zwischen plötzlichem Weltruhm und der Arbeit als Gastwirt – und von einer Bezahlung, die mit dem Hype nicht Schritt hält.

Ob er eigentlich sich selbst spielt – das ist eine Frage, die kein Schauspieler gern hört. Doch bei Martin Neuhaus kommt sie unweigerlich, denn er ist im echten Leben ganz genauso sympathisch wie seine Rolle als Vater der Protagonistin Ruby Bell in „Maxton Hall“. Die deutsche Amazon-Serie, die auf den Romanen der Hamburger Autorin Mona Kasten basiert, führte in 120 Ländern die Chart-Listen der Streaming-Plattform an, was sie zur erfolgreichsten nicht-amerikanischen Serie des Dienstes jemals machte. Eine riesige Überraschung für alle – besonders für Martin Neuhaus. „Dieser Premierenabend!“, sagt er, haut mit der flachen Hand auf den Tisch und lacht. „Ich wurde in einer schwarzen Limousine durch aufgeregte Menschenmengen gefahren. Das war der Wahnsinn!“

Schauspieler Martin Neuhaus: „Vorher hatte ich kein Insta“

Der 50-jährige gebürtige Berliner ist das, was man einen Tausendsassa nennt: Gesangstudium, Arbeit als Fährmann und Gastwirt, Konzertveranstalter, Theaterschauspieler. Im Rahmen seiner Arbeit kam er nach Schwerin, verliebte sich in die Stadt und eine ihrer Bewohnerinnen, übernahm das „Säulengebäude“ am Markt, an dem zuvor zwei Gastronomen gescheitert waren, und erweckte es während der Pandemie mit Open-Air-Konzerten, Co-Working-Space und dem Bistro „Löwe“ zum Leben. Keine leichte Aufgabe: „Ich habe hier Federn gelassen“, erzählt er.

Die MOPO trifft ihn im „Löwe Schwerin“. Einen Manager hat er nicht und auch keine Presseseite, die Kommunikation läuft direkt über WhatsApp und gleich per Du. „Ich hatte nicht einmal Insta vor Maxton Hall“, so Neuhaus. „Meine Frau hat mir das eingerichtet.“ Eine Fernseh-Premiere war die Serie für ihn nicht – in verschiedenen Episoden der „SOKO“, dem Film „Route B96“ und zahlreichen weiteren Produktionen war Neuhaus bereits in kleineren oder größeren Rollen zu sehen.

Prost! Heute Set, morgen Kneipe: Neuhaus hat ein abwechslungsreiches Leben.
Prost! Heute Set, morgen Kneipe: Neuhaus hat ein abwechslungsreiches Leben.

Doch „Maxton Hall“ übertrifft alles, was er bisher erlebt hat. „Ich werde ständig erkannt. Hier in Schwerin im Supermarkt, aber auch schon von einem amerikanischen Kind in Namibia, einer Brasilianerin, im Urlaub auf den Malediven oder in Spanien. Einmal wurde ich in der Bahn von einer AOK-Mitarbeiterin gefragt, ob ich zufällig ein Kollege sei, weil sie mich irgendwoher kenne. Die Leute können das oft nicht verknüpfen, auch im Bistro.“

Es erwartet eben niemand, dass der Vater von Ruby Bell in seiner „Freizeit“ Bier in Schwerin zapft. Während des Interviews steckt ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes seinen Kopf durch das Fenster des Bistros – „Herr Neuhaus, Sie stehen im Halteverbot!“ – und der Schauspieler muss seine uralte E-Klasse, die er nach dem Entladen dort vergessen hatte, eben umparken.

Kritik, finanzielle Schwierigkeiten und große Pläne

Manche Fans der Serie sind überrascht, wenn sie den Schauspieler spazierend antreffen. Dass ein Rollstuhlfahrer von einem gesunden Menschen gespielt wird, gefällt nicht allen. Doch die Kritik weist der 50-Jährige gekonnt zurück: „Ich muss ja auch niemanden umgebracht haben, um einen Mörder zu verkörpern. Das ist eben der Job.“ Vater ist er übrigens wirklich: zweifach, wie in der Serie.

Das „Bistro Löwe“.
Das „Bistro Löwe“.

Neuhaus berichtet, wie schwer es aktuell für Schauspieler auf dem deutschen Markt ist. „Meine ehemaligen Kommilitonen und Bekannten plagen sich alle. Ich bin heilfroh, dass ich hier Glühwein verkaufen kann.“ Er lehnt sich vor und nimmt einen Schluck von seiner Cola. „Leben können von der Schauspielerei nur wenige. Du brauchst entweder reiche Eltern oder ein zweites Standbein.“ Wohlhabend habe ihn „Maxton Hall“ wahrlich nicht gemacht – für Staffel zwei und drei gebe es trotz des großen Erfolgs den gleichen Lohn wie für die Debüt-Staffel, vergleichbar mit der „Soko“. Und im Gegensatz zu den beiden Hauptdarstellern hat Neuhaus keine Millionen von Followern, von denen er zehren kann.

Martin Neuhaus lehnt an einer Säule vor seinem Bistro „Löwe Schwerin“.
Martin Neuhaus lehnt an einer Säule vor seinem Bistro „Löwe Schwerin“.

Dass Martin Neuhaus neben der Schauspielerei und der Gastwirtschaft noch im Schweriner Stadtparlament sitzt, damit geht er nicht hausieren. Es sei ja „nur ein Ehrenamt“, bei dem es ihm darum gehe, dass die Stadt schöner wird. „Innenstadt beleben, das ist ja schon in Hamburg nicht leicht, und jetzt schaut euch um“ – er deutet auf den leeren Marktplatz – „das ist Schwerin an einem Samstagnachmittag“. Im Sommer organisiert er wöchentliche Konzerte vor dem „Löwen“, immer dienstags, dann sei der Marktplatz rappelvoll. Darauf ist Martin Neuhaus zurecht ziemlich stolz. „Bis zu 1000 Leute kommen dann.“ Werbung für die Konzertreihe macht er auf Instagram – die App, die er durch seine Arbeit bei Maxton Hall überhaupt erst kennengelernt hat. Die Resonanz ist groß und in diesem Jahr trägt sich die Kneipe zum ersten Mal selbst. Keine schlechte Bilanz für den schwierigen Standort.

Das könnte Sie auch interessieren: AfD verbieten? „Müssen Schritt gegebenenfalls gehen“, sagt die Justizministerin

Trotz der Freude an seiner Arbeit im Lokal – wenn er sich entscheiden müsste, würde er immer die Schauspielerei vorziehen, sagt Martin Neuhaus. „Dafür habe ich so viel getan“. Jetzt wolle er sich um ein vernünftiges Marketing kümmern. Und dann hat er mit seinem Schauspiel-Kumpel eine Idee für ein Talkshow-Format im Bistro: „Vielleicht wird das ja eine kleine ‚Inas Nacht’“, sagt er und schmunzelt. Ein zweites „Maxton Hall“ wird es für ihn vermutlich nicht geben. Aber Neuhaus hat gelernt, dass Erfolg viele Gesichter hat – und nicht immer aus Hollywood kommt. Manchmal reicht auch ein voller Marktplatz an einem Dienstagabend.

Die deutsche Amazon-Prime-Serie „Maxton Hall“ wurde zu einem Ausnahmeerfolg, mit dem keiner gerechnet hat. Am allerwenigsten Darsteller Martin Neuhaus: Während Millionen Zuschauer ihn als Serienvater kennen, steht der 50-Jährige im echten Leben hinter dem Tresen eines Lokals in Schwerin. Dort erzählt er der MOPO von Begegnungen mit Fans in Namibia, auf den Malediven und in der Bahn, vom Spagat zwischen plötzlichem Weltruhm und der Arbeit als Gastwirt – und von einer Bezahlung, die mit dem Hype nicht Schritt hält.