Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners kriecht über ein Gespinstnest.

Die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Schmetterlingsraupen können beim Menschen starke allergische Reaktionen auslösen. (Symbolbild) Foto: picture alliance/dpa | Pia Bayer

Raupen werden zur Plage – und werden nun per Hubschrauber bekämpft

Eichenprozessionsspinner können zur gesundheitlichen Belastung werden. 2025 wurden Experten durch eine unerwartet starke Ausbreitung überrascht. Nach Jahren sollen die Raupen nun in einem Teil Mecklenburg-Vorpommerns erstmals wieder aus der Luft bekämpft werden.

Per Hubschrauber soll dazu im Südwesten des Bundeslands ein spezieller Wirkstoff ausgebracht werden, teilte der Landkreis Ludwigslust-Parchim mit. „Die Planung der Maßnahme ist weit fortgeschritten und wird in den nächsten Wochen abgeschlossen sein.“

Unerwartet starke Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners

Die betroffenen Straßenabschnitte befänden sich ausschließlich im Landkreis Ludwigslust-Parchim und seien „lokal begrenzt über den gesamten Kreis verteilt“. Je nach Wetterlage werde der Einsatz Mitte bis Ende Mai erfolgen. Zuletzt wurden die Raupen im Jahr 2023 mithilfe eines Hubschraubers bekämpft.


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Im vergangenen Jahr hatte eine unerwartet starke Ausbreitung der potenziell gesundheitsgefährdenden Raupen des Schmetterlings die Behörden überrascht. Der traditionell besonders betroffene Landkreis Ludwigslust-Parchim sprach im vergangenen Sommer von einem Niveau, das zuvor in MV noch nie dokumentiert worden sei.

Allergische Reaktionen auf Brennhaare 

Die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Schmetterlingsraupen können beim Menschen stark juckende allergische Hautreaktionen sowie Entzündungen an den Augen hervorrufen. Auch die oberen Atemwege können betroffen sein. Die Raupen sollte man daher nicht berühren. In Kontakt mit den Brennhaaren kann man allerdings auch durch Verwehungen kommen.

Für eine Bekämpfung aus der Luft war es im vergangenen Sommer schon zu spät, weil die Raupen bereits verpuppt waren und den Wirkstoff nicht mehr gefressen hätten.

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Laut Landkreis kommt als Wirkstoff das biologische Biozid Foray ES zum Einsatz. „Er ist ungiftig für Menschen und andere Wirbeltiere und wirkt selektiv auf Schmetterlingsraupen. Bienen und andere Insekten sind deshalb nicht von dem Einsatz betroffen.“

Der Wirkstoff werde mit der Nahrung aufgenommen. Die Schmetterlingsraupen sterben demnach nach wenigen Stunden bis einigen Tagen. Der Wirkstoff werde ausgebracht, bevor die Brennhaare ausgebildet seien. „Wichtig ist, dass bereits alle Eichen Blätter ausgetrieben haben und optimale Witterungsbedingungen bestehen.“

Kurzzeitige Straßensperrungen

Die zu behandelnden Abschnitte an Alleen, Straßen und Wegen würden auf Basis der Überwachung vom vergangenen Jahr ausgewählt. Dafür erfassen den Angaben zufolge der Landkreis und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) jährlich an etwa 150 Straßenabschnitten die Zahl der Nester in jeweils 20 Eichen. Diese Daten würden durch Straßenmeistereien und Gemeinden ergänzt. Berücksichtigt werde auch, inwiefern Bürgerinnen und Bürger jeweils gegebenenfalls betroffen sind. Die behandelten Straßenabschnitte müssten kurzfristig gesperrt werden, teilte der Landkreis mit. 

Im vergangenen Sommer wurden nach Angaben des Lagus bei teils großer Hitze aufwendig Nester entfernt von Experten in Schutzanzügen. Der Landkreis erklärte, „aufgrund des hohen Aufwandes ist diese Maßnahme jedoch besonders teuer und nur an vergleichsweise wenigen Bäumen möglich.“

Auch frostiger Winter bringt keine Entspannung

Der Lagus-Experte Kai Gloyna hatte auf ältere Daten aus Brandenburg auf Basis von Abfragen bei Ärzten verwiesen, die zeigten, dass der Leidensdruck in Befallsgebieten sehr hoch sei: „Sie müssen sich vorstellen, dass Sie dann, wenn Sie Eichen auf dem Grundstück oder als Straßenbegleitgrün haben und dort die Raupen hoch und runter kriechen, dass Sie dann nachts also die Fenster nicht öffnen können, keine Wäsche trocknen können.“

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Wann sich der Eichenprozessionsspinner wie stark ausbreitet, gibt den Experten weiterhin Rätsel auf. „Die Faktoren, die die Populationsentwicklung steuern, sind trotz umfangreicher Forschungsprojekte zur Biologie des Eichenprozessionsspinners nach wie vor nicht vollständig verstanden“, so der Landkreis. (dpa/mp)

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