„Gefahr, dass er ertrinkt!“: Hat der Wal in der Nordsee wirklich eine Chance?

Buckelwal Poel Schiff
Luftaufnahme des Buckelwals im gefluteten Lastschiff.

Für den vor Poel gestrandeten Buckelwal beginnt jetzt der entscheidende Abschnitt: die Rückkehr ins offene Meer. Nachdem das Tier in eine mit Wasser gefüllte Barge gebracht wurde, läuft der Transport Richtung Nordsee – oder sogar weiter in den Atlantik. Ein Peilsender soll dabei helfen, den Weg des Wals zu verfolgen. Experten sehen die gesamte Rettungsaktion jedoch sehr kritisch.

Die Hoffnung: „Timmy“ findet draußen wieder Anschluss an eine Gruppe von Artgenossen. Doch genau daran gibt es Zweifel. Experten aus dem Umfeld der Internationalen Walfangkommission (IWC) warnen: „Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben“, hieß es vom zuständigen Expertengremium für Strandungen.

Ähnlich skeptisch äußerte sich das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. „Das Abladen des Tieres ins offene Meer birgt die Gefahr, dass es ertrinkt“, warnten die Experten. Der Wal sei sehr geschwächt und finde im offenen Meer keine Möglichkeit, sich abzulegen. Auch ist unklar, ob ein einzelnes Tier problemlos in eine fremde Gruppe integriert werden kann.

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Bei Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) überwiegt dennoch Optimismus. Er lobte den Einsatz der vielen Helfer – und sieht zugleich Handlungsbedarf für die Zukunft. „Wir werden uns mit dem Thema weiter auseinandersetzen müssen“, sagte er mit Blick auf mögliche weitere Walstrandungen an deutschen Küsten. Backhaus fordert eine überregionale Koordination solcher Einsätze und bringt dafür das Havariekommando ins Spiel, das bereits bei Schiffsunglücken zum Einsatz kommt. Für die Umweltministerkonferenz vom 6. bis 8. Mai in Leipzig hat er dazu einen Antrag gestellt.

Tonnenschwerer Buckelwal mit Gurten gedreht

Die Rettung selbst war ein Kraftakt. 29 Tage lang hatte der Wal im flachen Wasser vor Poel gelegen. Schließlich gelang es einer privaten Initiative um Mediamarkt-Gründer Walter Gunz, das Tier in eine zuvor gebaggerte Rinne zu manövrieren. Mit Gurten wurde der mehrere Tonnen schwere Buckelwal stabilisiert und vorsichtig gedreht. Kurz darauf schwamm „Timmy“ aus eigener Kraft in die vorbereitete Barge. Dort liegt er während seines Transports in dem gefluteten Lastschiff auf einem Bett aus Sand.

Am Abend der Rettungsaktion setzten kleinere Boote den Lastkahn in Bewegung und schoben ihn in die Wismarer Bucht, wo der Schlepper „Robin Hood“ übernahm. Später wurde der Transport auf Höhe Fehmarn von der „Fortuna B“ in Richtung des dänischen Hafens in Hirtshals fortgesetzt. Jetzt richtet sich der Blick nach vorn – und in Richtung Atlantik. Dort soll das Tier laut „Bild“ bei einer Buckelwal-Herde freigelassen werden. Die Initiative sprach jedoch von einem Ziel in der Nordsee.

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Nordsee oder Atlantik: Ob „Timmy“ die Reise übersteht und tatsächlich wieder in die Freiheit findet, bleibt in jedem Fall offen. Hilfe kommt dafür auch von der Crew, die bereits an der Rehabilitation des aus dem Hollywood-Blockbuster „Free Willy“ bekannten Orca Keiko beteiligt war.

Zudem soll ein extra aus den USA bestellter GPS-Senderchip Informationen an das Umweltministerium liefern. Dieser wird dann hoffentlich schon bald übermitteln, dass aus der spektakulären Rettungsaktion am Ende ein echtes Happy End wird.