AfD-Abgeordneter schickt rechtsextreme Comics an Schulen im Norden
Eine „Buch-Verschenkaktion“ des AfD-Bundestagsabgeordneten Christoph Grimm aus Wismar sorgt derzeit für reichlich Aufruhr. Der Parlamentarier hatte Grundschulen in seinem Wahlkreis Bücher geschickt – darunter war auch ein Comic, der laut Expertenmeinung Nazi-Propaganda vermittelt.
Der 32-seitige Comic mit dem Titel „1813 – eine Nation erwacht“ thematisiert unkritisch und ohne Einordnung die Zeit der Befreiungskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wie der NDR zuerst berichtete. Herausgeber des Comics ist Grimbart Studio, das zu dem Leipziger Verlag Tannwald Media gehört und im rechtsextremen Umfeld aktiv ist.
Rechtsextreme Comics an Grundschulen geschickt
Laut Beschreibung des Verlags solle der Comic „Lesern jeden Alters die deutsche Nationalromantik und den Abwehrkampf gegen Napoleon“ näher bringen. Laut Medienbericht seien auch Poster und Aufkleber von Männerfiguren im Kampf Teil der Pakete, die an verschiedene Grundschulen in Grimms Wahlkreis Nordwestmecklenburg verschickt wurden.
Die Bücher seien „altersgerecht konzipiert“ und würden sich „vor allem an Kinder im Grundschulalter, etwa um das siebte Lebensjahr“ richten, zitiert der NDR aus einem Anschreiben des AfD-Politikers an die Schulleitungen.
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Stefan Kollasch, Projektleiter des Zentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg, widerspricht dem gegenüber dem NDR ausdrücklich: Die Kinder würden zu Hass und völkischem Denken angestachelt. Zudem sei der Comic gewaltverherrlichend.
Bildungsministerin Oldenburg: „Teufelszeug“
Zwar habe keine der Schulen Grimms Bücherpaket angenommen. Die Empörung über die Aktion ist dennoch groß: „Das ist Teufelszeug“, sagte so etwa Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) über die Comics. Auch der Landeselternrat und weitere Parteien reagierten empört. Jutta Wegner, bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, bezeichnet die Aktion als „neuen Tiefpunkt“. „Besonders perfide ist der Versuch, bereits Siebenjährige mit nationalistischen, kriegsverherrlichenden und geschichtsverzerrenden Inhalten zu erreichen“, so die Politikerin. (mp)
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