Wal im Lastschiff

Der Wal in der Barge (Archivbild) Foto: Philip Dulian/dpa

Streit, Drohungen, dubiose Manöver: Lebt Timmy überhaupt noch?

Wo ist Wal „Timmy“ – und lebt er überhaupt noch? Seit der spektakulären Rettung und Freilassung des Buckelwals gibt es mehr Fragen als Antworten. Sicher ist nur: Das Tier wurde nach Wochen des Dramas per Barge in die Nordsee gebracht und dort freigelassen. Was danach geschah, ist bis heute erstaunlich unklar.

Ausgerechnet vom entscheidenden Moment der Freilassung gibt es keine gesicherten Bilder. Wochenlang war die Rettungsaktion öffentlich dokumentiert worden – mit Videos, Drohnenaufnahmen und Livestreams. Doch als der Wal schließlich entlassen wurde, fehlen plötzlich eindeutige Belege. Auch die Daten des Peilsenders, die eigentlich Aufschluss über seinen Aufenthaltsort geben sollten, wurden bislang nicht transparent veröffentlicht.

Streit an Bord überschattet die Mission

Hinter den Kulissen war bereits während der Aktion ein massiver Konflikt entbrannt, der sich bei der Rückkehr der Schiffe offen zeigte. Die „Fortuna B“, die den Wal transportierte, lief verspätet in Cuxhaven ein und wurde dort von Polizisten empfangen. Laut „Bild“ hatte die Crew aus Angst vor einer Konfrontation mit Aktivisten einen Notruf abgesetzt.

Die Angst ist wohlbegründet. Denn Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies erhebt schwere Vorwürfe gegen die Besatzung der „Fortuna B“. Sie berichtet von chaotischen Zuständen und massiven Konflikten mit der Schiffsführung: „Ich habe so viel geheult“, sagte sie. Der Kapitän habe ihr sogar mit Arrest gedroht.


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Noch brisanter sind ihre Schilderungen zur Freilassung selbst. Demnach seien Tierärzte zeitweise nicht mehr zum Wal gelassen worden. „Ich wurde vom Kapitän abgehalten“, so Tönnies. In anderen Aussagen heißt es sogar, niemand habe den entscheidenden Moment begleiten dürfen. Sie will von einem Mitglied der Crew sogar gehört haben: „Hauptsache, das Tier ist weg!“

Gefährliche Methoden beim Transport?

Unklar bleibt auch, wie genau Timmy die Barge verließ: Wurde er kontrolliert hinausgeleitet – oder unter Druck gesetzt? Aufnahmen aus den Tagen zuvor zeigen, wie Helfer offenbar an der Schwanzflosse ziehen. Genau das hält ein Experte für hochriskant. „Es ist die Regel Nummer eins bei gestrandeten Walen, sie niemals an der Fluke zu ziehen“, erklärte Walforscher Fabian Ritter.

Auch Berichte über starken Seegang und mögliche Kollisionen des Tieres mit den Wänden der Barge nähren Zweifel an seinem Gesundheitszustand. Hinzu kommt ein Vorwurf von Greenpeace: Der Wal sei ausgerechnet in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas freigelassen worden. „Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen, schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein“, erklärte Sprecher Thilo Maack.

Rätsel um den Peilsender

Zusätzliche Kritik richtet sich gegen die Organisation der Rettungsmission. Laut Behörden fehlte zeitweise eine klare Einsatzleitung, zugesagte Überwachungssysteme wurden offenbar nicht installiert. Selbst ein geplanter Gesundheitscheck vor der Freilassung soll entfallen sein.

Auch ist immer noch nicht klar, wann der Peilsender wie am Rücken des Wals befestigt worden ist. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) kritisierte, dass vereinbarte Datenübermittlungen bislang ausgeblieben seien: „Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn begleiten können.“

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Doch diese Signale gab es am Montagvormittag. Das teilte Dr. Kirsten Tönnies am Montagvormittag der „Bild“ mit. Sie betreffen aber nur die Vitalfunktionen des Tieres und werden gesendet, wenn der Wal über Wasser ist, um Luft zu holen. GPS-Daten über den Standort werden aus noch ungeklärten Gründen nicht übermittelt.

Fest steht: Die Freilassung von Timmy war eine der spektakulärsten Tierrettungsaktionen in Deutschland. Doch statt eines klaren Happy Ends bleiben offene Fragen, interne Konflikte – und die bange Ungewissheit, ob der Wal den Weg zurück in die Freiheit überleben wird.

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