180 Kilo müssen runter! Schwarzbären im Norden auf Diät
In der Vergangenheit wurden sie für Filmauftritte trainiert, jetzt wartet eine neue Herausforderung auf Timber und Jack. Die beiden Schwarzbären aus dem insolventen Filmtierpark in Eschede arbeiten in ihrem neuen Zuhause im Wildpark Lüneburger Heide an ihrer Figur. 180 Kilo wollen abgeschmolzen werden! Aber wie machen faule Bären Diät?
Der 14-jährige Jack ist ein äußerst gelassener Zeitgenosse. Wenn die Sonne scheint, sitzt er auf seinem kapitalen Hinterteil im Gehege und lässt sich von den Blicken der neugierigen Besucher nicht aus der Ruhe bringen. Dass Obertierpfleger Lukas Feyen (29) über angebliche „Fettschürzen“ auf seinem Rücken spricht, das entlockt dem 300-Kilo-Fellberg nur ein cooles Kratzen mit der gewaltigen Hintertatze am Bauch. Aber wie können Bären Kilos verlieren?
Bären fressen Gras
Mit Gras zum Beispiel! Kaum zu glauben, aber wenn die beiden Schwarzbären morgens auf die Anlage gelassen werden, dann fressen sie erst einmal den Rasen kurz. „Wir mischen da extra eine Kräutermischung rein“, erklärt Feyen vom Wildpark in Nindorf (Landkreis Harburg). Das lieben die Bären. Natürlich lieben sie auch Honig. „Aber den gibt es nur als Nascherei. Ein Glas reicht für vier Bären einen ganzen Monat.“ Damit die Bären sich bewegen, wird der Honig an wechselnden Stellen im Gehege platziert. Oder in speziellen Klötzen mit Bohrlöchern geträufelt.
Seit vier Monaten etwa sind Jack und Timber nun im Wildpark Lüneburger Heide in Nindorf. Weil der Filmtierpark Eschede – eine Stunde entfernt in der Südheide – insolvent ist und alle Tiere ein neues Zuhause brauchten, wurden sie hier aufgenommen. „Sie sind gesundheitlich in sehr gutem Zustand“, sagt Feyen. Sie machen auch keine Kunststücke oder komische Bewegungen, sondern verhalten sich kaum anders, als die anderen Bären im Park. Wenn da nicht das leidige Thema Gewicht wäre. Jack brachte zu Beginn 300 Kilo auf die Waage, seine Begleiterin Timber rund 200 Kilo. Und die beiden haben gemeinsam bereits knapp 50 Kilo abgespeckt.
Bären kommen aus dem Filmtierpark Eschede
„Im nächsten Sommer wird man die beiden kaum wiedererkennen“, prognostiziert Feyen. Dann soll Jack 100 Kilo verloren haben und Timber 80 Kilo. Dafür stehen auf dem Speiseplan nun viel Gemüse, etwas Obst und einmal die Woche Fisch. Alles frisch vom Großmarkt. Dazu gibt es auch mal Hähnchen oder Ratte. „Die beiden sind nicht so wählerisch und fressen gut“, so Feyen. „Aber wenn den Bären ihr Futter nicht schmecken würde, dann könnten sie auch problemlos mal fünf Tage ohne auskommen.“
Tatsächlich sind Schwarzbären quasi Flexitarier. Sie ernähren sich hauptsächlich von pflanzlicher Kost, darunter Früchte, Beeren, Nüsse, Gräser und Wurzeln. Tierische Nahrung nehmen sie meist in Form von Insekten wie Ameisen, Bienen, Termiten oder Aas auf. Daher können sie auch gut abspecken.
Schwarzbären sind Flexitarier: Sie fressen viele Früchte, Beeren, Nüsse
Für ihre Gesundheit ist es auch besser, wenn die Pfunde langsam purzeln. Ihre Beweglichkeit ist allerdings auch jetzt längst nicht so eingeschränkt, wie Besucher denken könnten, wenn sie die beiden bequemen Balous sehen. „Jack wäre trotz seines Gewichts in drei Sekunden am Zaun, wenn er wollte.“ Und Feyen ist auch überzeugt, dass die beiden immer noch sehr gut auf Bäume klettern könnten. Deshalb sind auf der Anlage auch alle großen Fichten in Zaunnähe gesichert.
Als unfreiwillige Trainingspartner dienen auf der Anlage auch die beiden Braunbären Susi und Teddy, mit denen sie das Gehege teilen. Beide sind schon 32 Jahre alt und Teddy ist viel größer als die Schwarzbären. Wenn er entscheidet, sich auf einen seiner Lieblingsplätze zu legen, dann müssen halt alle anderen weichen, es kommt zu einer großen Rochade im Gehege und alles gerät in Bewegung. So müssen Jack und Timber immer mit einem Auge im Blick haben, was um sie herum so passiert.
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Im Filmtierpark hatten die beiden relativ zahmen Bären direkten Kontakt zu ihren langjährigen Pflegern, die auch ins Gehege gegangen und ihnen sehr nah gekommen sind. Timber und Jack sind dadurch auch gar nicht scheu gegenüber Menschen. Im Wildpark läuft es jetzt anders. Trainiert wird nur noch das, was nötig ist, um die großen Tiere auch in Augenschein nehmen zu können, um mögliche Verletzungen zu erkennen. Dabei sind die Tierpfleger aber nicht im Gehege, sondern durch einen Zaun geschützt.
Schwarzbären sind vergleichsweise kleine Bären, die Weibchen wiegen um die 100 Kilo, große männliche Bären können bis 300 Kilo auf die Waage bringen. Braunbären werden hingegen bis 550 Kilo schwer (Weibchen bis 250 Kilo). „Sie haben von Natur aus auch ein sehr zurückhaltendes Wesen“, sagt Feyen. Wer einem Schwarzbären in den USA oder Kanada in freier Wildbahn begegne, der könne ihn verscheuchen. Man kann auf sie zugehen, sich groß machen und laut werden. Das sei bei einigen anderen Bärenarten ganz und gar nicht ratsam.