Kraftstoff-Klau nimmt zu – mutmaßlicher Dieb stirbt bei Unfall
Im Zuge der Invasion Russlands in die Ukraine explodieren in Deutschland die Spritpreise: Für einen Liter Diesel werden bereits oft 2,50 Euro fällig. Kraftstoff wird immer teurer und begehrter. Nach MOPO-Recherchen ist es in Hamburg und im Norden in den vergangenen Wochen deshalb zu einer Vielzahl an Kraftstoff-Diebstählen gekommen. In Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) starb ein Mann offenbar sogar beim illegalen Abzapfen von Lkw-Diesel.
Aus Hamburger Polizei-Kreisen ist zu vernehmen, dass stadtweit die Taten in den vergangenen 14 Tagen zugenommen haben – von einer kleinen, zweistelligen Zahl ist die Rede. Offiziell bestätigt die Polizei dies nicht, spricht aber davon, dass es „vereinzelt zu Kraftstoff-Diebstählen gekommen ist“. Ermittlungen in diesen Fällen führten die örtlichen Kripo-Dienststellen, so ein Sprecher, eine gesonderte Statistik gebe es nicht.
Spritpreise: Immer öfter wird Kraftstoff in Hamburg gestohlen
Anders die Lage in Schleswig-Holstein: Dort wurden im selben Zeitraum 69 Fälle von Tankbetrug und 20 Diebstähle von Kraftstoffen registriert. Das bestätigte das Landeskriminalamt auf MOPO-Anfrage. Es hätte bei den Taten keine regionalen Schwerpunkte gegeben, sagte Sprecherin Carola Jeschke: „Durch Diebstahl besonders betroffen waren abgestellte Großfahrzeuge wie Lkw, Busse, Baustellenfahrzeuge und auch Landmaschinen“, erklärte sie.
In einem Fall wurde in Geesthacht bei Hamburg sogar eine komplette Dieseltankstation von einer Baustelle geklaut, in Schleswig bei Flensburg zapften Unbekannte rund 1300 Liter Diesel aus sechs geparkten Müllfahrzeugen ab.
Die Täter gehen dabei immer ähnlich vor: Tankdeckel aufdrehen oder aufbohren, Schlauch rein, Kanister – oft in einem Einkaufstrolley gelagert und getarnt – darunter, Sprit abpumpen und weg. Meistens bleiben die Täter unerkannt; sie schlagen nachts zu, sind unbeobachtet und schnell. Das Phänomen ist nicht neu, das Ausmaß aber weitgehend unbekannt. „Das ist für die Branche ein echtes Problem“, erklärte Martin Bulheller, Sprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). „Vor allem weil es keine verlässlichen Zahlen dazu gibt.“
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Die Dunkelziffer, so schätzen Experten, dürfe um ein Vielfaches höher sein als die registrierten Taten. Nur sehr selten werden die Diebe auf frischer Tat erwischt. Sie sollen auch an Rastplätzen unterwegs sein, sich an Lkw zu schaffen machen, in denen die Fahrer noch in Kabinen schlafen – wie wohl zuletzt am Donnerstag in Kaltenkirchen.
Bei Hamburg: Mann von Laster mitgeschleift – tot
Laut Polizei hatte sich um 4.13 Uhr ein Zeuge gemeldet und von einem Toten gesprochen, der an der Kieler Straße liegen würde. „Der Spurenlage nach dürfte der Mann von einem Fahrzeug erfasst und mehrere Meter mitgeschleift worden sein“, teilte ein Sprecher mit. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, handelt es sich bei dem Toten um einen 33-Jährigen. „Ein Sachverständiger wurde zur Klärung des Geschehens hinzugerufen.“
Wenige Minuten nach dem Notruf meldete sich ein Lkw-Fahrer bei der Polizei und gab einen Diesel-Diebstahl an. Er berichtete laut Polizei, in seinem Fahrzeug geschlafen und gegen 4 Uhr Geräusche gehört zu haben. Er habe aber nichts feststellen können und sei losgefahren, so der Sprecher weiter. Der 41-Jährige habe dann gestoppt und an einer Tankstelle gehalten, weil er Schleifgeräusche vernommen habe. „Unter dem Lkw fand der Mann einen Koffer, in dem sich für Kraftstoffdiebstahl typisches Werkzeug befand.“ Außerdem wurden Kanister gefunden und ein Loch am Tank festgestellt. Der Lkw-Fahrer wurde wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung festgenommen, mangels Haftgründen am Donnerstagabend aber wieder entlassen. „Die Ermittlungen dauern an.“