„Waren nie weg“: Neue Zentrale der „Hells Angels“ an der Ostsee – das steckt dahinter

Zwei Hells Angels Mitglieder tragen ihre Weste mit Logo der Hells Angels (Archivbild).
Ihre Kutte dürfen die Hells Angels seit 2014 nicht mehr tragen – dafür haben sie jetzt eine neue Zentrale in Kiel.

Im Kieler Rotlichtviertel hat eine neue Bar mit Verbindungen zu den Hells Angels eröffnet. Die Polizei beobachtet die Szene in Schleswig-Holstein weiterhin genau.

Vor der Tür glänzen schwere Maschinen, ordentlich nebeneinander aufgereiht. Musik dröhnt nach draußen, dazu das dumpfe Knattern einzelner Motorräder. Männer stehen in kleinen Gruppen zusammen, tätowiert, muskulös, mit verschränkten Armen. Einer trägt ein schwarzes T-Shirt, unscheinbar bedruckt mit den Buchstaben HAMC. Die Abkürzung für Hells Angels Motorcycle Club. Die Botschaft ist klar: Wir sind da – an der Kieler Küste.

Der Betreiber der neuen Bar im Rotlichtviertel stammt der Polizei zufolge aus dem Umfeld der Hells Angels. Jener Gruppierung, die in Deutschland seit Jahrzehnten für ihr umstrittenes Auftreten und ihre kriminellen Verstrickungen bekannt ist. Neben den Bandidos, den Outlaws und dem Gremium gehören sie zu den polizeilich relevanten Rockerclubs. „Diese stellen gemäß ihrem Selbstverständnis das clubeigene Regelwerk über die geltenden rechtstaatlichen Gesetze und Normen“, sagt Carola Jeschke, Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA).

Rocker-Konflikte prägten Kiels Rotlichtviertel

Dass nun mitten im Kieler Rotlichtviertel, zwischen Bordellen, Stripclubs und Bars, ein neuer Treffpunkt entsteht, ruft Erinnerungen wach. Das Kapitel „Rockerkrieg“ ist in Schleswig-Holstein noch nicht verblasst. Schießereien, Messerstechereien, Überfälle: In den 2010er-Jahren erschütterten blutige Auseinandersetzungen zwischen den Hells Angels und den rivalisierenden Bandidos den Norden.

Die Behörden reagierten mit Razzien, Vereinsverboten und verschärfter Überwachung. In Kiel und Neumünster wurden Clubhäuser durchsucht, Treffpunkte geschlossen, Kutten verboten. Das Bild der Rocker verschwand Stück für Stück aus der Öffentlichkeit. Weg waren die Biker aber nie.

„Die Angehörigen der verbotenen Charter und Chapter tauchten nach dem Verbot nicht unter“, sagt Matthias Arends, Sprecher der Kieler Polizei. „Sie waren und sind nach wie vor im Stadtgebiet präsent, nur eben für Laien nicht mehr öffentlich erkennbar.“

Null-Toleranz-Strategie: Keine Machtdemonstrationen mit Kutten und Motorrädern

Das Land verfolgt gegenüber rockerähnlichen Gruppierungen, die wiederholt schwere Straftaten begangen haben, eine Null-Toleranz-Strategie. Und seit dem Vereins- und Kuttenverbot und dem konsequenten Durchgreifen der Polizei gilt die Rockerszene im Land tatsächlich als weitgehend ruhig. Keine offenen Auseinandersetzungen, keine Konflikte zwischen unterschiedlichen Gruppierungen.

„Gleichwohl haben wir die Szene sehr genau im Blick“, sagt Arends. Und das nicht nur in Kiel, sondern auch in anderen Städten in Schleswig-Holstein. Immer wieder kontrolliert die Polizei anreisende Motorradfahrer und Szene-Treffen, sei es in Lübeck, Schwarzenbek oder Norderstedt. Im Oktober vergangenen Jahres durchsuchten Beamte das Vereinsheim des Rockerclubs Red Devils in Neumünster, einem Unterstützerclub der Hells Angels.

Nach den Vereinsverboten der Hells Angels-Charter Flensburg (2010) und Kiel (2012) sowie des Bandidos-Chapters Neumünster (2010) traten einige Mitglieder diesen Unterstützerclubs bei. Es gründeten sich laut LKA auch neue Ortsverbände der Rockerclubs an gleicher Stelle mit neuem Namen.

Landeskriminalamt: Keine Änderungen in der Szene

Wie viele Personen heute zum Rockermilieu in Schleswig-Holstein zählen, ist unklar. „Die Mitgliederzahlen unterliegen ständigen Schwankungen“, sagt Carola Jeschke. Grundsätzlich habe sich „die Häufigkeit sowie die Intensität an öffentlichkeitswirksamem Auftreten“ der Szene in der jüngsten Vergangenheit in Schleswig-Holstein nicht spürbar verändert.

Eine Bar, vor der Motorräder Spalier stehen, hat es in Kiel seit dem Rockerkrieg aber nicht mehr gegeben. Für Außenstehende ist hier kaum erkennbar, ob es sich dabei um harmlose Motorradfreunde handelt oder um Männer mit enger Verbindung zu den berüchtigten Strukturen. Sicher ist: Die schweren Maschinen vor der Tür sind nicht nur ein Transportmittel, sondern auch ein Symbol. Der Norden hat gelernt, solche Zeichen ernst zu nehmen.

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„Bei Bekanntwerden von Ausfahrten oder Zusammentreffen zeigt die Polizei grundsätzlich Präsenz“, sagt Sprecher Matthias Arends. „Machtdemonstrationen und Verstöße gegen die Rechtsordnung werden nicht geduldet. Dem wurde in der Vergangenheit stets Folge geleistet.“ (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)

Im Kieler Rotlichtviertel hat eine neue Bar mit Verbindungen zu den Hells Angels eröffnet. Die Polizei beobachtet die Szene in Schleswig-Holstein weiterhin genau.