Künftiger Oberbürgermeister unter Druck: Hat er seine Macht missbraucht?
Hat der künftige Kieler Oberbürgermeister seine Macht missbraucht? Neue Recherchen werfen Samet Yilmaz (44) schwere Verstöße vor. Im Zentrum steht ein brisanter Datenbank-Check zu einem Unternehmer in der Zeit, als der Politiker noch für den Verfassungsschutz tätig war. Es sind nicht die ersten Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden.
Kurz vor seinem Amtsantritt steht Kiels künftiger Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) erneut unter Druck. Der Vorwurf: Der frühere Verfassungsschützer soll einen türkeistämmigen Unternehmer ohne dienstlichen Grund in einer Geheimdienst-Datenbank überprüft haben.
Neuer Oberbürgermeister von Kiel in der Kritik
Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ bat der 44-Jährige demnach 2024 einen Kollegen, den Mann im sogenannten Nadis-System zu checken – einer zentralen Datei, in der Informationen über Extremisten gespeichert sind. Solche Abfragen sind streng geregelt. Privatinteressen haben dort nichts verloren.
Der Hintergrund wirkt heikel: Yilmaz wollte offenbar in seiner Funktion als damaliges Mitglied des Kieler Stadtrates ein Vereinsfest besuchen, das der Unternehmer organisiert hatte. Vorab ließ er prüfen, ob es Sicherheitsbedenken gibt. Ergebnis: nichts Auffälliges. Yilmaz ging hin, hielt eine Rede und posierte mit dem Veranstalter für Fotos.
Doch das ist nicht der einzige problematische Vorgang. Im Oktober 2025 war bekannt geworden, dass Yilmaz bei der Organisation eines sogenannten „Türkischen Tags“ am 8. Juni im Kieler Werftpark geholfen haben soll – ein Fest, das vom Verfassungsschutz selbst als Plattform für türkische Rechtsextreme („Graue Wölfe“) eingeordnet wird. Pikant: Genau solche Gruppen gehörten zu seinem eigenen Arbeitsbereich. Laut „Spiegel“ vermuteten Vertraute, dass sich Yilmaz mit der Aktion in der türkischstämmigen Gemeinde „beliebt machen oder Kontakten einen Gefallen tun wollte“.
Samet Yilmaz wurde beim Verfassungsschutz versetzt
Yilmaz räumte damals ein, eine Anfrage weitergeleitet zu haben. Er betonte aber, kein Extremist zu sein und sich stets für die Demokratie einzusetzen.
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Trotzdem summieren sich die Zweifel. Bei einer Sicherheitsüberprüfung im vergangenen Sommer fielen mehrere mögliche Pflichtverstöße auf. Die Folge: Yilmaz verlor seinen Posten beim Verfassungsschutz und wurde versetzt.
Disziplinarverfahren läuft
Inzwischen läuft gegen ihn wegen des Vorfalls zum „Türkischen Tag“ ein Disziplinarverfahren. Und es kommt noch dicker: Laut Insidern soll Yilmaz inzwischen selbst in der Geheimdienst-Datenbank geführt werden – nicht als Extremist, aber als Kontaktperson im Umfeld der „Grauen Wölfe“.
Das Innenministerium schweigt dem „Spiegel“ zufolge zu Details. Yilmaz wurde erst im Dezember zum neuen Oberbürgermeister von Kiel gewählt. Am Mittwoch soll er sein Amt antreten.
Yilmaz selbst erklärt auf Nachfrage der MOPO: „Die Vorwürfe, die teilweise auf unvollständigen und falsch dargestellten Sachverhalten beruhen, werden ausgerechnet wenige Tage vor meinem Amtsantritt platziert. Die Berichte nehme ich zur Kenntnis. Zu Interna meiner früheren Tätigkeit beim Verfassungsschutz kann ich aus rechtlichen Gründen keine Details nennen; das ist meine gesetzliche Pflicht.“ Was er jedoch „unmissverständlich“ klarstellen möchte: „Ich distanziere mich von jeder Form des Extremismus – das war immer so und wird immer so bleiben. Ich konzentriere mich auf meinen Amtsantritt in der kommenden Woche.“