In diesem Moordorf in Niedersachsen gibt es ein verrücktes Café und sechs Museen
Das bekannteste Dorf Deutschlands liegt nur rund eine Autostunde von Hamburg entfernt und hat seinen Ruhm der Kunst zu verdanken. Paula Modersohn-Becker, Heinrich Vogeler, Fritz Overbeck, Hans am Ende und viele weitere Maler, Bildhauer und Architekten ließen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Einsamkeit und Einzigartigkeit der Landschaft rund um Worpswede inspirieren. Auch der Dichter Rainer Maria Rilke verbrachte zwei Jahre im Teufelsmoor.
Wohnen unter der Käseglocke
Lange dauerte es nicht, da hatte das kuppelförmige Wohnhaus des Schriftstellers und Fremdenführers Edwin Koenemann seinen Spitznamen weg. Die „Käseglocke“, erbaut nach einem Entwurf des Architekten Bruno Taut, liegt mitten im Wald am Wanderweg zwischen der Großen Kunstschau und dem Barkenhoff. Das eigenwillige Rundhaus gehört heute zu den Sehenswürdigkeiten Worpswedes. Seit 2001 hat das Museum für angewandte Kunst und Kunsthandwerk im ungewöhnlichen Kuppelhaus seinen Sitz.
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Rilkes Refugium
Auf einer Italienreise lernte Rainer Maria Rilke den Kommunisten und Künstler Heinrich Vogeler kennen. Auf dessen Einladung kam der Lyriker nach Worpswede. Wie viele andere Künstler lebte er auf Vogelers Barkenhoff und lernte hier seine spätere Frau, die Künstlerin Clara Westhoff, kennen. Viele von Rilkes Gedichten, die in der Zeit in Worpswede entstanden sind, handeln und erzählen vom Künstlerort. Heute ist der Barkenhoff mit seiner weitläufigen Gartenanlage eines von sechs Museen in Worpswede.
Verrücktes Café
Schief und krumm, keinem herkömmlichen Architekturstil folgend, ließ der Bremer Architekt Bernhard Hoetger das expressionistische Gebäudeensemble mit dem „Kaffee Worpswede“ bauen. Ohne Nägel und Schrauben, ohne gerade Ecken und Kanten. Die Dorfbewohner schütteln nur den Kopf und nannten das Haus „Kaffee Verrückt.“ Der Name hat sich bis heute erhalten. Momentan wird das Ensemble, zu dem auch die „Große Kunstschau“ gehört, renoviert und soll zum 100-jährigen Jubiläum in diesem Jahr wiedereröffnen.
Kunst auf allen Wegen
Lohnenswert ist ein Spaziergang durch den recht weitläufigen Ort. Einen Plan, der auf unterschiedlich langen Wegen zu allen Sehenswürdigkeiten führt, gibt es für einen Euro in der Touristeninformation im Philine-Vogeler-Haus. Ganz Worpswede ist ein Open-Air-Skulpturenpark. Unbedingt anschauen: Den Bonzen des Humors von Bernhard Hoetger in der Nähe des zentralen Parkplatzes in der Bergstraße, der oftmals mit einem lachenden Buddha verwechselt wird.
Paula Modersohn-Becker
Umgeben von Gemälden Paula Modersohn-Beckers können Besucher in der Hembergstraße 19 das ehemalige Wohnhaus der Künstlerin und ihres Mannes, dem Landschaftsmaler Otto Modersohn besuchen. Otto Modersohn hatte das kleine Wohnhaus 1897 erworben und war später nach Fischerhude gezogen.
Bahnhof mit(Jugend)-Stil
Heinrich Vogeler war nicht nur Maler und Zeichner, sondern entwarf auch Möbel, Gebrauchsgegenstände und arbeitete als Architekt. 1910 wurde sein rosafarbener Bahnhof eingeweiht und 100 Jahre später aufwändig renoviert. Die Original-Jugendstileinrichtung ist größtenteils erhalten. Heute ist im Bahnhof ein Restaurant untergebracht. Von Mai bis Oktober hält der Moorexpress mit seinen roten Waggons auf seiner Fahrt von Bremen nach Stade an allen Wochenenden und Feiertagen auch in Worpswede.
Hausmannskost mit Ausblick
Wer im Winter nach Worpswede fährt, kann den Ausflug in das Künstlerdorf gut mit einem Grünkohlessen verbinden. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch in der Hammehütte (Neu-Helgoland) direkt am Naturschutzgebiet Teufelsmoor und dem Fluss Hamme gelegen. Nach dem Essen oder vorher lohnt ein Spaziergang durch das Moor. Wer die Bilder der Worpsweder Künstler angeschaut hat, erkennt das mystische Licht, die Kanäle, die Birken, den Nebel über den Wiesen und die weite Landschaft sofort wieder.