Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner während eines Interviews im niedersächsischen Landtag in Hannover.

Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner während eines Interviews im niedersächsischen Landtag in Hannover. Foto: picture alliance/dpa | Shireen Broszies

CDU-Deepfake-Skandal: Chatgruppe „MitGLIEDER“ bringt Fraktionschef unter Druck

Die Affäre um ein in der CDU-Landtagsfraktion verbreitetes Deepfake-Video rückt näher an Fraktionschef Sebastian Lechner heran. Nach Angaben des NDR Niedersachsen gehörten der internen WhatsApp-Gruppe, in der das Video am 17. Januar geteilt wurde, ausschließlich Mitarbeiter aus seinem engsten Umfeld an.

Lechner bleibt in einem Interview mit der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ dabei, erst Ende März von dem Fall erfahren zu haben – mehr als zwei Monate nachdem der mutmaßliche Ersteller des Videos abgemahnt worden war. Zugleich räumt er Fehler ein: Es sei „absolut unüblich“, dass er über eine solche arbeitsrechtliche Maßnahme nicht informiert worden sei. „Ich hätte mir gewünscht, dass ich am 19. Januar unverzüglich informiert worden wäre.“ Offenbar habe man die Situation damals anders eingeschätzt und nicht als so dringlich bewertet, auch um ihn selbst zu schützen. „Das war natürlich ein Fehler.“

Opposition zweifelt – Details zum Deepfake-Video und zur Chatgruppe

Die Darstellung sorgt für Kritik bei SPD und Grünen. Volker Bajus sagt: „Entweder er sagt uns hier die Unwahrheit oder er hat seine Fraktion nicht im Griff.“ Auch Wiard Siebels hält es für „nicht lebensnah“, dass ein leitender Mitarbeiter abgemahnt werde, ohne dass der Fraktionsvorsitzende davon wisse.

Nach NDR-Informationen zeigt das Deepfake-Video eine sexualisierte Szene: eine knapp bekleidete Frau, bei der das Gesicht einer Kollegin per Künstlicher Intelligenz eingefügt wurde. Die Frau kniet mit gespreizten Beinen und bietet die Lippen zum Oralverkehr an. Geteilt wurde es in der WhatsApp-Gruppe „MitGLIEDER“, der neun männliche Mitarbeiter der CDU-Fraktion angehörten; als Gruppenbild diente ein Elefant mit erigiertem Penis.

Mitarbeiter entbunden, Strafantrag gestellt: So lief der Fall intern und juristisch weiter

Zu der Gruppe gehörte auch der damalige Fraktionsgeschäftsführer und Bürgermeisterkandidat aus Dörverden, Adrian Mohr. Er informierte am 17. Januar die Parlamentarische Geschäftsführerin Carina Hermann über den Vorfall – nach deren Darstellung allerdings in stark verharmlosender Form. Mohr wurde später vorläufig von seinen Aufgaben entbunden. Der mutmaßliche Ersteller des Videos wurde zunächst abgemahnt und nach Bekanntwerden des Falls kurz vor Ostern fristlos entlassen.

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Die betroffene Frau erfuhr laut NDR am 27. März von dem Video und wandte sich an Carina Hermann. Kurz darauf machte die CDU-Fraktion den Fall öffentlich und informierte nach eigenen Angaben die Staatsanwaltschaft. Die Frau stellte Strafantrag, der laut Staatsanwaltschaft eingegangen ist – Voraussetzung, damit ermittelt werden kann, da es sich um ein Antragsdelikt handelt. Nach früheren Angaben der Behörde gibt es keine Hinweise auf den Tatbestand der Beleidigung; im Raum steht der Verdacht einer Verletzung des Kunsturheberrechts.

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