Aus Friedrich Merz wird „Herr Merkel“ und der internationale Besuch geht eigene Wege
Es dauert nur wenige Minuten, dann gehen sie getrennte Wege: Bundeskanzler Friedrich Merz und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva teilen ihren Rundgang über die Hannover Messe auf – ausgerechnet bei einem Termin, der traditionell ein Bild enger Partnerschaft liefern soll.
Während Lula bei brasilianischen Ausstellern bleibt, zieht Merz weiter über das Gelände und schaut sich unter anderem Roboter und neue Technologien an. Der gemeinsame Rundgang ist damit praktisch beendet, bevor er richtig begonnen hat. Bei Polizei und Messe sorgt der ungewöhnliche Ablauf für Verwunderung. „Das haben wir noch nie erlebt“, heißt es.
Zuvor hatten Merz und Lula Einigkeit demonstriert
Kurz darauf folgt die nächste Irritation: Am Stand von Phoenix Contact wird Merz mit seiner Vorgängerin verwechselt. „Recht herzlich willkommen, Herr Merkel, äh Herr Bundeskanzler Merz“, sagt Geschäftsführer Dirk Görlitzer.
Noch kurz zuvor hatten Merz und Lula Einigkeit demonstriert. Am Stand des Partnerlandes Brasilien betonte der Kanzler die Bedeutung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten. „Das ist unsere Antwort auf die großen Verwerfungen, die wir gegenwärtig erleben“, sagte er.
Auch Lula warb für engere Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika und verteidigte die regelbasierte internationale Ordnung. „Die Welt kann nicht mit Lügen regiert werden“, sagte er.
Kanzler: Deutschland muss in Europa „die Lokomotive“ sein
Bei den deutsch-brasilianischen Wirtschaftstagen kündigte Merz an, den bilateralen Handel deutlich ausbauen zu wollen. Deutschland müsse dabei in Europa „das Zugpferd“, „die Lokomotive“ sein.
Zugleich bekam der Kanzler scharfe Kritik aus der Industrie zu hören. „Der Reformstau muss endlich aufgelöst werden“, forderte Gunther Kegel, Präsident des Elektro- und Digitalindustrieverbandes ZVEI. Bertram Kawlath vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sagte: „Die Grenzen der Leidensfähigkeit sind erreicht.“
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Der Industrieverband BDI kippt angesichts des Iran-Kriegs seine Prognose für 2026 und rechnet bestenfalls noch mit einem Nullwachstum bei der Industrieproduktion. „Der Iran-Krieg sorgt dafür, dass der Aufschwung weit ins zweite Halbjahr verschoben wird, vermutlich eher nach 2027“, sagt BDI-Präsident Peter Leibinger. Die Krise in Nahost sei dabei aber nicht die Ursache, sie verschärfe die Lage nur. „Die Ursache liegt bei uns.“
Mehr als 3000 Aussteller zeigen auf der Hannover Messe noch bis Freitag Neuheiten aus Maschinenbau, Elektro-, Digital- und Energiewirtschaft. Im Mittelpunkt stehen Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik. (dpa/mp)
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