Freilassung von Timmy: Wal-Experte erhebt schwere Vorwürfe gegen Beteiligte
Buckelwal Timmy ist tot. Doch was geschah in den letzten Stunden vor seiner Freilassung? Darüber gibt es unterschiedlichste Theorien. In einem Interview erhebt der ehemalige Walfänger Jeff Foster, der für das Whale Sanctuary Project (WSP) im Einsatz vor Ort war, schwere Vorwürfe.
Zusammenfassung:
- Buckelwal Timmy ist tot.
- Wal-Experte Jeff Foster erhebt schwere Vorwürfe.
- Die Freilassung von Timmy verlief offenbar chaotisch.
Eigentlich war es Jeff Foster, der mit der Koordination der Freilassung in die Nordsee beauftragt war. Er war am Morgen des 2. Mai bereits an Bord der „Robin Hood“, die mit dem Lastkahn, in dem der Wal schwamm, verbunden war. Dort wartete er auf sein Team, zu dem auch die Tierärzte und andere Experten gehörten. Doch dann kam es offenbar zu einem Streit um die Verantwortlichkeit.
Timmys letzte Stunden: Ex-Walfänger Jeff Foster erhebt schwere Vorwürfe
Nach der Darstellung von Jeff Foster wollten der Kapitän der „Robin Hood“ und die anderen Teilnehmer der Aktion vor Ort nicht auf die Ankunft des WSP-Teams warten, sondern den Wal schnell freilassen. So erklärt es Foster in einem Interview mit der Influencerin Nicolette DeVidar, das auf X veröffentlicht wurde.
„Es war niemand vor Ort, der etwas von Walen verstand, außer mir“, so die Worte Fosters. Er habe deshalb darauf bestanden, dass das WSP-Team zuerst geholt werden müsste, bevor Timmy freigelassen würde. Doch Kapitän Martin Bocklage habe ihm gesagt, dass man das Team nicht brauche.
„Es ging immer hin und her. Er blieb stur“, so Foster. Und: „Das war wirklich frustrierend für mich.“ Am Ende sei er zum Zuschauen verdammt gewesen. Und das, was er dabei zu sehen bekommen habe, sei für ihn „an der Grenze der Tierquälerei“ gewesen.
Foster spricht von „roher Gewalt“ bei der Freilassung des Wals
Denn: Anders als geplant, wurde Timmy nicht durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit in Richtung Heck aus der Barge getrieben, sondern durch „rohe Gewalt“. Ein Taucher habe zunächst versucht, den Kopf des Wals umzubiegen, damit der sich umdrehen würde. „Er hat es mehrmals versucht, aber der Wal war viel zu groß dafür“, so Foster.
Dann hätten die Beteiligten mehrere Versuche unternommen, ein Seil um „Timmys“ Schwanzflosse zu legen, und dabei auch eine Bootshakenstange verwendet. „Das ist ein sehr scharfes Instrument mit einer sehr spitzen Spitze“, so Foster.
Er selbst habe die Szene von einer fliegenden Brücke aus gefilmt. Ein Ausschnitt davon ist auf dem X-Beitrag zu sehen – und zu hören! Der Wal gibt laute Geräusche von sich, die gequält klingen. Doch mehr filmen habe er nicht können, berichtet Foster. Denn anscheinend gab es eine weitere Eskalation.
Der Skipper der „Robin Hood“ sei auf ihn zugetreten, habe ihm das Handy aus der Hand gerissen und „No photos!“ gerufen. „Er drohte mir, das Handy über Bord zu werfen“, beschreibt Foster die Situation. Er habe daraufhin versprochen, keine Videos mehr zu machen. Der Dialog zwischen ihm und dem Skipper ist auf einer verwackelten Filmaufnahme zu hören.
Mit Seilen und Tempo über Sandsack-Barriere: „Ich war wahnsinnig wütend, das zu sehen“
Schließlich will Foster beobachtet haben, wie Timmy per Seil mit einem Schlepper verbunden worden sei, der den Meeresriesen dann mit aus seiner Sicht viel zu hohem Tempo von Bord zog. „Der Wal hatte die Brustflossen nach rechts und links weit ausgestreckt und wurde in dieser Position gewaltsam über die schweren Sandsäcke an Bord der Barge gezogen“, erklärt Foster in dem Interview.
„Ich war wahnsinnig wütend, das zu sehen“, so Foster. Der Wal habe desorientiert und gestresst gewirkt. Im Wasser habe er nur schwach aufgetaucht, um einen halben Atemzug zu nehmen. Erst in diesem Moment ist Foster nach eigener Darstellung wieder erlaubt worden, sein Handy zu benutzen, um zu filmen.
„Das hätte so alles nicht passieren dürfen“, meint der frühere Walfänger. „Wir hatten eine sichere, humane Freilassung geplant.“ Er habe ein starkes Gefühl der Frustration verspürt.
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Die Schiffscrew der „Robin Hood“ hatte sich bereits im Vorfeld zu den Vorwürfen geäußert. „Unsere Mandantin und die gesamte Crew haben alles dafür getan, dass ‚Timmy‘ möglichst unbeschadet und so schnell wie möglich in Freiheit gelangt. Das ist gelungen“, ließ die Crew über eine Anwaltskanzlei mitteilen.
Wie unbeschadet das nun wirklich gelungen ist, hat sich am Freitag gezeigt: Die Identität des Tage zuvor vor der dänischen Insel Anholt entdeckten toten Wals wurde bestätigt: Es ist Timmy.