Eklat an Elite-Internat im Norden: Schüler schmettern Nazi-Parolen – wie im „Pony“
Ist es in feinen Kreisen en vogue, Nazi-Parolen wie „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus“ zu grölen? Nachdem sich in der „Pony“-Bar auf Sylt junge privilegierte Pulli-Träger dabei gefilmt haben, wird nun ein weiterer Vorfall bekannt: ausgerechnet im Nobel-Internat Louisenlund bei Schleswig.
Louisenlund wirbt mit edlen Fotos seines Schlosses nebst historischem Freimaurergarten direkt an der Schlei um Schüler. Wer hier zur Bildungselite herangezogen werden möchte, dessen Eltern müssen ein Schulgeld von rund 50.000 Euro jährlich hinblättern. Und das dürften längst nicht alle Kosten sein. Bei einigen zahlungskräftigen Hamburger Familien ist das Internat beliebt, weil es nur 120 Kilometer entfernt liegt und in eineinhalb Stunden erreichbar ist.
Wie ein Lehrer, der anonym bleiben möchte, der MOPO berichtet, musste am vergangenen Donnerstag eine Art Schülerdisco, das sogenannte „Schülerhaus“, von den Lehrern abgebrochen werden. Denn auf der Tanzfläche stimmten etliche Jugendliche einen Chor an: „Deutschland den Deutschen. Ausländer raus“, gesungen auf die Melodie des Songs „L’amour Toujours“ von DJ D’Agostino – genau wie in der Nobelbar „Pony“ auf Sylt.
Louisenlund: Nazi-Parolen in der Schüler-Disco
„Enttäuschend ist, dass sich scheinbar wirklich viele Schüler dem Gesang angeschlossen haben und der Rest nichts dagegen gesagt oder getan hat.“ So heißt es in einer internen Nachricht einer der Betreuerinnen ans Schulkollegium, die der MOPO vorliegt. Der Vorfall müsse nun auf jeden Fall aufgearbeitet werden.
Tatsächlich heißt es von einem Lehrer, dass sich Schüler aus Louisenlund auch häufig auf Sylt in der „Pony“-Bar aufhalten und sie womöglich auch dort an solchen Gesängen beteiligt waren.
Einige wenige der zumeist männlichen Schüler, die gegrölt hatten, konnten von den Betreuern noch direkt nach dem Vorfall damit konfrontiert werden. Sie hätten gegenüber den Pädagogen behauptet, dass das alles „nicht ernst gemeint gewesen sei“, so steht es in dem internen Schreiben. Privilegierte Schüler, die in internationalen Fächern (IB World School) auf ihre Karriere vorbereitet werden und derartige Texte grölen, ohne mit der Wimper zu zucken? Das macht auch den Lehrern zu schaffen. „Hier nimmt das keiner auf die leichte Schulter“, so der anonyme Lehrer.
Nobelbar „Pony“ auf Sylt: Auch dort gab es Nazi-Gesänge
Zu den Kursen und Zielen heißt es auf der Homepage der Schule: „Der Unterricht in der IB World School erfolgt in englischer Sprache und bereitet Kinder ideal auf unsere globalisierte Welt vor. Schülerinnen und Schüler lernen in der internationalen Schule, weltoffen zu handeln und kritisch zu denken.“
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Die MOPO fragte in Louisenlund nach einer Stellungnahme. Der Vorsitzende der Stiftung Peter Rösner bat sich eine Frist aus, um die Vorfälle zunächst intern zu klären. In einer Mail an alle Lehrer, Eltern und Schüler, die er auch der MOPO schickte, hat er sich allerdings schon in Kürze zu den Vorfällen und Vorwürfen geäußert, eine gemeinsame Aufklärung gefordert und eine Entscheidung über mögliche Sanktionen angekündigt.
„Die Stiftung Louisenlund steht für Toleranz, Völkerverständigung, Weltoffenheit – und wendet sich gegen jede Form von Ausgrenzung, Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit“, heißt es einführend in dem Schreiben. „Mich erreichen nun verschiedene Anfragen und viele Meinungen dazu, wie wir damit umgehen sollten, wenn Schülerinnen und Schüler in Louisenlund fremdenfeindliche Lieder singen – und wir werden darauf auch Antworten finden.“