Dicke Pötte, schönes Hinterland: Eine Radtour am Wasserweg mit Weltrekorden
Kreuzfahrtschiff oder Segelboot, Containerriese oder Motoryacht – wer Schiffe sehen möchte, braucht am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) nicht lange zu warten. Etwa 100 Schiffe, Sportboote nicht mitgezählt, durchqueren die am meisten befahrene künstliche Wasserstraße der Welt am Tag. Oft in gemächlichem Tempo, sodass man gut auf dem Rad mithalten kann. Eine rund 300 Kilometer lange Fahrradtour führt in acht Etappen am NOK entlang.
Radeln auf der NOK-Route
Nur gut anderthalb Stunden mit dem Zug oder Auto von Hamburg entfernt beginnt am Nord-Ostsee-Kanal ein kleines Paradies für Radfahrer. Die NOK-Route (www.nok-sh.de/nok-route) führt in acht Tagesetappen auf einer Länge von 312 Kilometern von Brunsbüttel bis Kiel oder umgekehrt, Abstecher ins Hinterland inklusive. Wir haben die letzten drei Etappen von Rendsburg bis Kiel getestet.
Weltweite Besonderheit
Schon der Start in Rendsburg ist ein Erlebnis. Unter der Eisenbahnhochbrücke schwebt seit 112 Jahren eine Fähre über den Kanal – ein technisches Denkmal, das man gesehen haben muss und das in ähnlicher Form nur achtmal weltweit noch erhalten ist. Bis zu 100 Personen und vier Autos können zugleich und gratis über den Kanal schweben. Die Fähre ist Teil des kostenlosen Übergangsnetzes über den Nord-Ostsee-Kanal, das auf einer Verordnung von Kaiser Wilhelm I. basiert, der 1887 in Kiel-Holtenau den Grundstein für den Bau des Kanals legte. Am Ufer lässt sich gleich noch ein Highlight bestaunen: Auf der mit einer Länge von 575,75 Metern längsten Bank der Welt ist immer ein Platz zum Schiffe-Beobachten frei.
Leckere Fischbrötchen
Am „Imbiss Sehestedt“ lohnt ein Stopp: frische Fischbrötchen und die berühmte Bratwurst mit Kanalblick – ein Treffpunkt für Radler aus aller Welt. Etwa 70 bis 100 Schiffe passieren den Nord-Ostsee-Kanal durchschnittlich pro Tag. Im Jahresdurchschnitt sind es bis zu 30.000 Schiffe. Dazu kommen mehr als 12.000 Sportboote, die ebenfalls jährlich den Kanal nutzen. Wer mag, dreht von hier eine Schleife im Hinterland zur Eiderkanalschleuse Kluvensiek, nach Bovenau, vorbei an Gütern und Herrenhäusern. Frischen Fisch direkt aus dem Kanal gibt es in „Brauers Aalkate“ in Rade, betrieben von einer der letzten Kanalfischer-Familien.
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Schleusen, Fähren, Brücken
Die kleine Feldsteinkirche in Sehestedt können wir jetzt vom anderen Ufer anschauen, denn für die nächste Etappe der NOK-Route müssen wir mit der Fähre die Kanalseite wechseln. Immer am Ufer entlang radeln wir bis Klein Königsförde und weiter bis zum Flemhuder See. Mit der Fähre Landwehr geht es wieder an die Nordseite, um über Schinkel und Revensdorf zum heutigen Ziel nach Gettorf zu gelangen.
Förde in Sicht
Vom Gut Warleberg ist der Kanalblick einzigartig. Sehenswert ist auch die Levensauer Hochbrücke, das letzte erhaltene Brückenwerk aus der Kaiserzeit. Hier entsteht gerade ein Neubau – Umleitungen unvermeidlich. Direkt am Kanal entlang führt die Route bis Kiel-Holtenau. Der Leuchtturm markiert seit 1895 die Kanaleinfahrt. Unser Ziel ist das „Schiffercafé“ am idyllischen Tiessenkai mit seinen historischen Kontorhäusern und dem alten Packhaus. Auch nach drei Tagen am Kanal ist es immer noch ein Erlebnis, die Schiffe beim Ein- oder Auslaufen zu beobachten.