Konzert
ZZ Top: Der alte Besen kehrt gut
Die Legenden von ZZ Top kehrten am Donnerstag in den Stadtpark zurück.
Seit Monaten war das Konzert der bärtigen Herren aus Texas ausverkauft. Glitzernde Jackets, rauen Gesang und Gitarrensoli satt gab es bei ihrem Gastspiel im grünen Rund. Ein Bart von ZZ Top wurde dennoch schmerzlich vermisst…
Zehn Jahre ist es her, dass ZZ Top den Stadtpark beehrten, und man erzählt sich noch heute von dem Konzert der Kultband, obwohl sie im Jahr 2019 noch mal in Hamburg zu ihrem 50-jährigen Jubiläum in der Barclays Arena gastierten. Bei beiden Shows stand Sänger und Gitarrist Billy Gibbons noch der 2021 verstorbene Bassist Dusty Hill zur Seite – die beiden bildeten musikalisch und optisch eine Einheit.
Hill hatte sich kurz vor seinem Tod gewünscht, dass ZZ Top mit dem langjährigen Gitarren-Techniker der Gruppe, Elwood Francis, als Livebassist weitermachen sollten; dieser war eh schon vorübergehend eingesprungen. Es ist am Donnerstag im Stadtpark also das erste Mal, dass Hamburg das neue Frontgespann live zu sehen bekommt.
ZZ Top im Stadtpark: Die Bärte sitzen
Nicht abzusehen war allerdings die Abwesenheit von Frank Beard (trotz des Namens das einzige Mitglied von ZZ Top, das nie einen Bart trug). Der Schlagzeuger hatte nach Problemen mit dem Fuß und Knöchel im vergangenen Jahr eine Auszeit genommen, dann aber wieder sein Comeback mit ZZ Top gefeiert. Der Zahn der Zeit macht eben auch vor Legenden nicht halt.
Zu „Got Me Under Pressure“ kommen die Herren um 20.30 Uhr auf die Bühne. Als Dekoration baumeln mehr als ein halbes Dutzend Verstärkerboxen an einem Geländer. Den Hintergrund ziert ein gesprayter Schriftzug des Bandnamens auf einer Graffiti-Wand. Gibbons und Francis tragen aufeinander abgestimmte, mit funkelnden Applikationen übersäte Jacken zur Schau. Während Gibbons einen Hut aufhat, schmückt Francis eine windschnittige, weißhaarige Frisur.
Irgendwie beruhigend: Die Bärte der beiden Männer sitzen 1a! Francis trägt eine Bassgitarre mit besonders weitem Schaft unterm Arm – ein monströses Teil. Und doch wirkt der Anfang soundmäßig nicht ganz so druckvoll, wie man es von ZZ Top gewohnt ist.
Sprechchor für Elwood
Spätestens mit dem fünften Song, dem Mainstream-Hit „Gimme All Your Lovin‘“, kommen die Hamburger in Stimmung. Es wird mitgesungen. Als ZZ Top das Lied 1983 herausbrachten, hatten Fans, die sie für ihren Bluesrock liebten, den Wandel hin zur „Disco-Mukke“ gar als Verrat empfunden. Heute sichern ihnen besonders solche Titel die Rente.
„Habt ihr heute Abend eine gute Zeit?“, fragt Gibbons ins Rund. „Wir sind den langen Weg aus Texas gekommen. Und ich bin so froh, dass Elwood an meiner Seite ist.“ Dass er über den Verlust von Hill wohl nie ganz hinwegkommen wird, liegt auf der Hand. Gibbons stimmt Anfeuerungsrufe für Elwood an, das Publikum lässt sich nicht lange bitten und macht einen Sprechchor für den nach fünf Jahren gar nicht mehr so neuen Neuzugang von ZZ Top.
Die Rauheit des Blues ist noch da
Es gibt Gitarrensoli satt an diesem Abend. Mehr geht eigentlich nicht. Schon 2004 wurden ZZ Top in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Eine Band, die dem Titel alle Ehre macht. Gibbons und Francis sind bereits prima aufeinander eingespielt. Ab und an schmiegen sie beim Spiel die Hüften im Gleichschritt aneinander. Das wirkt wie ein Zitat der Vergangenheit. Stimmlichen Support könnte Gibbons allerdings gebrauchen. So ganz kraftvoll kommt das nicht mehr rüber. Die Rauheit des Blues ist allerdings noch da.
Dafür zaubert Gibbons an der Gitarre, zupft am Gitarrenhals, reibt sich den Gitarrenkörper übers Gemächt. Einen Fan in der ersten Reihe beglückt er mit einem Plektron. Männerüberschuss gibt es übrigens nicht nur auf der Bühne. Songs wie „Sharp Dressed Man“ und das machomäßige „Legs“ werden gefeiert. Letzteren Hit spielen Gibbons und Francis auf mit rosafarbenem Plüsch dekorierten Saiteninstrumenten.
Zur Zugabe kommen sie in glitzernden roten Jackets zurück auf die Bühne und frönen mit „Brown Sugar“ dem Blues- und Southernrock. Alles klatscht mit. Mit „La Grange“, das ZZ Top einst als Hommage an ein historisches Bordell in Texas schrieben, beenden sie ihr Konzert: Francis dreht Pirouetten, Gibbons spackt noch mal an der Gitarre ab. Und die Hamburger gehen beglückt in die Nacht.
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