Zwischen Weltschmerz und Ohnmacht: Fünf Hamburger erzählen von ihrem Partei-Beitritt
Die Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, internationale Kriege und Konflikte, der Bruch der Ampel: Bei den vielen schlechten Nachrichten in den vergangenen Monaten könnte man resignieren. Oder sich eben engagieren. So viele Menschen wie lange nicht mehr treten zurzeit in Parteien ein und machen genau das. Fünf von ihnen haben wir für dieses Foto zusammengeholt. Sie sagen: Wir wollen etwas ändern! Was genau und warum jetzt? Das haben sie uns verraten …
Ich dachte: Ich muss was tun!
„Ich hatte schon länger überlegt, in eine Partei einzutreten, habe es aber nie gemacht. Es gab mehrere Auslöser, weshalb ich mich jetzt bei den Jusos engagiere. Aber vor allem der immer größer werden Rechtsruck bei Jungwähler:innen hat dafür gesorgt, dass ich dachte: Ich muss was tun und für Demokratie eintreten! Es ist außerdem schön zu sehen, dass es viele gibt, so wie ich, die sich noch nicht lange engagieren und jetzt aber diesen Schritt gemacht haben. Ich freu mich darüber, mit Genoss:innen über wichtige Geschehnisse in der Welt zu debattieren. Paula Klewer (17), Schülerin aus Tonndorf
Mit Schimpfen erreicht man nichts
„Bei uns in der Familie wird sehr viel diskutiert. Meine Frau ist seit 2017 schon bei der FDP und mittlerweile Kreisvorsitzende. Die Kontakte zur Partei hatte ich also schon länger. Mit dem Ampel-Bruch kam der Wunsch, mich jetzt zu engagieren. Alle hatten sich auf die FDP eingeschossen und da war für mich ein Punkt erreicht, wo ich gesagt habe: Jetzt erst recht. Außerdem: Mit Schimpfen erreicht man nichts. Deshalb der Partei-Beitritt. Ich möchte mich für die Zukunft meiner Kinder starkmachen.“ Miran Bilic (56), Verlagsmanager aus Volksdorf
Scheiße! Jetzt mische ich mich ein!
„Ich habe mich früher schon bei „Fridays for Future“ engagiert, weil ich ein Ventil für meinen Weltschmerz brauchte. Ich wollte einen Platz für mich finden und habe mich deshalb bei verschiedenen Organisationen umgeschaut. Der konkrete Grund war die Europawahl beziehungsweise das Erstarken rechter Kräfte. Ich bin an dem Abend noch mit zwei Freund:innen sofort beigetreten. Wir haben gedacht: Scheiße! Jetzt mischen wir uns ein, jetzt machen wir mit! Dieses Erstarken wollen wir nicht einfach umkommentiert stehen lassen. Wir werden unseren Beitrag leisten gegen Rassismus und Faschismus. Durch die parteiliche Arbeit und den Wahlkampf kann ich sozial schwache Menschen unterstützen und das gibt mir ein starkes Gefühl der Selbstwirksamkeit.“ Leon G. (22), Fluggerätemechaniker aus Wandsbek
Für meine Enkel ist das Thema Klima wichtig
„Als Trump die Wahl gewonnen hat, das hat mich in Schockstarre versetzt. Ich hatte das Gefühl, überrannt zu werden, auch vom Erstarken der AfD in Ostdeutschland. Da habe ich gedacht: Jetzt muss ich was für den Erhalt der Demokratie tun. Meine Enkelkinder liegen mir sehr am Herzen, deshalb ist mir das Thema Klima sehr wichtig. Für die jungen Leute ist das so entscheidend, dass man das Thema Klima und Umwelt weiter hochhält und dafür weiter eintritt. Ich habe erste Wahlkampferfahrungen gemacht und es tut gut, nicht diesen ganzen Frust und den Ärger in mich hineinzufressen, sondern meinen kleinen Beitrag für die Demokratie zu leisten und meine Stimme zu erheben.“ Brigitte Schüler (77) aus Winterhude
Ich möchte Hamburg besser machen
„In der Schule schon war Politik immer mein Lieblingsfach. Im letzten Jahr kam mir dann der Gedanke, sich nicht immer nur zu informieren und zu ärgern, sondern auch mal was zu machen. Als die Ampel zerbrochen ist und Trump gewählt wurde, dachte ich: Wenn nicht jetzt, wann dann?! Es ist die beste Möglichkeit, sich mit politischen Gleichgesinnten zu treffen. Ich möchte die Stadt, aus der ich komme, besser machen. Es tut gut, dass ich mich jetzt für meine Positionen einsetzen kann.“ Jakob Hornberger (18), Abiturient aus Blankenese
Das könnte Sie auch interessieren: „Das macht mich wütend!“: Warum ein Hafenarbeiter jetzt in die Politik geht
Alle Hamburger Parteien bis auf die FDP hatten Ende 2024 mehr Mitglieder als am Anfang. Die CDU hatte am 1. Januar 2024 5846 Mitglieder, am 31. Dezember waren es 6041. Bei den Grünen waren es 4399 am Anfang und 5603 am Ende. Bei den Linken wurden aus 1675, 2140 Mitglieder. Die SPD hatte am Anfang des Jahres 10.184 und am Ende 10.377. Bei der FDP waren es 2019 am 1. Januar und 1961 am 31. Dezember.