Zweifelhafte Sparmaßnahme: Behörde will Schäferin 70 Schafe streichen

Nadine Quinn (45) ist Schäferin in den Boberger Dünen.
Nadine Quinn (45) mit einem Zicklein auf dem Arm. Die Schäferin aus den Boberger Dünen sorgt sich um ihre Herde.

Ihre Herde ist das Highlight bei jedem Besuch im Naturschutzgebiet Boberger Niederung. Doch plötzlich will die Umweltbehörde, dass Schäferin Nadine Quinn (45) ein Drittel ihrer Herde abschafft. Die Begründung ist unglaublich und soll auf einer Anweisung von Hamburgs neuer Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) beruhen. Die Behörde erklärt es anders.

Seit April weidet die Herde mit 185 Heidschnucken und 25 Ziegen in dieser Saison bereits wieder in den Boberger Dünen und die tierischen Rasenmäher sorgen dafür, dass die Heideflächen freigehalten werden von Birken, Kiefern und anderem wuchernden Krautzeug. Ohne die fleißigen Helfer würde die Heide schnell unter anderen Pflanzen verschwinden. Auch die Wiesen halten sie kurz und schonen dabei Pflanzen und kleine Tiere, die bei einer Pflege mit Mähmaschinen unter die Räder kämen.

Zunächst wurden die 210 Tiere von Quinn auch von der zuständigen Abteilung der Umweltbehörde bewilligt. „Doch plötzlich hieß es jetzt, ich müsse die Herde doch um 70 Tiere reduzieren“, schildert Nadine Quinn. „Und das mitten im Beweidungsjahr, wo die Gelder schon bewilligt waren.“ Begründet wurde das nicht mit fachlichen Argumenten, sondern ganz schlicht mit fehlendem Geld. „Es hieß, Frau Fegebank wolle Geld vom Naturschutz in den Klimaschutz umschichten und daher seien die Mittel nun knapper.“

Nadine Quinn (45) mit Schafen
Nadine Quinn (45) mit ihren Schafen auf der Düne.

Fachlich ist die Maßnahme aus Sicht von Quinn völlig unsinnig. „Die Heideflächen brauchen einen viel größeren Druck, mit einer so kleinen Herde von 135 Tieren ist das Gebiet nicht zu schaffen.“ Das habe man vor einigen Jahren bereits auf diesen 100 Hektar versucht und sei gescheitert. Daher wurde die Zahl der Tiere dann auf 210 aufgestockt.

Hamburger Umweltbehörde streicht Geld für Schafherde

Nicht die erste Korrektur nach einer Fehlplanung. Denn die Umweltbehörde hatte zuvor auch schon die schonende Beweidung der Boberger Dünen durch Schafe und Ziegen aus Kostengründen abgeschafft und glaubte, Mähmaschinen seien effektiver und günstiger. Das stellte sich als fataler Irrtum heraus und 2023 kehrte die Stadt zurück zur Beweidung durch Schafe und Ziegen.

Die Schäferin erhält Geld für die Beweidung der Flächen durch Ihre Tiere, das ist üblich. Durch die Reduzierung der Herdengröße kann die Behörde auf einen Schlag 40.000 Euro sparen. Geld, das sehr kurzfristig bei Nadine Quinn in der Kasse fehlt.

Quinn muss nun auch noch zusehen, was sie mit den 70 überzähligen Schafen und Ziegen macht. „Ich möchte sie natürlich möglichst nicht schlachten lassen“, sagt sie. Denn einige hat sie sogar erst kürzlich aus privater Haltung übernommen, von einer Frau, die sie nicht behalten konnte, nachdem ihr Mann an Krebs gestorben war. „Das könnte ich der Frau nicht antun.“

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Die Umweltbehörde stellt die Situation gegenüber der MOPO anders dar. Sie spricht von 50 Schafen und Ziegen, die Nadine Quinn reduzieren soll, von 185 auf 135 Tiere. Der Grund für die Reduzierung seien auch nicht die Kosten, sondern fachliche Gründe: „Das Pflanzenwachstum des Jahres konnte im März noch nicht abgesehen werden. Die Witterung dieses Jahres war bisher sehr trocken, sodass eine höhere Tierzahl nicht länger als fachlich notwendig erachtet wird“, sagt Behördensprecherin Birgit Seitz.

Bei Besuchern der Boberger Dünen und des Sees sind die Schäferin und ihre Herde sehr beliebt. Nadine Quinn lädt Besucher auch regelmäßig dazu ein, sie und die Herde zu begleiten und erzählt viel über sie, zum Naturschutz und natürlich auch über ihre Herdenschutz- und Hütehunde. Die Empörung der Besucher über die drohende Maßnahme ist groß. Bis zum 10. Juni sollen die überzähligen Tiere nun die Boberger Niederung verlassen.